Definition

Was ist IOTA?

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Andreas Donner

(© aga7ta - Fotolia)

Mit einem Wort lässt sich IOTA als Kryptowährung beschreiben. Im Detail steckt hinter dem Begriff ein neuartiger Distributed Ledger, der auf einem Tangle basiert und insbesondere für Anwendungen im Internet der Dinge optimiert ist.

Die Macher verstehen IOTA als Distributed Ledger der nächsten Generation. Damit tritt die Lösung in die Fußstapfen traditioneller Kryptowährungen wie Bitcoin. Um Transaktionen sicher zu speichern setzt IOTA dabei jedoch nicht auf die Blockchain, sondern einen gerichteten azyklischen Graphen. Der wird „Tangle“ genannt, was sich mit „Knäuel“ oder „Gewirr“ übersetzen lässt.

Das Tangle besteht aus Nodes. Wollen diese eine Transaktion erstellen, müssen sie dabei zugleich zwei bereits bestehende Transaktionen bestätigen – die Auswahl erfolgt dabei über einen speziellen Algorithmus, beide Transaktionen dürfen einander nicht widersprechen, der Node muss ein vergleichsweise einfaches kryptographisches Rätsel lösen.

Insbesondere die Tangle-Architektur soll IOTA zu verschiedenen Vorteilen verhelfen...

  • Skalierbarkeit und Dezentralisierung: Im Tangle gibt es keine klassischen Miner, die Transaktionen für einen vorgegebenen Reward sowie zusätzliche Transaktionsgebühren in Blöcken zusammenfassen. Stattdessen trägt jeder Teilnehmer des Netzes zum Konsens bei. Somit soll das Netz beliebig skalieren und selbst bei wachsender Größe stets genügend Kapazitäten vorhalten, um Transaktionen rasch zu bestätigen. Weil es keine leistungsfähigen Miner gibt, arbeite IOTA zudem noch dezentraler als Blockchain-basierte Ansätze.
  • Keine Transaktionskosten: IOTA kennt keine Transaktionskosten. Weil damit auch verschwindend kleine Überweisungen wirtschaftlich praktikabel werden, eignet sich IOTA insbesondere für Anwendungen im Internet der Dinge.
  • Sicherheit gegen Quantencomputer: Die von IOTA verwendete trinäre Hashfunktion „Curl-p“ soll gegen Angriffe mit Quantenrechnern immun sein.

Ursprünge und aktuelle Entwicklung

Der Begriff IOTA lässt sich einerseits von dem Zeichen herleiten, das als kleinster Buchstabe des griechischen Alphabets gilt; damit weckt der Name Assoziationen zu Micropayments. Überdies stecken in dem Begriff bereits das Internet of Things sowie die beiden Anfangsbuchstaben des Tangle

Die ersten Codezeilen für IOTA sind 2015 entstanden. Seit 2017 steht hinter dem Open-Source-Protokoll die nicht gewinnorientierte IOTA Foundation mit Sitz in Deutschland. Ziel der Organisation ist es, die Entwicklung von IOTA-Plattform sowie verwandten Technologien zu fördern.

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In einem Anfang Mai 2018 veröffentlichten Interview musste IOTA-Mitgründer Dominik Schiener zugeben, dass das sich das Protokoll noch im Betastadium befindet und bislang nicht für den produktiven Einsatz taugt. Nichtsdestotrotz arbeitet IOTA gut sichtbar an praktischen Anwendungen. Mit dem Data Marketplace baut die Foundation beispielsweise an einer Plattform, über die Nutzer einzelne Daten oder Streams von Sensoren kaufen können. Das 2018 gestartete IOTA ECOSYSTEM soll zudem eine Community für Entwickler, Start-ups und sonstige Interessierte bieten.

In Forschung und Wirtschaft trifft das Projekt offenbar auf reges Interesse. Als Nutzer listet der Data Marketplace über 50 Teilnehmer, darunter Namen, wie Deutsche Telekom, KPMG oder University of Oslo. Auch Bosch kooperiert seit 2015 mit IOTA. Im Dezember 2017 verkündete die Robert Bosch Venture Capital dann, eine größere Menge an IOTA-Tokens erworben zu haben, um die industrielle Nutzung der dahinterliegenden Technologien zu erkunden. Fujitsu und IT-Dienstleister DXC Technology haben auf der Hannover Messe 2018 bereits erste IOTA-basierende Lösungen demonstriert.

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Im März 2018 gab die Innovationsplattform Startup Autobahn bekannt, auch IOTA im Rahmen des Program 4 unterstützen zu wollen. Anfang Mai verkündete IOTA, der Mobility Open Blockchain Initiative (MOBI) beigetreten zu sein; das Konsortium plant, digitale Lösungen für digitale Mobilität und Transport zu entwickeln.

Das Project Q respektive „Qubic powered by IOTA“ könnte sich der Funktionsumfang der Plattform abermals deutlich erweitern. Soweit bislang bekannt arbeiten die IOTA-Macher dabei an Smart Contracts, Outsourced Computations sowie Oracles.

Nachteile und Kritik

Wenngleich die Verheißungen von IOTA vielversprechend klingen, gibt es auch Kritik an der Architektur. So ist die Plattform zum jetzigen Ausbaustand noch immer auf einen so genannten „Coordinator“ angewiesen, der von der IOTA Foundation betrieben wird. Das läuft dem Gedanken einer dezentralen Infrastruktur (noch) zuwider. Solange koordinierende Systeme im Netz sind lasse sich überdies nicht feststellen, wie sicher das Tangle in einem tatsächlich dezentralen Modus liefe – moniert Bitcoin-Fürsprecher und Autor des Buches „Mastering Bitcoin“ Andreas M. Antonopoulos.

Stichwort Sicherheit: Nicht zuletzt dem frühen Reifgrad geschuldet wurden 2017 verschiedene Schwachstellen bei kryptographischer Hashfunktion und Schlüsselerzeugung der Plattform bekannt. Für den Umgang damit wurden die IOTA-Entwickler teils scharf kritisiert. In einem Beitrag auf dem Portal Hackernoon.com warf etwa Ethereum-Entwickler Nick Johnson dem Team neben technischem Unvermögen auch die Verletzung von Codices der Open-Source-Community vor.

Schließlich lässt sich auch über die generelle Notwendigkeit des Tangle streiten. Für Daniel Gerlach, YouTuber und Mitbetreiber der Homepage Cointrend.de, bietet der Ansatz im Vergleich zu Nano etwa keine wirklichen Vorteile, sei dafür jedoch in besonders hohem Maße für Bugs anfällig, weil es eigene Sammlungen von Funktionen benutze.

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