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Definition Was ist White-Box/Brite-Box Switching?

Brite-Box und White-Box Switching sind Begriffe des Open Networkings. Im Vergleich zum klassischen Switching kommt keine Black-Box-Hardware mit einer vom Hersteller vorgegebenen, proprietären Switching-Software zum Einsatz. Hard- und Software sind entkoppelt. Auf der Hardware ist ein Network Operating System (NOS) eigener Wahl installierbar. Im Gegensatz zur White-Box Hardware besitzt Brite-Box Hardware ein Hersteller-Branding.

Die wichtigsten IT-Fachbegriffe verständlich erklärt.
Die wichtigsten IT-Fachbegriffe verständlich erklärt.
(Bild: © aga7ta - stock.adobe.com)

Die Begriffe Brite-Box Switching und White-Box Switching werden im Zusammenhang mit dem Konzept des Open Networkings verwendet. Im Gegensatz zu klassischen Switching-Konzepten kommt keine Black-Box Switching-Hardware mit einem vom Hersteller vorgegebenen, proprietären und nicht austauschbaren Switching-Betriebssystem zum Einsatz. Software und Hardware sind voneinander entkoppelt.

Die Switches basieren auf Standard-Hardware, auf der unterschiedliche offene Netzwerkbetriebssysteme (NOS, Network Operating Systeme) genutzt werden können. Ein Network Operating System lässt sich auf so genannter White-Box oder Brite Box Hardware betreiben. Auch wenn die Begriffe White-Box und Brite-Box nicht allgemeingültig und exakt definiert sind und sie zum Teil von den Herstellern aus Marketingsicht etwas unterschiedlich interpretiert werden, haben sich dennoch folgende Unterscheidungen durchgesetzt:

Beim White-Box Switching handelt es sich bei den verwendeten Geräten um Standard-Hardware, die mit oder ohne vorinstalliertem Netzwerkbetriebssystem ausgeliefert wird. Das NOS ist nicht an die Hardware gebunden und durch andere Betriebssysteme ersetzbar.

Brite-Box Switching basiert auf dem gleichen Konzept. Allerdings stammt die eingesetzte Switch-Hardware von Markenherstellern und ist mit einem Hersteller-Branding versehen. Die Geräte werden im Bundle mit einem Netzwerkbetriebssystem bereitgestellt und in dieser Kombination supportet. Dennoch ist das NOS prinzipiell austauschbar.

Brite-Box und White-Box Switching bieten durch die Entkopplung von Hard- und Software eine hohe Flexibilität, reduzieren die Anschaffungskosten für Switches und verhindern starke Abhängigkeiten von einzelnen Herstellern.

Open Networking – konzeptionelle Basis für Brite-Box/White-Box Switching

Die konzeptionelle Basis für Brite-Box/White-Box Switching bildet das Open Networking. Es handelt sich um ein Netzwerkkonzept, das den Einsatz von frei wählbaren, offenen Netzwerkbetriebssystemen auf für Routing und Switching konzipierter Standard-Hardware erlaubt.

Hard- und Software sind im Gegensatz zu klassischen Switching-Konzepten voneinander entkoppelt. Während bei klassischen Switching-Konzepten der Hersteller so genannte Black-Box-Hardware mit einem vorgegebenen proprietären Betriebssystem liefert, die nur in dieser Kombination nutzbar ist, setzt das Open Networking auf White-Box- oder Brite-Box-Hardware mit beliebig wählbarer, offener Switching-Software.

Die meisten der offenen Network Operating Systeme arbeiten auf Basis von Linux. Zahlreiche NOS für das Open Networking sind verfügbar wie ONOS, PICOS, SONiC, Cumulus Linux oder FBOSS. Dank des Konzepts des Open Networkings und des Einsatzes von Brite-Box/White-Box Switching entsteht eine hohe Flexibilität. Netzwerke lassen sich einfacher als proprietäre Systeme an individuelle Anforderungen anpassen, die verwendete Hardware ist günstiger in der Anschaffung und Herstellerabhängigkeiten werden vermieden.

Was ist ein White-Box Switch?

Ein White-Box Switch ist eine Switching-Gerät, bei dem die Hardware von der Software (Netzwerkbetriebssystem) entkoppelt ist. Es handelt sich um Hardware, die aus Standardkomponenten zusammengestellt ist und von zahlreichen Herstellern angeboten wird. Auf der Hardware ist ein NOS eigener Wahl installierbar. Prinzipiell ist ein White-Box Switch auch in Eigenbau realisierbar. Ein Branding besitzen die Geräte nicht. Die ASICs (Application-Specific Integrated Circuits) der Hardware sind über offene Schnittstellen von den Netzwerkbetriebssystemen ansprechbar. Prinzipiell sind White-Box Switche in zwei Ausprägungen verfügbar:

  • Als Bare-Metal Switch ohne vorinstalliertem Betriebssystem. Über einen vorhandenen Bootloader lässt sich ein beliebiges NOS installieren.
  • Als White-Box Switch mit einem vorinstallierten Betriebssystem. Das NOS ist dennoch frei wählbar und kann beliebig ersetzt werden.

Was ist ein Brite-Box Switch?

Die Bezeichnung Brite-Box leitet sich vom Begriff "Branded White-Box" ab. Der Brite-Box Switch bildet eine Art Zwischenstufe zwischen dem klassischen proprietären Switch eines traditionellen Switch-Herstellers und dem komplett offenen, auf Standard-Hardware basierenden White-Box Switch ohne Branding. Er basiert wie der White-Box Switch auf Hardware zusammengestellt aus Standardkomponenten und ist mit einem frei wählbaren Network Operating System einsetzbar. Allerdings stammt der Brite-Box Switch von einem Markenhersteller und ist mit seinem Branding versehen. Zudem wird er zusammen mit einem vorinstallierten Netzwerkbetriebssystem ausgeliefert und in dieser Kombination als eine Einheit vom Hersteller supportet. Dennoch lässt sich das NOS bei Bedarf ersetzen.

Vorteile durch den Einsatz von Brite-Box/White-Box Switching

Der Einsatz von Brite-Box/White-Box Switching bietet gegenüber dem klassischen Switching mit proprietären Lösungen folgende Vorteile:

  • Hohe Flexibilität bei der Auswahl des Betriebssystems. Sie ist individuell nach eigenen Anforderungen wählbar.
  • Verhindert starke Abhängigkeiten von einzelnen Herstellern.
  • Eine große Vielfalt an offenen Netzwerkbetriebssystemen ist einsetzbar.
  • Der Einsatz von Standard-Hardware und freien Betriebssystemen reduziert die Anschaffungskosten für die Switching-Hard- und -Software.
  • Netzwerke lassen sich zentralisiert über etablierte Linux-basierte Verfahren managen.
  • Die Netzwerkinfrastruktur lässt sich leichter programmieren und automatisieren.
  • Switching-Funktionalitäten sind beliebig erweiterbar und anpassbar.
  • Für große Cloud-Rechenzentren und Data Center geeignet.

Spezifische Vor- und Nachteile von Brite-Box und White-Box Switching

Ein Vergleich zwischen Brite-Box und White-Box Switching zeigt einige spezifisch Vor- und Nachteile der beiden Varianten des Open Networkings wie:

  • Hardware für White-Box Switching ist in der Regel günstiger in der Anschaffung als Geräte für Brite-Box Switching.
  • Produkte für Brite-Box Switching werden beim Einsatz im vorgegebenen Bundle von Hard- und Software als Einheit vom Hersteller supportet und ermöglichen einen unter Umständen besseren technischen Service.
  • Produkte für Brite-Box Switching sind direkt einsetzbar. Es muss kein Betriebssystem ausgesucht und installiert werden.
  • White-Box Switching bietet eine höhere Flexibilität und mehr Unabhängigkeit von einzelnen Herstellern.
  • Beim White-Box Switching sind aufgrund der Vielfalt einsetzbarer Netzwerkbetriebssysteme Inkompatibilitäten oder spezifische Probleme zwischen Hard- und Software nicht auszuschließen. Probleme können zwischen Hardwarehersteller und der Betriebssystem-Community hin- und hergeschoben werden.

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