Grundlagen moderner Netzwerktechnologien im Überblick – Teil 50

Carrier Ethernet – die Revolution im Wide Area Networking (WAN)

13.10.2009 | Autor / Redakteur: Dr. Franz-Joachim Kauffels / Andreas Donner

Die verschiedenen Netzwerk-Betrachtungs-Ansätze der einzelnen Gruppen; Bild: Dr. Franz-Joachim Kauffels
Die verschiedenen Netzwerk-Betrachtungs-Ansätze der einzelnen Gruppen; Bild: Dr. Franz-Joachim Kauffels

Provider stehen unter enormen wirtschaftlichen Zwängen. Durch Konkurrenzdruck und heftigem Preisverfall bei Triple Play Angeboten können sie die bisherigen Netze, die auf DWDM-Basis einen hohen Stapel zusätzlicher Protokolle und Systeme (SONET, ATM, EoATM, MPLS..) errichtet haben, nicht mehr weiter betreiben. Einziger und revolutionärer Ausweg: Carrier Ethernet – ein Switched Ethernet mit SONET-Qualitäten.

Die weltweite Verkehrslast besteht zu 99 Prozent aus Ethernet-Paketen. Es ist also sinnlos, Netze zu bauen, die derartige Pakete permanent in andere Formate konvertieren. Im Grunde sucht man ein System, welches das geswitchte Standard Ethernet um SONET-Grundqualitäten erweitert, z.B. die deterministische Arbeitsweise, die „lossless“ Übertragung, die Zuordnungsmöglichkeit fester Übertragungskapazitäten für die Realisierung von CoS/QoS, das schnelles Failover in Voice Grade Quality, die Skalierbarkeit in einem enormen Spektrum und die leichte Bedienbarkeit. Dies alles natürlich vollständig standardisiert.

Das Ergebnis aller Anstrengungen der letzten fünf Jahre ist das „Carrier Ethernet“, ein Switched Ethernet mit SONET-Qualitäten.

Im Bereich Carrier Ethernet wurden die generellen Anforderungen vom Metro Ethernet Forum (MEF) formuliert. MEF hat dadurch weitere IEEE-Standards angeregt, die aber wieder durch Interoperabilitätsprozeduren und Testverfahren ergänzt werden müssen. Auch diese kommen vom MEF.

Die eigentlich für Standardisierungen im Bereich Provider-Netze zuständige ITU ist die Quelle für vielfältige standardisierte Lösungen im Bereich der optischen Übertragung. ITU hält sich allerdings zurück, wenn es um die Entwicklung von Carrier Ethernet geht. Betrifft diese Entwicklung bereits durch ITU definierte Technologien und Verfahren, gibt es eine heftige Korrespondenz zwischen den Beteiligten. In diesem Zuge werden bestimmte Fragen und Entwicklungen aber auch an die Gremien IEEE 802.1 und 802.3 zurückverwiesen, weil es sich ja letztlich um Ethernet-Technologie handelt und es damit auch immer wieder Fragen hinsichtlich der Migration und Rückwärtskompatibilität gibt. So existieren ja bereits z.B. Verfahren zur Priorisierung und QoS-Stufendefinition bei 802.1. Es wäre nun Unsinn, für Carrier Ethernet völlig neue Verfahren in dieser Hinsicht zu entwickeln. Vielmehr ist es sinnvoll, die bestehenden Verfahren zu erweitern, wenn dies notwendig erscheint.

Die Thematik „Carrier Ethernet“ schwelt schon seit mindestens fünf Jahren. Aber erst im Herbst 2008 wurde der wirkliche Durchbruch erzielt: auf der Basis der MEF-Definitionen wurde der IEEE-Standard PBB-TE entwickelt. Die MEF-14-Prozeduren haben die Basis für Interoperabilitätstests geschaffen. Die Hersteller haben reihenweise Produkte realisiert. In der dritten September-Woche 2008 gab es dann einen großen öffentlichen Interoperabilitätstest mit 27 Herstellern nach MEF-14.

Carrier Ethernet bedeutet

  • erheblich angereicherte Grundqualität des Ethernet L2-Netzes
  • extreme Skalierbarkeit
  • vollständig standardisierte und zertifizierte Lösungen
  • vollständige L3-Transparenz
  • minimaler Preis

Gründe genug, es genauer unter die Lupe zu nehmen.

weiter mit: Carrier Ethernet unter der Lupe

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