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Wissen statt Mythen und Märchen rund um Voice over IP

10 VoIP-Missverständnisse gründlich aufgeklärt

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5. Wer auf VoIP setzt, muss auf gewohnte Komfortfunktionen verzichten

Das Märchenschloss: Bild: Pixelio/Knispeline (Archiv: Vogel Business Media)

Das stimmt so nicht, die Annahme ist aus folgendem Grund weit verbreitet: Viele Funktionen, die gerade im geschäftlichen Einsatz unerlässlich sind, wie „Rückruf bei Besetzt“, Anrufweiterschaltung oder Anzeige des Anrufernamens, werden von dem Übertragungsprotokoll SIP („Session Initiation Protocol“) derzeit nicht abgedeckt. Speziell dieses Protokoll aber ist in der Öffentlichkeit recht bekannt (und beliebt), da es herstellerunabhängig ist.

Längst haben etablierte Hersteller von Bürokommunikations-Systemen wie Siemens oder Cisco den SIP-Standard über RFC (Request for Change) um diese Funktionen ergänzt oder durch eigene Protokolle für den B2B-Einsatz erweiterte Funktionen entwickelt.

Davon abgesehen, punktet IP-Telefonie letztlich sogar mit einem klaren Mehr an Komfort-Funktionen: Dank der Integrationsfähigkeit von Sprache, Videodaten und Computer-Anwendungen wird nun nämlich die Vision des „unified messaging“ Realität. So können etwa über das Display des IP-Telefons zusätzliche Datendienste wie Messaging oder News-Ticker genutzt werden.

Multimedia-Anwendungen wie Video-Telefonie sind eine weitere Ergänzung, die leicht eingeführt werden kann. Anwender können auf das zentrale Telefonverzeichnis des Unternehmens zugreifen, das neben der Telefonnummer weitere Informationen (etwa Bilder der Kontaktpersonen) speichern kann.

Die Funktionen des IP-Telefons lassen sich nahtlos mit denen von PC-Anwendungen vernetzen: Anrufe werden beispielsweise durch einen einfachen Mausklick in der Web-Oberfläche einer CRM-Software getätigt, Sprachnachrichten können als E-Mails weitergeleitet werden.

Speziell für mobile Mitarbeiter praktisch ist die Tatsache, dass der IP-Anschluss nicht standortgebunden ist: Ein Mitarbeiter kann sein Telefon an eine beliebige Netzwerksteckdose anschließen oder sich an einem stationären Telefon einloggen und ist unter seiner gewohnten Telefonnummer erreichbar. Auch seine persönliche Konfiguration ist überall verfügbar.

6. IP-Telefonie kann man in jedem Unternehmen einführen – einfach PC-Headset einstöpseln, fertig!

Die Kleine Meerjungfrau, Bild: Pixelio/Cornerstone (Archiv: Vogel Business Media)

Für den Freelancer im heimischen Einzelbüro mag das stimmen, doch für professionelle Unternehmen aller Größen und Branchen gilt: Der Abgleich der genauen Anforderungen an das künftige Kommunikationsprofil mit der vorhandenen Infrastruktur ist essentiell – und sollte im Vorfeld erfolgen.

Unter anderem lassen sich so auch mögliche Schwachstellen, zum Beispiel rund um die Sicherheit oder die Leistungsgrenzen des vorhandenen Netzwerks, im Vorfeld identifizieren und beheben. Auch die Beschaffenheit der technischen Infrastruktur sollte bei der Wahl des VoIP-Modells einfließen.

Experten empfehlen in diesem Zusammenhang, ein professionelles „Assessment“ durchzuführen, um das gesamte Firmennetzwerk dezidiert auf seine VoIP-Tauglichkeit hin zu überprüfen. Um die zahlreichen Vorzüge und Features von VoIP nutzen zu können, genügt grundsätzlich ein geswitchtes Fast Ethernet LAN mit QoS.

Das Weitverkehrsnetz (WAN), das die einzelnen Standorte verbindet, muss jedoch die Priorisierung von Datenströmen erlauben – nur so lässt sich eine gute Sprachqualität auch dann erzielen, wenn parallel andere Daten übertragen werden. Als ideale Grundlage für den professionellen Business-Einsatz gilt daher ein IP-Netz mit Multi-Protocol Label Switching. MPLS erlaubt die Einrichtung von verschiedenen Serviceklassen (CoS) je nach Relevanz der übertragenen Daten. Für Sprache wird generell CoS 1, die Klasse mit der höchsten Priorität, genutzt.

weiter mit: 7. IP-Telefonie ist ein Inhouse-Thema, das kann man nicht sinnvoll auslagern

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