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Mythos 7: Energieeffiziente TK-Systeme leisten einen bedeutenden Beitrag zur Reduzierung von Treibhausgasen
Der Hype, der um Green IT entstanden ist, strahlt auf alle Bereiche der IT aus und so bleibt es nicht aus, dass einige Hersteller versuchen, einen Zusammenhang zwischen schmelzenden Polkappen und den Produkten der Konkurrenz herzustellen. Und vermutlich jeder Vertriebsmitarbeiter hat Präsentationen im Gepäck, die an das schlechte Gewissen appellieren. Tenor: Wer nicht unterschreibt, ist eine Umweltsau.
Dass hier stark übertrieben wird, zeigen allein die Berechnungen des (korrigierten!) VAF-Reports. Der Anteil der TK-Komponenten (Server und Telefone) am Gesamtstrombedarf der Szenarien liegt hier zwischen 1,5% und 2,5%. Bei der ComConsult Beratung und Planung beträgt der Anteil überschlägig 2,5% was nahelegt, dass das VAF-Modell zumindest an dieser Stelle realistische Werte liefert.
Wie wirkt sich das auf die Kosten aus? Angenommen ein Unternehmen mit 1.000 Mitarbeitern, das eine VoIP-Lösung mit Hardphones einsetzt, würde in eine neue Lösung mit der Hälfte des Verbrauchs investieren. Ausgehend von einer Stromrechnung von 53.953 € (lt.Tabelle 2) und einem Anteil der TK von 2,5% ergeben sich Einsparungen von satten 674 € im Jahr. Das entspricht rund 5.600 kWh bei 0,12 €/kWh.
Dies lässt schon erahnen, dass der Klimawandel auf diese Weise nicht zu stoppen ist. Rechnet man die jährliche Einsparung in Euro in den mit der Stromerzeugung verbundenen C02-Ausstoß um, so ergeben sich in Abhängigkeit von der Art des Kraftwerks unterschiedliche Werte. Tabelle 5 fasst den C02-Ausstoß in Gramm pro Kilowattstunden für einige Stromerzeugungsoptionen zusammen. Für das Beispiel mit 5.600 kWh bedeutet das einen Ausstoß zwischen 134 kg (Windpark) und 6,4 Tonnen (Braunkohle) pro Jahr. Ist das nun viel oder wenig?
Ein Vergleich hilft diese Werte richtig einzuschätzen. Ein VW Golf erzeugt rund 150 g/km des Treibhausgases. Eine Fahrt zur Arbeit über 10 km erzeugt also rund 3 kg C02, wenn man Hin- und Rückfahrt rechnet. Mit diesem C02-Budget kann ein IP-Telefon (4 Watt) knapp drei Jahre mit Atomstrom versorgt werden! Eine einzige Fahrt zur Arbeit entspricht damit drei Jahren Telefonie.
Das ganze ist unter Umweltgesichtspunkten also eine Scheindiskussion. Wer wirklich etwas für die Umwelt tun will, sollte seine Mitarbeiter mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen lassen oder in Job-Tickets und Videoconferencing-Systeme investieren. Präsentationen mit Bildern von sattgrünen Wäldern, possierlichen Eichhörnchen und lachenden Kindern sind vollkommen fehl am Platze.
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