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Coronakrise als Katalysator Wird Homeoffice zur Dauerlösung?

| Autor / Redakteur: Sarah Böttcher / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Die Covid-19-Pandemie hat tausende Arbeitnehmer in das Homeoffice befördert und den digitalen Arbeitsplatz der Zukunft in kurzer Zeit zum Leben erweckt. Der möglicherweise dauerhafte Schritt in das hybride Arbeiten bringt nicht nur Veränderungen für Mitarbeiter, sondern auch für Unternehmen mit sich.

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Nicht jeder Mitarbeiter ist im Homeoffice glücklich.
Nicht jeder Mitarbeiter ist im Homeoffice glücklich.
(Bild: © Syda Productions - adobe.stock.com)

Strategische Wendepunkte in Unternehmen führen meist zu tiefgreifenden Veränderungen innerhalb der Organisationsstruktur. Wer dabei oft auf der Strecke bleibt ist jedoch der Mitarbeiter; einer der Hauptgründe weshalb Veränderungsprozesse in der Umsetzung oft scheitern, kann Dr. Katja Nagel, Gründerin und Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Cetacea in München, aus Erfahrung bestätigen. Denn Mitarbeiter tragen ganz wesentlich dazu bei, ob ein Veränderungsprozess im Unternehmen glückt oder misslingt.

„Das hat meist nicht mit dem Unwillen der Mitarbeiter zu tun, sondern mit fehlendem Verständnis über die Vision oder das Ziel des Prozesses. Denn Menschen gehen nicht nur mit ihrem Kopf in derlei Situationen, sondern eben auch mit ihren eigenen Emotionen.“ Stehen allein die Gewinnorientierung sowie das Erreichen neuer Meilensteine im Fokus, vernachlässigen oder vergessen Firmen oft die richtige Kommunikation mit ihren Mitarbeitern, was schwerwiegende Folgen nach sich ziehen kann.

Der Mitarbeiter im Fokus

Durch die plötzliche Verlagerung in das Homeoffice fehlten beziehungsweise fehlen in einigen Firmen immer noch Regeln beziehungsweise eine Art Verhaltenskodex, der beschreibt, wie das Unternehmen das mobile Arbeiten intern gestaltet. Fragen über Kernarbeitszeiten oder die Dauer von Meetings beschäftigen hierbei zahlreiche Arbeitnehmer.

Ihre größte Sorge in Bezug auf Homeoffice gilt laut Cetacea-Gründerin Nagel der fehlenden Routine, der Unfähigkeit zwischen Arbeit und Privat zu trennen und vor allem dem Fehlen des Zusammengehörigkeitsgefühls. „Das Gefühl irgendwo dazuzugehören und gemeinsam ein Ziel zu verfolgen ist schwieriger zu erreichen, wenn alle in der virtuellen Welt arbeiten. Dadurch entsteht eine große Herausforderung für Führungskräfte“, betont Nagel. Führungskräfte müssen Nagel zufolge nun „viel größere Ohren“ bekommen, um die Probleme jedes einzelnen Mitarbeiters frühzeitig zu erkennen. Wöchentliche Video-Meetings innerhalb der Abteilungen, in denen sich die Kollegen beispielsweise bei einem gemeinsamen virtuellen Mittagessen austauschen können, fördern die Teamfähigkeit.

Neue Arbeitskonzepte benötigt

Bis Ende 2021 schätzt die Münchnerin sei der Großteil der Unternehmen hybrid unterwegs, die einen mit mehr Leichtigkeit, die anderen mit mehr Schwierigkeit. Doch bereits bis Ende dieses Jahres sollten Unternehmen ein Arbeitskonzept entwickelt haben, wie sie das hybride Arbeiten ermöglichen wollen. Denn „100 Prozent Homeoffice wird es über viele Jahre noch nicht geben. Da wir dafür noch zu konträr mit den aktuellen Bedürfnissen der Menschen laufen“, ist sich Nagel sicher.

Während der Erstellung eines Arbeitskonzepts, sollten sich Firmen über einige Dinge Gedanken machen:

  • Wie können wir Büroflächen abstoßen?
  • Wie teilen wir uns die verbliebene Fläche auf?
  • Wie organisieren wir uns jetzt? – auch standortübergreifend.
  • Welche Technik benötigen wir in den Büros und im Homeoffice?
  • Was brauchen unsere Mitarbeiter in dieser hybriden Welt?
  • Wie viele Tage in der Woche dürfen unsere Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten?
  • Wie organisieren wir, dass sich die Teams trotzdem treffen?
  • Welche Ziel- beziehungsweise Arbeitskultur fördern wir?
  • Wie erfolgt die Beurteilung von Mitarbeitern, wenn ich sie nicht mehr sehen kann?
  • Welche Regeln erstellen wir, um das hybride Arbeiten zu ermöglichen?

Von der Kontroll- zur Vertrauenskultur

Sind die technischen und regulatorischen Voraussetzungen getroffen, besteht jedoch in einigen Unternehmen immer noch ein altes, aber zentrales Problem: mangelndes oder gar fehlendes Vertrauen in die eigenen Mitarbeiter. Doch ein Zurückrudern und eine vollkommene Abkehr vom mobilen Arbeiten können sich Unternehmen nicht mehr leisten. Sie verlören dadurch an Attraktivität als Arbeitgeber, ist Cetacea-Geschäftsführerin Nagel überzeugt. Der soziale Druck sei hier mittlerweile zu groß.

„Es braucht eine Kulturveränderung in vielen Unternehmen. Vielleicht stellt ein Mitarbeiter im Homeoffice mal die Waschmaschine an oder kocht sich einen Kaffee. Das ist aber oftmals kein Vergleich zu dem, was ein Mitarbeiter im Büro beim persönlichen Austausch mit seinen Kollegen an Zeit investiert.“ Nagel ist überzeugt, dass Firmen durch ein hybrides Modell keinen Produktivitätsverlust erleiden, „im Gegenteil, viele Mitarbeiter haben das Problem, dass sie keine Grenze ziehen können und zu viel arbeiten.“

Moderne Bürokonzepte

Gelingt der Schritt ins Homeoffice stellen viele Unternehmen fest, dass zahlreiche Arbeitsplätze leer stehen und demnach eingespart werden könnten. Doch moderne Konzepte wie Desk Sharing oder Open-Space-Büros lagen schon vor der Covid-19-Pandemie im Trend – nicht immer zur großen Begeisterung der Mitarbeiter. „Wir verkraften alle nur eine geringe Dosis an Veränderungen am Tag und alles darüber hinaus fängt an uns zu stressen“, betont Nagel.

„Je mehr Unternehmen das hybride Modell befürworten, desto mehr müssen sie auch Wege öffnen, dass sich die Menschen, die dann im Büro sind, auch wirklich begegnen.“ Wechseln Unternehmen langfristig zum hybriden Modell, müssen sie ermöglichen, dass die Bedürfnisse, die im Homeoffice vernachlässigt, im Büro zufriedengestellt werden. Um das Zusammengehörigkeitsgefühl sowie die Teamfähigkeit zu fördern, wäre laut Nagel beispielsweise ein Schichtmodell eine gute Möglichkeit, um Abteilungen vor Ort ein paar Mal die Woche zusammenzuführen.

Coronakrise als Katalysator

Der Transformationsprozess in Unternehmen hin zum mobilen Arbeiten, existierte bereits vor dem Ausbruch der Pandemie. Eingeläutet wurde dieser unter anderem durch die anhaltende Digitale Transformation sowie den Fachkräftemangel. Doch die Covid-19-Krise lässt diesen im Zeitraffer ablaufen und erschwert einen Weg zurück, beziehungsweise macht diesen scheinbar unmöglich. Nagel ist sich jedoch sicher: „Die Zukunft liegt nicht im Home-, sondern im Hybridoffice.“ Denn sind sämtliche Voraussetzungen wie die technische Ausrüstung oder die Existenz eines Verhaltenskodexes getroffen, profitieren Unternehmen von einer signifikanten Effizienzsteigerung und Arbeitnehmer von mehr persönlichem Gestaltungs- beziehungsweise Freiraum.

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Über den Autor

 Sarah Böttcher

Sarah Böttcher

Online CvD & Redakteurin