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Definition Was ist Windows Virtual Desktop (WVD)?

Windows Virtual Desktop ist ein Cloud-basierter Service zur Bereitstellung virtueller Desktop-Umgebungen. Der Dienst wird auf der Microsoft Cloud-Computing-Plattform Azure angeboten. Er richtet sich speziell an Unternehmen und stellt Desktops mit verschiedenen Betriebssystemen wie Windows 7, Windows 10 und Windows Server zur Verfügung.

Die wichtigsten IT-Fachbegriffe verständlich erklärt.
Die wichtigsten IT-Fachbegriffe verständlich erklärt.
(Bild: © aga7ta - stock.adobe.com)

Die Abkürzung für den Microsoft-Service Windows Virtual Desktop lautet WVD. Es handelt sich um einen Dienst, der auf Basis der Microsoft Cloud-Computing-Plattform Azure angeboten wird und virtuelle Desktop-Umgebungen mit Windows-Betriebssystemen bereitstellt. Unter anderem werden verschiedene Versionen der Betriebssysteme Windows 7, Windows 10 und Windows Server zur Verfügung gestellt.

Windows 7 lässt sich aufgrund des erweiterten Supports von Microsoft auch über das offizielle Supportende hinaus auf Windows Virtual Desktop betreiben und wird weiterhin mit aktuellen Sicherheitsupdates versorgt.

WVD richtet sich an Unternehmen und ist grundsätzlich Multi-Session-fähig. Erstmals angekündigt wurde Windows Virtual Desktop im Jahr 2018. Anfang 2019 startete eine erste Preview des Services. Seit 30. September 2019 ist WVD als offizieller Service im Rahmen von Microsoft Azure verfügbar.

WVD bietet die prinzipiellen Vorteile der Desktop-Virtualisierung. Virtuelle Anwendungen und Arbeitsumgebungen sind standortunabhängig auf beliebigen Endgeräten ausführbar. Unter anderem ist WVD auf Geräten mit den Betriebssystemen Windows, macOS, iOS oder Android nutzbar. Auch die Browser-basierte Nutzung per HTML5 ist möglich. Für Unternehmen reduziert Windows Virtual Desktop den finanziellen und arbeitstechnischen Aufwand für den Betrieb eigener Hard- und Software zur Bereitstellung von Desktop-Umgebungen.

Grundsätzliches zu virtuellen Desktops

Das Grundkonzept virtueller Desktops ist bereits älter und geht auf die prinzipielle Arbeitsweise im Großrechnerumfeld zurück. Dort arbeitete man mit Terminalprogrammen auf einem Großrechner und nutzte dessen Ressourcen. Die Leistung des Großrechners teilten sich viele Anwender. Zu vergangenen Großrechnerzeiten waren Terminals allerdings einfache Text- und Kommandozeilen-basierte Ein- und Ausgabegeräte.

Virtuelle Desktops werden ebenfalls auf einer gemeinsamen Hard- und Software-Infrastruktur betrieben, stellen dem Anwender aber vollständige Arbeitsumgebungen mit graphischen Benutzeroberflächen, vergleichbar einer lokalen Rechnerinstallation, zur Verfügung. Anwender arbeiten dabei auf einem individuellen virtuellen Desktop einer gemeinsamen Plattform, auf den sie per Netzwerk zugreifen.

Der Desktop ist von beliebigen Endgeräten mit Netzwerkzugriff verfügbar. Die lokalen Endgeräte selbst benötigen nur wenig Rechenleistung und dienen lediglich zur Darstellung und Interaktion mit dem virtuellen Desktop. Virtuelle Desktop-Umgebungen lassen sich in eigenen Datencentern über lokale Netzwerke oder Cloud-basiert über einen Cloud-Computing-Anbieter und das Internet betreiben.

Die wichtigsten Funktionen von Windows Virtual Desktop im Überblick

Mit Windows Virtual Desktop erhalten Anwender vollwertige Windows-Desktop-Umgebungen, auf denen sich verschiedenste Anwendungen wie Office-Anwendungen betreiben lassen. WVD ist Multi-Session-fähig und von beliebigen Geräten aus mit unterschiedlichen Betriebssystemen sowie über den Webbrowser nutzbar. Die Windows-Desktops und -Server werden über eine einheitliche Oberfläche verwaltet. Um sich mit seinem Desktop und seinen Anwendungen zu verbinden, genügt die Anmeldung mit dem eigenen Benutzernamen. Folgende x64-Betriebssysteme werden von Windows Virtual Desktop unterstützt:

  • Windows 10 Enterprise mit Version 1809 und höher
  • Windows 7 Enterprise
  • Windows Server 2012 R2
  • Windows Server 2016
  • Windows Server 2019

Voraussetzungen für Windows Virtual Desktop

Um Windows Virtual Desktop zu nutzen und von den zahlreichen Vorteilen zu profitieren, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass WVD für private User oder kleine Unternehmen eher uninteressant ist. Der Service richtet sich an größere Unternehmen, die bestimmte Bedingungen einhalten. So muss bereits eine Windows-Domäne mit einem Domänencontroller vorhanden sein. Dieser ist über die Cloud mit dem Azure Active Directory zu synchronisieren. Was die Lizenzen angeht, ist eine der folgenden Windows-Lizenzen Voraussetzung für die Nutzung des Services:

  • Windows 10 und Windows 7 Enterprise: Microsoft 365 E3, E5, A3, A5, F1, Business Windows E3, E5, A3, A5
  • Windows Server 2012 R2, 2016, 2019: RDS-Clientzugriffslizenz (Client Access License, CAL) mit Software Assurance

Die Clients für den Remote-Desktop benötigen Betriebssysteme wie Windows, macOS, iOS, Android oder einen kompatiblen Webbrowser. Zudem ist der Zugang zum Internet und zu verschiedenen URLs der Azure-Plattform notwendig. Für eine optimale Leistung, eine flüssige Darstellung der virtuellen Desktops auf den lokalen Clients und komfortables Arbeiten sollte die Roundtrip-Latenzzeit zwischen Clients und der Azure-Region, in der die Services bereitgestellt werden, unter 150 Millisekunden betragen. Es empfiehlt sich daher, die virtuellen Rechner in einer geeigneten Azure-Region zu betreiben.

Vor- und Nachteile des Windows Virtual Desktops

Durch den Einsatz des Azure-Services WVD profitieren Unternehmen von zahlreichen Vorteilen. Investitionen in eigene Hard- und Software und fixe Kosten für die Bereitstellung von Arbeitsplätzen werden reduziert und in ein nutzungsabhängiges "Pay-as-you-Go-Modell" überführt. Abhängig von der Anzahl der Anwender, Desktops und der Nutzung der Desktops sind teils enorme Kosteneinsparungen erzielbar. Zudem bietet das Cloud-Computing-Modell den Vorteil, dass sich Desktops bei kurzfristigen Veränderungen der Anforderungen schnell und dynamisch bereitstellen und hinzufügen lassen. Dies ist quasi in Echtzeit innerhalb weniger Minuten möglich, ohne dass Hardware oder Software für einzelne Rechner zu bestellen oder zu installieren ist. Die Skalierbarkeit verbessert sich deutlich.

Ebenfalls vorteilhaft ist, dass Arbeitsplatzumgebungen mit hoher Rechenleistung und Performance auf preisgünstigen Client-Systemen nutzbar sind. Der individuelle Desktop mit den eigenen Anwendungen, Daten und Einstellungen ist von beliebigen Orten aus per Internetanbindung verfügbar und kann von Geräten wie PCs, Laptops, Smartphones, Tablets und Thin oder Thick Clients genutzt werden. Für Desktops mit Windows 7 stehen auch nach dem offiziellen Supportende erweiterte Sicherheitsupdates zur Verfügung.

Die mit Windows Virtual Desktop realisierten Arbeitsplätze sind modern, sicher und mobil. Dank einer engen Verzahnung mit weiteren Microsoft-Anwendungen und Azure-Services erzielen Unternehmen und Anwender eine hohe Produktivität. Die zentralen Verwaltungsmöglichkeiten der Desktops und der Betrieb auf einer gesicherten Plattform ermöglichen es, hohe Sicherheitsanforderungen zu erfüllen. Der Aufwand der IT-Administration reduziert sich.

Als Nachteil lässt sich anführen, dass eine gewisse Abhängigkeit vom Service-Anbieter und seinem Virtualisierungsprodukt entsteht. Unternehmen genießen nicht die Freiheiten, die sie bei der Bereitstellung eigener Desktop-Umgebungen hätten. Sie sind von den Funktionen des Windows Virtual Desktops abhängig. Darüber hinaus wird für die Arbeit eine Netzwerkverbindung benötigt.

Probleme mit dem Netzwerk oder auf der Cloud-Computing-Plattform können zu massiven Arbeitsausfällen im Unternehmen führen. Ein weiterer Nachteil ist, dass Unternehmen die Kontrolle über ihre Daten zum Teil verlieren. Daten werden über das Internet übertragen und in Rechenzentren des Dienstleisters verarbeitet und gespeichert. Unter Umständen lassen sich Anforderungen an den Datenschutz und strenge Compliance-Vorgaben nicht ohne weitere Maßnahmen einhalten.

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