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Warum staatliche Kommunikation zur Souveränitätsfrage wird Die verborgene Infrastruktur

Von Martin Bitzinger 4 min Lesedauer

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Verwaltungen, Energieversorger oder Verkehrsbetriebe stehen unter Druck, Informationen sicher, zuverlässig und barrierefrei bereitzustellen. Veraltete Systeme, fehlende Standards und hohe Anforderungen an Ausfallsicherheit verschärfen das Problem. Doch nur sichere Kommunikation sichert staatliche Handlungsfähigkeit.

Martin Bitzinger, SVP Product Management bei Mitel, sagt, viele Kommunikationsstrukturen im öffentlichen Sektor seien den heutigen Anforderungen an Ausfallsicherheit, Datenhoheit und Erreichbarkeit nicht mehr gewachsen.(Bild:  Mitel)
Martin Bitzinger, SVP Product Management bei Mitel, sagt, viele Kommunikationsstrukturen im öffentlichen Sektor seien den heutigen Anforderungen an Ausfallsicherheit, Datenhoheit und Erreichbarkeit nicht mehr gewachsen.
(Bild: Mitel)

Sichere Kommunikation ist für staatliche Stellen und Betreiber kritischer Infrastrukturen kein Randthema, sondern Teil ihrer Handlungsfähigkeit. Wo Systeme veraltet sind, Standards fehlen und Anwendungen nur unzureichend zusammenspielen, entstehen operative Risiken. Das betrifft nicht nur Ministerien oder Behörden, sondern ebenso Energieversorger, Verkehrsknotenpunkte oder Einrichtungen mit sensiblen Betriebsabläufen.

Gerade in einem angespannten geopolitischen Umfeld hat die Diskussion über digitale Souveränität an Schärfe gewonnen. In vielen Organisationen zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Kommunikationslandschaften sind historisch gewachsen, technisch heterogen und nur begrenzt auf heutige Anforderungen vorbereitet. In kritischen Situationen muss Kommunikation aber funktionieren, verlässlich, sicher und auch unter Last.

Dabei geht es längst nicht mehr nur um interne Abläufe. Die Art und Weise, wie Verwaltungen kommunizieren, prägt zunehmend das Verhältnis zwischen Staat und Gesellschaft. Denn Bürgerinnen und Bürger erwarten Erreichbarkeit und transparente Prozesse. In der Theorie sollte es zum Alltag gehören, dass Anträge problemlos online gestellt werden, Statusmeldungen digital abgerufen werden und Rückfragen per Telefon oder Chat geklärt werden können. Doch vielerorts stoßen diese Anforderungen an technische Grenzen. Viele Kommunikationssysteme stammen aus einer Zeit, in der digitale Verfahren noch die Ausnahme waren. Entsprechend schlecht lassen sie sich heute integrieren. Daten bleiben in voneinander getrennten Anwendungen stecken. Nicht selten hängt die Qualität einer Auskunft davon ab, wer gerade ans Telefon geht.

So werden Verwaltungen handlungsfähig und inklusiv

Gerade in Ausnahmesituationen wird deutlich, wie fragil diese Strukturen sind. Extreme Wetterlagen, plötzliche Gesetzesänderungen oder Krisen im Gesundheitswesen führen regelmäßig zu einem abrupten Anstieg von Anrufen und Informationsgesuchen. Dann entscheidet die Kommunikationsinfrastruktur darüber, ob Verwaltungen handlungsfähig bleiben oder durch technische und organisatorische Engpässe in ihren Abläufen ausgebremst werden. Skalierbarkeit wird damit zu einem zentralen Faktor dabei, wie gut Verwaltungen organisatorischen Anforderungen und Ausnahmesituationen gerecht werden können.

Ein weiterer oft unterschätzter kritischer Faktor ist, dass digitale Verwaltungsangebote ohne barrierefreie und kanalübergreifende Kommunikation nicht funktionieren. Wer keinen ausreichenden Internetzugang hat, ist auf Telefon oder SMS als Kommunikationsweg angewiesen. Und wer mit digitalen Formularen überfordert ist, braucht verständliche Unterstützung. Moderne Verwaltung bedeutet deshalb, verschiedene Zugangswege gleichwertig anzubieten und miteinander zu verzahnen. Technisch setzt das Plattformen voraus, die nicht nur leistungsfähig, sondern auch flexibel betreibbar sind. Gerade im öffentlichen Sektor ist die Frage des Betriebsmodells entscheidend, weil Datenhoheit und nationale Rechtsvorgaben eingehalten werden müssen.

In diesem Zusammenhang trägt ein reiner UCaaS-Ansatz den Anforderungen öffentlicher Einrichtungen nur begrenzt Rechnung. Für Behörden kann das problematisch sein. Oft bleibt unklar, wo genau sensible Daten gespeichert und verarbeitet werden. Lokale Datenschutz- und Beschaffungsvorgaben machen Anpassungen komplex, während langfristige Vertragsbindungen die technologische Beweglichkeit zusätzlich einschränken. Gleichzeitig fehlt oft die Möglichkeit, bestehende Systeme schrittweise zu modernisieren. Häufig bleibt als Option nur ein grundlegender Austausch der Systeme, was erhebliche Investitionen und zusätzliche operative Komplexität nach sich zieht.

Wie neue Technologien bestehende Strukturen stützen

Die Praxis zeigt, dass sich technische Erneuerung und lokale Kontrolle nicht widersprechen, sondern gezielt miteinander verbinden lassen. Hybride Modelle ermöglichen es, sensible Daten im eigenen Einflussbereich zu halten und dennoch von neuen Funktionen zu profitieren. In diesem Kontext gewinnt auch der Einsatz künstlicher Intelligenz an Bedeutung, allerdings weniger als radikaler Systemwechsel, denn als ergänzendes Werkzeug. KI-gestützte Funktionen können dabei helfen, Gespräche automatisch zusammenzufassen, vorzustrukturieren oder Hinweise auf besonders dringliche Anliegen zu geben. Der Mehrwert liegt nicht in der vollständigen Automatisierung, sondern in der gezielten Unterstützung von Mitarbeitenden, die täglich mit hohem Anfragevolumen und begrenzten Ressourcen umgehen müssen. Entscheidend ist, dass diese Technologien bestehende Strukturen gezielt unterstützen und weiterentwickeln, ohne gewachsene Systeme zu verdrängen.

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Diese Entwicklung verändert auch die Rolle zentraler Serviceeinheiten in der Verwaltung. Was früher als reines Callcenter galt, wird heute zur Schnittstelle zwischen Fachabteilungen, IT und Öffentlichkeit. Hier laufen Informationen zusammen und entstehen verlässliche Übersichten über Anfragevolumen und Bearbeitungsstände. Diese Transparenz ist nicht nur für interne Steuerung relevant. Sie wird zunehmend zu einer Voraussetzung für politische Verantwortung und öffentliche Nachvollziehbarkeit.

Ein langfristiger Ansatz ist gefragt

Wirtschaftliche Überlegungen sind Teil der Entscheidungsfindung, werden jedoch häufig vereinfacht und nicht über den gesamten Lebenszyklus von Systemen hinweg betrachtet. Moderne, nutzungsabhängige Preismodelle können Flexibilität schaffen, führen jedoch nicht automatisch zu geringeren Kosten. Gerade bei stark schwankender Nachfrage können dauerhaft hohe Gebühren entstehen. Behörden stehen deshalb vor der Herausforderung, Investitionen so zu gestalten, dass sie langfristig tragfähig bleiben und bestehende Infrastrukturen sinnvoll weitergenutzt werden können. Solange verbindliche Vorgaben fehlen und Modernisierung als optionales Projekt behandelt wird, bleiben Risiken in Zukunft bestehen.

Über den Autor

Martin Bitzinger ist SVP Product Management bei Mitel. Er verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der UC-Branche und war in den Bereichen Forschung und Entwicklung sowie Beratung in der IT tätig. Bitzinger hat einen Bachelor of Science in Informatik von der Santa Clara University sowie einen Master in Informationstechnologie von der Technischen Universität München.

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