Afrika bereitet Breitband-Revolution vor

Zur Fußball-WM liegt ein Seekabel an der afrikanischen Ostküste

16.03.2009 | Redakteur: Ulrike Ostler

Auf der Website von Seacom lässt sich der Projektverlauf verfolgen
Auf der Website von Seacom lässt sich der Projektverlauf verfolgen

Dass der Anschluss an die Internet-Welt für die Wirtschaft ein mehr als bedeutsamer Faktor ist hat sich herumgesprochen. Nun kommt auch für den gesamten afrikanischen Kontinent Bewegung in die Sache. Das Unternehmen Seacom soll im Sommer dieses Jahres mit dem Betrieb eines 15.000 Kilometer langen Glasfaserkabels entlang der Ostküste beginnen.

Noch 118 Tage und das neue Kabel wird erste Services liefern, verkündet die Website von Seacom. Das Unternehmen verlegt das Kabel auf dem Meeresboden von Südafrika nach Indien und Großbritannien. Damit kann die Leitung nicht nur Südafrika mit Breitband versorgen, sondern auch Anschlüsse in weiteren vier afrikanischen Ländern ermöglichen: Mozambique, Madagaskar, Tansania and Kenia.

SEACOM ist eine mauritanische Firma, deren Projekt zu 75 Prozent durch afrikanische Investoren finanziert wird: Industrial Promotion Services 25 Prozent, Venfin 25 Prozent, Shanduka 12.5 Prozent und Convergence Partners 12.5 Prozent. 25 Prozent hält die Gruppe Herakles Telekom, deren Sitz sich in New York befindet.
SEACOM ist eine mauritanische Firma, deren Projekt zu 75 Prozent durch afrikanische Investoren finanziert wird: Industrial Promotion Services 25 Prozent, Venfin 25 Prozent, Shanduka 12.5 Prozent und Convergence Partners 12.5 Prozent. 25 Prozent hält die Gruppe Herakles Telekom, deren Sitz sich in New York befindet.

Der Osten Afrikas wird zum ersten Mal per Breitbandkabel mit dem Rest der Welt verbunden sein. Bisher wurde die 7.000-Kilometer-Ostküste durch normale Telefonkabel und Satellitenverbindungen versorgt. Für das südliche und westliche Afrika ist es das zweite nach Europa reichende Kabel mit einer Datenübertragungskapazität von 1,2 Terabit pro Sekunde.

Das Breitbandangebot von Seacom wird zudem Backhauls nach Nairobi und Johannesburg und Kapazitäten im SDH-Übertragungsmodus (SDH = Synchronous Digital Hirachy) bereitstellen.

Der Ring und die Zuleitungen

Die neuen Basisstationen für die Breitbandversorgung, Bild: Seacom
Die neuen Basisstationen für die Breitbandversorgung, Bild: Seacom

In den genannten Ländern wird eine Ringstruktur aufgebaut. Dazu kommen Glasfaserpaare von Südafrika nach Kenia mit einer Kapazität von 1.280 Gigabit pro Sekunde. Ein weiteres Glasfaserpaar verbindet Kenia und Frankreich, mit einem Breitbandzugangs-Server (PoP) in Marseille, dem 640 Gigabit pro Sekunde zur Verfügung stellen sollen. Dieser steht mit einem Londoner Knoten in Verbindung.

Darüber hinaus führt eine Leitung mit 640 Gigabit pro Sekunde von Tansania nach Mumbai in Indien.

Der Zeit- und Kostenplan

Der Zeitplan für die Verlegung ist straff, Grafik: Seacom
Der Zeitplan für die Verlegung ist straff, Grafik: Seacom

Das Unternehmen Seacom liegt nach eigenen Angaben gut im Zeit- und Kostenplan und versichert, dass genügend Bandbreite sowohl für den Confederations Cup und die Fußballweltmeisterschaft, die 2010 in Südafrika stattfindet, als auch für den wachsenden Bedarf der einheimischen Firmen zur Verfügung stehen wird.

Die Gesamtkosten werden auf 600 Millionen Dolar geschätzt, Davon bringen die afrikanischen Kapitalgeber 76,25 Prozent auf Den Rest steuert Herakles Capital aus News York bei.

Die Wirkung

Der Brachendienst „Pressetext“ zitiert Branchenbeobachter wie Farid Behpour, General Manager Middle East & Africa bei Funambol, einem Open-Source-Anbieter für Mobile-Web und Push E-Mail. Sie sprächen inzwischen sogar davon, dass von Mitte 2009 an eine Internet-Revolution stattfinden wird, die vor allem für die lokalen Provider große Chancen mit sich bringt. „Nicht nur der Bereich des Breitband-Internet entwickelt sich ungebrochen stark. Vielmehr gibt es auch immer mehr Handy-Nutzer, die einen Mobilfunknetzausbau erforderlich machen“, so Behpour.

In Afrika herrsche beim Ausbau von Telekom- und Internet-Dienstleistungen derzeit trotz der Finanz- und Wirtschaftskrise geradezu eine regelrechte Goldgräberstimmung. Da die Infrastruktur für Internet-Anwendungen derzeit noch nicht überall flächendeckend bestehe und sich gegenwärtig erst im Aufbau befinde, nutzten viele Kunden ihr mobiles Endgerät, um damit ins Internet zu gehen. Deshalb lasse sich im Markt mit Handys eine „Explosion an ständig wachsenden Nutzerzahlen“ feststellen, so der Experte.

Von dieser Entwicklung könnten daher vor allem die Mobilfunkprovider profitieren. Trotz dieser riesigen Wachstumsaussichten bleibt noch großer Nachholbedarf bestehen. So wird die Preispolitik vielerorts vor allem in Sachen Internet nach wie vor von starren Staatsmonopolen bestimmt.

Status quo und die Zukunft

Laut Seacom-Chef Brian Herlihy hätten Regulierungen und begrenzte Übertragungsvolumina dazu geführt, dass Internet-Nutzer in Ostafrika für ein Megabit pro Sekunde im Monat 2.500 bis 3.000 Dollar berappen müssten. Dabei schafften die Leitungen in Afrika maximal 15 Kilobyte pro Sekunde – ein Wert, der vor mehr als zehn Jahren in Europa Standard war.

Laut Pressetext sind neben dem privat finanzierten Seacom-Kabel weitere Glasfaser-Seekabel über mehrere Milliarden Dollar im Gespräch. Bis 2011 könnten bis zu vier Kabel in Betrieb gehen.

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