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Netboot & Betriebssystem-Installationen ohne USB-Stick übers Netzwerk Windows 11 und Linux mit iVentoy per PXE installieren

Von Thomas Joos 4 min Lesedauer

Admins, die häufiger Linux, Windows 10/11 oder Windows Server installieren, sollten sich die Möglichkeiten des portablen Tools iVentoy anschauen. Damit ist eine Betriebssystem-Installation schnell und einfach per PXE über das Netzwerk möglich. Und: das Tool lässt sich auch auf NAS-Systemen betreiben.

Das Deployment-Tool iVentoy erlaubt einen Netzwerk-ISO-Boot und die PXE-gesteuerte Installation von Betriebssystemen über das Netzwerk.(Bild:  longpanda – iVentoy.com)
Das Deployment-Tool iVentoy erlaubt einen Netzwerk-ISO-Boot und die PXE-gesteuerte Installation von Betriebssystemen über das Netzwerk.
(Bild: longpanda – iVentoy.com)

Das im privaten Bereich kostenlose portable Tool iVentoy ist ein effektives Werkzeug, wenn es darum geht Windows-Installationen über das Netzwerk per PXE (Preboot Execution Environment) durchzuführen. Das Tool wurde von den gleichen Entwicklern programmiert, wie das bekannte Tool Ventoy zur Bereitstellung von Betriebssystemen über USB.

Für Unternehmen kostet iVentoy 49 US-Dollar. Das Tool ist auch ideal für kleine und mittlere Unternehmen, das sich alle PXE-fähigen Betriebssysteme – und damit auch Windows 11 – problemlos über das Netzwerk installieren lassen. Installieren lässt sich das Tool unter anderem auch auf Unraid-Systemen oder als LXC-Container auf Proxmox.

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iVentoy als Alternative zu den Windows-Bereitstellungsdiensten

iVentoy ist ein passabler Ersatz für die Windows-Bereitstellungsdienste (Windows Deployment Services, WDS). Mit dem System lassen sich problemlos Linux, Windows 10/11 und Windows Server 2019/2022 sowie Windows Server 2025 über das Netzwerk installieren. Microsoft fokussiert sich bei der automatischen Bereitstellung immer mehr auf die Cloud und Intune. Unternehmen, die ihre Systeme weiterhin lieber lokal automatisiert bereitstellen wollen, sollten sich daher die Möglichkeiten von iVentoy näher anschauen. Das Tool lässt sich auch problemlos unter Windows betreiben, und bei Bedarf starten.

Nach dem Download und der Extraktion startet man die Datei "iVentoy_64.exe". Windows SmartScreen warnt vor dem Programm, aber nach der Bestätigung der Meldung startet bereits die grafische Oberfläche des Tools im Webbrowser. Auf der Startseite sind die IP-Adressen und der Pool von Adressen für die Clients einzustellen. In den meisten Fällen kann man hier mit den Standardvorgaben arbeiten.

Über "Configuration" lassen sich wichtige Einstellungen vornehmen, wie die Festlegung des verwendeten DHCP-Servers. Standardmäßig verwendet iVentoy seinen eigenen Server. An dieser Stelle lassen sich aber auch externe DHCP-Server einstellen, die dann aber für PXE vorbereitet sein müssen. Dazu werden die beiden Optionen 66 und 67 angelegt. Die Option 67 erhält als Wert die IP-Adresse des Computers, auf dem iVentoy gestartet ist und bei 67 wird die Boot-Datei festgelegt. Das ist bei iVentoy "iventoy_loader_16000". In diesem Beispiel ist der Wert 16000 der HTTP-Port, der in iVentoy im Menü "Configuration" bei "HTTP Server Port Number" angegeben ist.

Den Start des iVentoy-Dienstes automatisieren

Unabhängig davon ob iVentoy auf Windows oder Linux, auf Unraid oder mit einem Container auf Proxmox läuft, lässt sich der Start automatisieren, genauso wie die automatisierte Bereitstellung der Betriebssysteme. In der Dokumentation auf der Webseite gehen die Entwickler darauf ein, wie sich diese Bereiche automatisieren lassen. In der Weboberfläche lassen sich auch MAC-Filter eintragen. Dadurch kann festgelegt werden, welche Clients sich verbinden und welche Clients keine Verbindung mit dem iVentoy-Server aufbauen dürfen. Die Einstellungen dazu werden über das Menü "MAC Filter" vorgenommen.

Boot-Images in iVentoy hinterlegen

Für das Installieren über das Netzwerk nutzt iVentoy ISO-Dateien. Alles, was dazu notwendig ist, ist das Kopieren der jeweiligen ISO-Datei in das Verzeichnis "ISO" von iVentoy oder das Erstellen eines Symlinks zur ISO-Datei. Alle ISO-Dateien, die hier zu sehen sind, erscheinen bei den Clients nach dem PXE-Boot. Nach dem Kopieren der ISO-Datei, erfolgt in der Weboberfläche von iVentoy bei "Image Management" ein Klick auf "Refresh". Hier sollten dann die ISO-Dateien auftauchen. Die ISO-Dateien sind aber auch direkt zugreifbar, zum Beispiel über die Adresse http://192.168.10.100:16000/iso/Linux/ubuntu-20.04.3-desktop-amd64.iso.

Nach dem Klick auf eine ISO-Datei, lässt sich die Installation anpassen. Es besteht zum Beispiel die Möglichkeit, bei "Auto Install Script" eine Skript-Datei für die automatische Bereitstellung zu hinterlegen. Außerdem lassen sich bspw. "unattend.xml"-Dateien hinterlegen, die auch bei WDS oder anderen Bereitstellungen zum Einsatz kommen. Allerdings ist es meistens besser, die Skripte und Antwortdateien gleich in die ISO-Datei zu implementieren. Damit der iVentoy-Server auf Anfragen antwortet, muss man diesen auf der Startseite noch starten. Hier lässt er sich auch wieder beenden, wenn keine Bereitstellung mehr notwendig ist.

Clients per PXE booten

Booten Rechner über den Netzwerkadapter, weist der DHCP-Server die IP-Adresse des iVentoy-Servers zu und lädt die Boot-Datei. Hierfür ist es wichtig, Secure-Boot auf dem Client zu aktivieren, da ansonsten die Boot-Datei nicht gelesen werden kann und der Rechner nicht startet. Der Client bekommt vom DHCP-Server über die Option 66 die IP-Adresse des iVentoy-Servers mitgeteilt und über die Option 67 lädt der Client die Startdatei per TFTP.

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Damit Clients sich verbinden können, müssen in der Firewall verschiedene Ports freigeschaltet sein. Dazu gehört der UDP-Port 69 für TFTP, sowie die TCP-Ports 26000 (HTTP-Server), 16000 (PXE), 10809 (NBD). Die Ports lassen sich in der grafischen Oberfläche von iVentoy anpassen. Teilweise kann es passieren, dass Treiber fehlen. In diesem Fall kann die Installation nicht fortgesetzt werden, bis der Treiber manuell hinzugefügt wurde, genauso wie bei einer lokalen Installation. Um dem entgegenzuwirken, ist der beste Weg, alle notwendigen Treiber bereits in die ISO-Datei zu integrieren. In diesem Fall läuft die Installation dann ohne Probleme durch.

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