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Definition Was ist 5G Plus / 5G Standalone?

Von Dipl.-Ing. (FH) Stefan Luber 3 min Lesedauer

5G Standalone (Marketingbegriff 5G Plus) ist die Bezeichnung für ein ohne LTE-Infrastruktur (4G) realisiertes 5G-Mobilfunknetz. In der ersten Phase der 5G-Einführung nutzten die Netzbetreiber üblicherweise die bestehende 4G-Netzinfrastruktur zur Bereitstellung der 5G-Mobilfunktechnik. Diese Art der Bereitstellung wird als 5G Non-Standalone (5G NSA) bezeichnet. 5G Standalone bietet gegenüber 5G Non-Standalone Vorteile wie niedrigere Latenz und höhere Energieeffizienz.

Die wichtigsten IT-Fachbegriffe verständlich erklärt.(Bild:  © aga7ta - stock.adobe.com)
Die wichtigsten IT-Fachbegriffe verständlich erklärt.
(Bild: © aga7ta - stock.adobe.com)

Die Abkürzung für 5G Standalone ist 5G SA. Als Marketingbegriff wird häufig 5G Plus (teilweise in der Schreibweise 5G+) verwendet. 5G Standalone bezeichnet ein 5G-Mobilfunknetz, das nicht über eine bereits bestehende 4G-Netzinfrastruktur realisiert ist. 5G SA kommt ohne LTE-Unterstützung aus.

Nachdem die Mobilfunkanbieter in der ersten Phase der Einführung der Mobilfunktechnik üblicherweise das bestehende 4G-Netz mit 5G-Funktionalität erweiterten und so genannte 5G-Non-Standalone-Netze (5G-NSA-Netze) realisierten, sind viele Netzbetreiber mittlerweile dazu übergegangen, in der nächsten Phase der 5G-Einführung eigenständige 5G-SA-Mobilfunknetze zu betreiben. Erst durch 5G Standalone profitieren Kunden vom vollen Leistungspotenzial der 5G-Technologie wie kürzeren Latenzzeiten, höheren theoretisch möglichen Datenraten und geringerem Energieverbrauch der Endgeräte.

Auch Leistungsmerkmale wie Network Slicing werden durch 5G SA erst möglich. 5G Plus erschließt neue Anwendungsfälle und ist vor allem auch für professionelle Anwendungen wie IoT-Anwendungen oder industrielle Szenarien interessant. Um sich mit einem Mobilfunknetz 5G Standalone zu verbinden, ist entsprechende Unterstützung von 5G SA durch die Endgeräte notwendig.

Abgrenzung zu 5G Non-Standalone

Die Einführung der 5G-Mobilfunktechnik erfordert beträchtliche Investitionen der Netzbetreiber. Um möglichst schnell und günstig mit einem 5G-Angebot am Markt zu starten, realisierten die Betreiber in einer ersten Version den neuen Mobilfunkstandard in Form von 5G Non-Standalone. 5G NSA nutzt die bestehende 4G-Netzinfrastruktur und das bereits vorhandene Funkzugangsnetz (RAN), bietet aber gleichzeitig 5G-Konnektivität mit höheren Bandbreiten bei angemessener Netzabdeckung.

Der neue 5G-Mobilfunkstandard wird durch 5G NSA schnell und kosteneffizient am Markt verfügbar, indem 5G quasi huckepack auf dem 4G-Kernnetz betrieben wird. 5G und 4G teilen sich gleiche Mobilfunkfrequenzbänder und 5G-Endgeräte nutzen so genannte LTE-Ankerfrequenzen. Im Gegensatz dazu ist 5G Standalone sowohl im Kernnetz als auch bei den vorgesehenen Frequenzbereichen für die Endgeräte vollkommen autark und benötigt kein 4G-Netz mehr.

Die Situation bei 5G Standalone in Deutschland

Die deutschen Mobilfunkanbieter Vodafone, Telekom und Telefónica haben ihren 5G-Netzausbau alle zunächst mit 5G Non-Standalone begonnen. Seit 2022 bietet Vodafone seinen Kunden die Option 5G+ für 5G Standalone. Im dritten Quartal 2023 waren bei Vodafone bereits 4.200 Stationen und 12.500 Antennen mit 5G+ in Betrieb. Auch Telefónica mit seinem deutschen o2-Netz hat seit Ende 2023 5G SA als Tarifoption "5G Plus" für das komplette Netz freigeschaltet. Ende 2023 sollen bundesweit bereits über 18.000 Antennen in Betrieb gewesen sein. Die Deutsche Telekom hat sich mit 5G SA lange zurückgehalten. Zunächst betrieb sie nur einen Standort bei München mit 5G SA. Für das Jahr 2024 plant die Telekom 5G Standalone großflächig auszurollen und die Vermarktung für ihre Kunden zu starten.

Eine besondere Situation ergibt sich beim neuen vierten deutschen Mobilfunkanbieter 1&1. 1&1 hat 5G-Netzfrequenzen ersteigert und ist erst mit 5G mit einem eigenen Netz in den Mobilfunkmarkt in Deutschland gestartet. Das 1&1-Netz wurde von Beginn an als 5G-Netz auf Basis des Open-RAN-Standards konzipiert und installiert. Seit Ende 2023 ist das eigene 5G-Netz von 1&1 offiziell für Endgeräte freigeschaltet. Allerdings ist die Netzabdeckung noch äußerst gering, weshalb Kunden übergangsweise das Netz von o2-Telefonica weiternutzen. Ab Sommer 2024 ist nationales Roaming mit dem Netz von Vodafone möglich. Ein entsprechendes 5G-SA-Angebot für das eigene 1&1-5G-Netz ist zu erwarten. Hinsichtlich der Nutzung der Netze anderer Anbieter erfordert es aber vermutlich Abstimmung mit den Kooperationspartnern.

Vor- und Nachteile von 5G Standalone

Die Vorteile von 5G Standalone sind:

  • niedrigere Latenzzeiten (10 bis 15 ms) und verbesserte Echtzeitfähigkeit
  • höhere maximal mögliche Datenraten
  • verbesserte Reichweiten
  • höhere Gerätedichten möglich (bis zu eine Million Geräte pro Quadratkilometer)
  • niedrigerer Energieverbrauch der Endgeräte (circa 20 Prozent weniger)
  • bessere Sprachqualität und kürzere Rufaufbauzeiten bei Voice over 5G (Voice over New Radio; VoNR)
  • Einsatz von Network Slicing und mehreren virtuellen Netzen für unterschiedliche Anforderungen und Anwendungen
  • verbesserte Sicherheitsstandards

Als Nachteile von 5G Standalone lassen sich aufführen:

  • enorme Investitionen in neues 5G-Kernnetz und neue RAN-Infrastruktur
  • Endgeräteunterstützung von 5G SA erforderlich (eventuell neues Smartphone notwendig, aber bisher nur relativ wenige kompatible Geräte verfügbar)
  • gegebenenfalls neue 5G-SIM-Karten erforderlich
  • nach der Umstellung von 5G NSA auf 5G SA unter Umständen zunächst niedrigere Datenraten durch Wegfall der Bündelung von 4G- und 5G-Frequenzen

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