Bandbreitenoptimierung im Fokus

5 Grundsätze für die Kapazitätsplanung

| Autor / Redakteur: Stefan Pracht / Andreas Donner

Licht uns Dunkel der Bandbreitenplanung bringen diese fünf Grundsätze.
Licht uns Dunkel der Bandbreitenplanung bringen diese fünf Grundsätze. (Bild: Taras Vyshnya - Fotolia.com)

Kapazitätsplanung ist nicht neu. Netzwerkmanager müssen seit jeher die Anforderungen der Bereitstellung stabiler und reaktionsschneller Dienste für die Anwender mit den Grenzen ihres Budgets vereinbaren. Diese Herausforderung hat jedoch mittlerweile enorm an Bedeutung gewonnen!

Der vermehrte Einsatz bandbreitenintensiver Applikationen wie Video und Voice-over-IP (VoIP) sowie die wachsende Virtualisierung und WLAN-Nutzung konkurrieren um Kapazität. Mobile Anwender benötigen von beliebigen Standorten aus Zugriff auf Unternehmensapplikationen und Ressourcen. Datenverkehr, egal ob wichtig für das Geschäft oder nicht, tendiert immer dazu, die vorhandene Bandbreite nach und nach voll zu belegen. Die Nutzung geschäftskritischer Applikationen lässt sich nur schwer messen, manche Applikationen werden potenziell geschäftlich und auch privat verwendet. YouTube eignet sich beispielsweise hervorragend für Schulungsvideos, dient aber auch als Plattform zum Teilen privater Filme.

Mit der BYOD-Praxis wird das Problem durch Geräte, die nicht unter der Kontrolle des IT-Teams stehen und beim privaten Einsatz möglicherweise Kapazitäten belegen, noch verschlimmert. Natürlich wird die entsprechende Nutzung zu einem gewissen Grad durch IT-Richtlinien geregelt. Allerdings benötigen Unternehmen auch die richtigen Instrumente zur Unterscheidung der Datenverkehrstypen und zur Identifizierung und Vermeidung privater Nutzung, wenn diese sich auf die Produktivität auswirkt.

Zur gleichen Zeit werden aus wirtschaftlichen Gründen Budgets gekürzt und Betriebskosten wesentlich strenger überwacht. Hohe Bandbreiten sind keine Massenware und Netzwerkverwalter können Probleme nicht mehr einfach durch eine Ausweitung der Bandbreite lösen. Jede Erweiterung, und sei es nur die Aufrüstung einer einzelnen Verbindung in einem großen Unternehmensnetzwerk, muss durch eine Wirtschaftlichkeitsberechnung begründet werden, deren Erstellung viel Zeit und Ressourcen erfordert.

Dadurch erhöht sich der Druck auf Netzwerkmanager gewaltig. Die Anwender erwarten kurze Antwortzeiten und verlangen immer mehr Bandbreite zur Gewährleistung effektiver Dienste für das Geschäft. Gleichzeitig muss die IT-Abteilung ggf. Berichte zur Applikationsleistung erstellen und unternehmensinterne Service Level Agreements erfüllen. Erwartet wird die optimale Anwendererfahrung bei gleichen oder gar gesenkten Kosten. Daher muss bei jeder Bandbreitenerweiterung absolut sicher sein, dass diese wirklich erforderlich ist und an der richtigen Stelle stattfindet.

Fünf Grundsätze für eine wirksame Kapazitätsplanung

Kapazitätsplanung ist mehr als die reine Suche nach überlasteten Verbindungen. Netzwerkmanager müssen die Datenflüsse über das Netzwerk genau kennen und die Auslastung jeder Verbindung so optimieren, dass mit den vorhandenen Ressourcen die bestmögliche Leistung erzielt wird. Sie benötigen detaillierte Informationen, um zu wissen, wann der Durchsatz erhöht werden muss, und um im Bedarfsfall eine gute Wirtschaftlichkeitsberechnung erstellen zu können. In manchen Fällen ist eine Kapazitätserhöhung gar nicht erforderlich – die Erfahrung des Endanwenders lässt sich bei geringeren Betriebskosten oft schon durch eine effizientere Nutzung der vorhandenen Bandbreite verbessern.

Zur Optimierung der vorhandenen Kapazität und zur Erstellung einer Wirtschaftlichkeitsberechnung für mehr Bandbreite müssen folgende Fragen beantwortet werden:

  • Welche Netzwerkverbindungen sind für längere Zeit überlastet?
  • Welche Verbindungen sind am wichtigsten?
  • Wird die Überlastung durch geschäftliche Nutzung verursacht oder durch privaten oder unbefugten Datenverkehr?
  • Kann die Kapazität einer Verbindung ohne Einbußen an der Dienstqualität reduziert werden?
  • Lässt sich ein Bedarf an mehr Kapazität für eine bestimmte Verbindung belegen?
Mehr Bandbreite ist nicht immer die Lösung

Bandbreitenoptimierung im Fokus

Mehr Bandbreite ist nicht immer die Lösung

10.09.15 - Datenverkehr tendiert dazu, die vorhandene Bandbreite irgendwann ganz einzunehmen, was zu Leistungsproblemen bei den meistgenutzten Verbindungen führt. Doch das Problem kann oft nicht einfach durch mehr Bandbreite gelöst werden. Zuerst steht daher die detaillierte Betrachtung des WAN-Traffics an. lesen

Und dies sind die fünf wichtigen Grundsätze der Kapazitätsplanung:

1. Bandbreitenressourcen und Leistungskompromisse

Eine schlechte Leistung wird nicht immer durch Bandbreitendefizite verursacht. Für die Ermittlung des Zusammenhangs zwischen Bandbreite und Leistung ist es wichtig zu wissen, wie intensiv Verbindungen für welche Dauer genutzt werden. Die Leistung geschäftskritischer Applikationen mag 90 Prozent der Zeit im Rahmen der Erwartungen liegen, doch kein Unternehmen möchte während der restlichen 10 Prozent Leistungseinbußen hinnehmen. Ein Burst im Netzwerk ist normal, er muss sich lediglich innerhalb der richtigen Schwellenwerte bewegen. Auch unausgelastete Verbindungen können sich negativ auswirken, da für sie kostbare Bandbreitenressourcen verwendet werden, die in überlasteten Verbindungen eingesetzt werden könnten. Auch sie müssen deshalb im Rahmen der Kapazitätsplanung identifiziert werden.

2. Auslastungsmessung mit den richtigen Tools und Methoden

Eine exzessive Bandbreitenauslastung lässt sich nur schwer ermitteln, wenn keine speziellen Tools zur Verfügung stehen. Es kann kostspielig, zeitaufwändig und manchmal – je nach verwendetem Tool – fast unmöglich sein, Engpässe über längere Zeiträume abzubilden. Bei der Betrachtung der Langzeitauslastung werden Auslastungsspitzen geglättet, und die wirklichen Probleme bleiben verborgen. Eine Analyse der Auslastungsspitzen ergibt, welche Verbindungen am meisten genutzt werden, zeigt jedoch nicht, für wie lange. Die Summe des Datenverkehrs pro Tag, Monat etc. kann ein allgemeines Auslastungswachstum aufzeigen, berücksichtigt jedoch keine Unterschiede im Tagesverlauf. Die wichtigsten Fragen sind: War eine Verbindung überlastet und falls ja, wie lange, durch welche Applikation und welchen Endanwender?

3. Berücksichtigung der Arbeitszeiten

Eine Netzwerkverbindung kann nachts oder über das Wochenende durch Daten-Sicherungen oder Updates ausgelastet sein und dennoch während der Arbeitszeiten eine akzeptable Leistung bieten. Das hängt natürlich von der Art des Unternehmens ab. In einer zunehmend globalen Wirtschaft müssen auch Abläufe wie etwa der Upload von Handelsdaten aus Geschäften zur Zentrale am Ende des Geschäftstags berücksichtigt werden. Diese sind vielleicht nicht geschäftskritisch, können sich aber bei zu später Ausführung auf den Betrieb auswirken, etwa wenn Lagerbestände nicht rechtzeitig aufgefüllt werden. Die abends und nachts übertragenen Daten dürfen jedoch den Blick auf die Netzwerkauslastung nicht verschleiern. Mit einer Kombination aus Echtzeit- und Verlaufsdaten kann ein IT-Team erkennen, was zu verschiedenen Tageszeiten im Netzwerk passiert, Probleme umgehend lösen und sich auf strategische Initiativen konzentrieren.

4. Erkennen und Vermeiden nicht geschäftlicher Bandbreitennutzung

Es gibt Datenverkehr geschäftlicher und privater Art. Da der geschäftliche Datenverkehr natürlich Vorrang hat, muss ermittelt werden, ob eine Verbindung durch eine Business-Applikation ausgelastet wird oder, weil alle gerade ein neues Video auf ihren Desktop streamen. Eine private Nutzung muss erkannt und vermieden werden, damit die vorhandene Kapazität für die geschäftliche Nutzung bereitsteht. Hierfür sind die richtigen Tools zur Ermittlung der Applikationen und Anwender erforderlich, die Engpässe verursachen.

Selbst wenn es sich bei dem Verursacher um eine Business-Applikation handelt, sind detaillierte Erkenntnisse darüber notwendig, wie, wann und wofür Bandbreite verwendet wird. Denn unter Umständen wird Bandbreite auch von nicht genehmigten oder Privatapplikationen belegt, die von der IT aus dem Netzwerk entfernt werden müssen. Eine effiziente Applikationsplanung und WAN-Optimierung sind Beispiele strategischer Überlegungen, die neben einer taktischen Beurteilung des Bandbreitenbedarfs zu treffen sind.

5. Rationalisierte Analyse zur Optimierung der Bandbreitennutzung und rechtzeitige Planung

In schnell wachsenden Netzwerken ist das Ermitteln, welche Verbindungen wie lange und aus welchem Grund ausgelastet sind, zunehmend schwierig und zeitaufwändig. Der Zeitaufwand ist oft ein Hauptgrund dafür, dass keine proaktive Kapazitätsplanung vorgenommen wird. Das Netzwerkteam sollte seine Zeit nicht mit Verbindungen verschwenden, die keiner Aufmerksamkeit bedürfen, sondern sich auf die wenigen wichtigen Verbindungen konzentrieren, bei denen die Belastung über lange Zeiträume am höchsten ist.

Durch eigens definierte Warnungen, die beim Erreichen vorgegebener Referenzwerte ausgelöst werden, gestaltet sich die Planung einfacher und schneller.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 43560263 / Performance-Management)