Virtuelle Jamsessions, smarte Städte und Fabriken der Zukunft

5G-Anwendungen für Konsumenten und Industrie 4.0

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

Eurolab-Leiter Jan-Peter Meyer-Kahlen (links) und Stefan Koetz (rechts), Vorsitzender der Geschäftsführung der Ericsson GmbH, bei der Eröffnung des Ericsson Innovation Day 2018.
Eurolab-Leiter Jan-Peter Meyer-Kahlen (links) und Stefan Koetz (rechts), Vorsitzender der Geschäftsführung der Ericsson GmbH, bei der Eröffnung des Ericsson Innovation Day 2018. (Bild: obs/Ericsson GmbH)

Musiker, die über 1.400 Kilometer Entfernung zusammen jammen, Straßenlaternen, die bei der Parkplatzsuche helfen, ganze Fabriken, die per Mobilfunk vernetzt sind – was alles mit 5G und LTE möglich ist, demonstrierte Ericsson mit Partnern beim Innovation Day Ende Juni in Aachen.

Beim Innovation Day am 26. und 27. Juni im Eurolab, Ericssons Forschungs- und Entwicklungszentrum bei Aachen, standen 5G-Anwendungen für den Konsumenten und die Industrie 4.0 im Fokus. Neben den Ericsson-Experten gaben auch Referenten von Bosch, der Deutschen Telekom und Vodafone Einblicke zu Entwicklungen der Branche.

Virtuelle Jamsession

Zunächst stand die Geschichte eines italienischen Ericsson-Mitarbeiters im Mittelpunkt. Dieser wollte nach einem Standortwechsel in das Eurolab in Aachen weiterhin mit seinen Freunden in Italien als Band jammen. Also versuchte man, sich via Smartphone virtuell zusammenzuschalten. Im Gegensatz zu einem Sprachanruf wirkt sich allerdings die Zeitverzögerung des Übertragungssignals (Latenz) bei Musik schon nach 20 Millisekunden auf das Zusammenspiel und den Hörgenuss aus. Ein Zusammenspiel war nicht möglich. Dass sich das mit 5G ändert, bewiesen vier Musiker beim Innovation Day, die zwar in verschiedenen Gebäudeteilen des Eurolabs spielen, jedoch eine Distanz von 1.400 Kilometern simulierten.

Smarte Städte

Neben solch „musikalischen Spielereien“ demonstrierten die Experten auch Fälle, die den Alltag von nichtmusikalischen 5G-Nutzern erleichtern werden. „In diesem Jahr freuen wir uns darüber, unseren Gästen ein paar waschechte Konsumentenbeispiele für 5G demonstrieren zu können“, erläuterte Stefan Koetz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Ericsson GmbH. „Denn im Gegensatz zur weitverbreiteten Meinung, dass 5G nur Anwendung bei Unternehmen finden wird, glauben wir, dass auch für den Normalnutzer einiges drin ist.“

So präsentierte das Start-up Sonah gemeinsam mit Ericsson, wie man mithilfe von Sensoren, Mobilfunk und Straßenlaternen eine Stadt zur Smart City macht. Einmal an die Laternen angebracht, speisten die Sensoren die App zur Parkplatzsuche fortlaufend via Mobilfunk mit Informationen rund um freie Parkplätze. Durch die Laternen hingen die Sensoren hoch genug, um vor Vandalismus geschützt zu sein, gleichzeitig wurden sie hierdurch mit Strom versorgt. Da das System als Plattform funktioniere, seien auch Nutzungsmöglichkeiten wie etwa die breitflächige Überwachung der Luftqualität denkbar.

Ebenfalls spannend für Konsumenten wie für Netzbetreiber sei ein Netz, das mit künstlicher Intelligenz am Netzrand ausgestattet sei. Die Möglichkeiten für Augmented Reality könnten den Netzbetreibern neue Geschäftsfelder erschließen. In der Edge-Cloud (dezentrale Recheneinheit) des Netzes könne die Intelligenz vorher einprogrammierte Muster in einem Video-Livestream erkennen – kurzum, sie könne beispielsweise einen Stuhl von einem Menschen unterscheiden und diese Information mit der prozentualen Wahrscheinlichkeit der Identifikation via Augmented Reality einblenden. Je häufiger die Edge-Cloud nun Personen im Kamerabild erfasst, desto genauer würde diese Identifikation werden. Die Cloud sei sozusagen selbstlernend. In der Praxis könnte auf diese Weise ein Tourist mit Augmented-Reality-Brille den Kölner Dom betrachten und gleichzeitig eingeblendet bekommen, dass das Bauwerk rund 157 Meter hoch und seit 1996 UNESCO-Weltkulturerbe ist. Bei bisherigen mobilen Augmented-Reality-Lösungen sei das nur mit starker Zeitverzögerung möglich.

Materialtransport 4.0

Auch das Thema Industrie 4.0 spielte bei der Leistungsschau der Ericsson-Experten eine tragende Rolle. Gemeinsam mit der SICK AG wurde ein fahrerloses Transportfahrzeug für den Materialtransport in Fabriken vorgestellt, das aus der Ferne über neuesten Mobilfunk gesteuert wurde. In Zeiten einer immer flexibler werdenden Produktion, die hochautomatisiert sei und seine Produktionsanlagen häufig neu ausrichte, seien die Vehikel ein wichtiger Bestandteil. Auf großen Werksgeländen könne so ein und der selber Fahrer direkt auf verschiedene Fahrzeuge zugreifen und sie steuern.

„Die Industrie 4.0 wird sehr wahrscheinlich das spannendste 5G-Anwendungsfeld werden – denn mit nur geringen Investitionen kann ein enormes wirtschaftliches Potenzial erschlossen werden, das durch ein beispielloses Maß an Flexibilität, Vielseitigkeit, Effizienz und Benutzerfreundlichkeit von 5G entsteht“, erklärte Andreas Müller, Head of Communication and Network Technology bei Bosch Corporate Research und Vorsitzender des Konsortiums 5G Alliance for Connected Industries and Automation. „In der Tat benötigt Industrie 4.0 nicht unbedingt eine leistungsfähige 5G-Infrastruktur im ganzen Land, sondern nur innerhalb einer Fabrik oder eines Werks. Dies sind typischerweise hochgradig kontrollierte Umgebungen, die einen soliden Boden für die Erfüllung der oft sehr anspruchsvollen Anforderungen industrieller Anwendungen bilden.“

„Mit 5G schaffen wir ein Netzwerk, das die kommenden vielfältigen Anforderungen der Gigabitgesellschaft sehr viel besser erfüllen wird als jedes andere Netz zuvor“, sagte Franz Seiser, Vice President Technology & Innovation - Core Network and Services bei der Deutschen Telekom. „Um diese – teilweise völlig konträren – Anforderungen effizient erfüllen zu können, benötigen wir einen engen Schulterschluss aller beteiligten Unternehmen und Institutionen. Nur so können wir die noch vor uns liegenden großen Herausforderungen erfolgreich meistern. Veranstaltungen wie der Ericsson Innovation Day bieten eine hervorragende Plattform, um die dafür benötigte Innovation gemeinsam voran zu treiben.“

„Als Weltmarktführer beim Internet der Dinge treiben wir die Entwicklung von 5G gemeinsam mit den führenden Forschern und der Industrie massiv voran“, so Alexander Saul, Director Enterprise Business Unit bei Vodafone Germany. „Schon heute vernetzen wir bereits mehr als 68 Mio. Maschinen per Mobilfunk und mit 5G können dank Reaktionen in Echtzeit und Geschwindigkeiten im Gigabitbereich Milliarden von Maschinen vernetzt werden.“

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45377661 / Standards)