Die Konvergenz von LAN und WLAN wächst Aus Ethernet und WLAN entsteht das Unified Services Network
Die führenden Netzwerkhersteller bekennen sich mit wachsender Begeisterung zur LAN-WLAN-Konvergenz. Cisco, 3Com oder Alcatel sprechen gerne von Produkten oder Carrier-Projekten, die unter dem Vorzeichen eines Unified Services Network stehen. Zu besichtigen sind solche Netzarchitekturen vorerst aber nur als Baustelle.
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Eine nahtlose Netzwerkinfrastruktur mit drahtgebundenen und drahtlosen Segmenten, wie sie gerne in wohlklingenden Verlautbarungen vorgestellt wird, ist in der Praxis keineswegs selbstverständlich. „Wir stehen erst ganz am Anfang einer einheitlichen LAN/WLAN-Netzwerkarchitektur“, konstatiert Craig Mathias, Consultant der US-amerikanischen Farepoint Group.
In der Praxis dominieren nach wie vor verschiedene Netzinfrastrukturen und daran angepasste Geräte- und Diensteplattformen: Die Unternehmen setzen Wireless Local Area Networks (WLAN) in Form einer Overlay-Architektur ein.
Damit sind die Trennlinien zwischen kabelgebundenem und drahtlosem Netz fixiert. Ein breites Equipment-Angebot vom hochgerüsteten Access Point bis zum zentralen WLAN-Controller bildet das Fundament für den drahtlosen Netzaufbau. Ethernet-Technik fungiert als LAN-Backbone, das den mobilen Zugriff nach entsprechender Autorisierung vermittelt.
Die Kehrseite der Medaille sind zwei Netzwelten mit unterschiedlichen Protokollen, proprietären Schnittstellen, verschiedenen Firmware-Versionen sowie eine Vielzahl von Zusatzfunktionen für die Sicherheit, das Management und die Durchsatzoptimierung in den einzelnen Access Points. „Um diese Vielfalt zu vereinen sind große technische Anstrengungen nötig“, unterstreicht Farpoint-Consulter Mathias.
Lokales Funknetz bindet Management-Ressourcen
Ein Knackpunkt bei der Fortentwicklung der Netzwerktechniken sind üblicherweise die sehr üppig ausgestatteten Wireless Access Points (AP). Sie stellen nicht nur den Netzzugriff durch ein Bridging zwischen drahtlosem und kabelgebundenem Ethernet bereit, sondern kümmern sich auch um Benutzerauthentifizierung, Routing, Verschlüsselung und das Netzwerk-Management. Als aktive Netzkomponente verfügen APs über verschiedene Betriebsmodi.
Das Management einer größeren Anzahl von APs bindet Ressourcen, was aus Sicht vieler Netzexperten überflüssig ist. Die klassische Overlay-Architektur der WLANs erfordert die Installation spezieller WLAN-Switches oder den Betrieb zusätzlicher Steuerrechner parallel zu den Ethernet-Switches. Das belastet die Performance des Gesamtsystems, da die Zahl der APs je Switch limitiert ist.
Einige Hersteller verfolgen deshalb Unified Services Networks. Beispielsweise verlegt Colubris Networks die Verwaltung der Core Layer in den Edge-Bereich des Netzwerks und proklamiert eine Unified Platform mit einem gemeinsamen Netzwerk-Management-System. Die praktische Konsequenz sind intelligente APs, die direkt mit den Ethernet-Access-Switches auf Basis des 802.1p/q Standards verbunden sind und laut Colubris die notwendige VLAN-Sicherheit und QoS-Funktionen bieten.
Konvergenz macht sich breit
Auch andere Netzausrüster und Betreiber sind nicht untätig. British Telecom modernisiert gerade ihr Netzwerk und hat sich Alcatel mit ins Boot geholt. Die Firmen verfolgen eine so genannte Fixed-Mobile-Convergence-Strategie, die eine zentrale Administrierbarkeit von Wireless Local Network (WLAN) und Festnetz anstrebt.
Wann diese Plattform reif für den Roll-out ist, bleibt vorerst ungewiss. Ersten Angaben zufolge soll die Life-Schaltung im ersten Quartal 2008 stattfinden.
Netzspezialist 3Com agiert vorsichtiger und liefert integrierte LAN/WLAN-Komponenten bevorzugt an kleinere Firmen mit weniger als 500 Usern aus.
Die US-Company modernisiert zugleich allerdings auch ihre Switches-Familie. Neben Layer-2-Switching- und einer dynamischen Layer-3-Routing-Funktionalität enthält die neue Gerätereihe auch WLAN-Interfaces mit Sprachpriorisierungsmechanismen und Stromversorgung für Wireless Access Points mit Power-over-Etherrnet.
Architekturpläne
Cisco feilt seit zwei Jahren an einer IP-basierten Next-Generation-Network-Architektur (NGN) und offeriert seit kurzem Port-Adapter für die Cisco Router 7600 zur Anbindung drahtloser Verbindungen an das Core-Netzwerk. Die so genannten Circuit-Emulation-over-Packet Shared Port Adapter (SPA) zielen in erster Linie auf Mobilfunkbetreiber, die erweiterte Services über ihre Radio Access Networks (RAN) anbieten wollen. Auf Campus-Ebene hat sich der Netzwerkausrüster mit Intel, Nokia und dem Bluetoothhersteller RIM zusammengetan, um eine durchgängige Netzwerkarchitektur für drahtgebundene und drahtlose Übertragungsstrecken zu entwickeln.
Volker Bendzuweit, Chef der Rad Data Communications, spricht von letzten Lücken, die noch geschlossen werden müssen. Der Anbieter von Access-Techniken geht allerdings davon aus, dass die paketvermittelten Transportnetze im Wireless-Umfeld zulegen und der so genannte Funk-Backhaul, also die Infrastruktur für die Anbindung der Netzbasisstationen und Steuereinrichtungen an das Transportnetz, in Zukunft mehr Gewicht erhält.
Lange Wunschliste
Aus Sicht der Administrationsverantwortlichen muss ein konvergentes LAN/WLAN noch mehrere Hürden überwinden. Die wichtigsten Forderungen sind:
- Ein einheitliches Netzmanagement mit End-to-End-Services, gemeinsamen Regeln und Monitoring-Tools für das gesamte Netz.
- Sicherheitsstandards wie mehrschichtige Authentifikationsmechanismen, Verschlüsselung, Intrusion Detection und Prevention, Antivirus-Funktionen, Netzzugangskontrolle und Accesslisten an allen Netzknoten.
- Aufeinander abgestimmte Anwendungen im Gesamtnetzwerk, vor allem wenn sie über die Definitionen der IEEE-Spezifikationen hinausreichen.
- Mehr Standards vor allem bei der Access-Point-übergreifenden Verwaltung, die sicheres WLAN- und Festnetz- Switching unabhängig von der Transportschicht ermöglichen.
- Verschiedene Serviceklassen oder Quality-of-Service (QoS)-Mechanismen, die zwischen zeitkritischen Datenpaketen wie Sprache und weniger zeitkritischen Paketen wie FTP-Transfers oder E-Mails unterscheiden.
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