Immer mehr Unternehmen stellen ihre Netzwerkinfrastruktur um. Sie wenden sich von MPLS-Verbindungen (Multiprotocol Label Switching) ab und entscheiden sich stattdessen für das Internet als Transportnetz, auch Underlay genannt. Die MPLS-Verbindung zwischen den Standorten ersetzen sie durch ein virtuelles Netzwerk auf Basis der SD-WAN-Technologie, genannt Overlay.
Kim Bybjerg von Tata Communications erläutert, wie Unternehmen sowohl MPLS- als auch Internet-Konnektivitätslösungen bereitstellen, damit das Beste aus beiden Welten kombinieren und ihre Netzwerkinfrastruktur jederzeit an veränderte Anforderungen anpassen können.
(Bild: Tata Communications)
Einer der Hauptgründe für die Umstellung von MPLS auf Internetkonnektivität sind die Kosten. Lange war MPLS wegen seiner Zuverlässigkeit und seiner Sicherheits-Features die erste Wahl für Unternehmen. Diese Vorteile haben jedoch ihren Preis, sodass es für viele Unternehmen zu kostspielig ist, MPLS in großem Umfang zu implementieren. Die Internetkonnektivität hingegen ist kostengünstiger und deshalb eine attraktive Alternative für Unternehmen, die ihre Netzwerkkosten senken wollen.
Die Kosten sind zwar ein wichtiger Beweggrund, doch müssen Unternehmen einen Kompromiss zwischen Zuverlässigkeit und Einsparungen finden. MPLS ist verlässlich und berechenbar, da es dedizierte, private Verbindungen bietet. Diese sind wenig anfällig für Überlastungen oder Leistungsprobleme. Im Gegensatz dazu ist die Internetverbindung ein gemeinsam genutztes Übertragungsmedium, weshalb Leistung und Zuverlässigkeit schwanken können.
Ein weiterer wichtiger Aspekt, der berücksichtigt werden muss, ist Security. MPLS bietet aufgrund seines privaten Charakters ein sichereres Netzwerk.
Die Rolle von SD-WAN
Das SD-WAN-Overlay trägt dazu bei, die oben genannten Vorbehalte zu entschärfen. Internet-Konnektivität gibt es in allen Formen – und auch Preisstufen. Ein Hauptvorteil von SD-WAN ist, dass Unternehmen je nach Budget und Wichtigkeit des Standorts die passende Art und Anzahl von Internetzugängen nutzen können. So verwendet beispielsweise ein hochkritischer Standort mehrere SLA-gebundene Internetverbindungen, während ein weniger wichtiger Standort nur einen oder zwei reguläre Internetzugänge benötigt.
Außerdem können Unternehmen die leistungsfähigste Verbindung (Internet oder MPLS) in Echtzeit für eine bestimmte Art von Anwendung nutzen. Die eine Verbindung eignet sich beispielsweise besser für den Office-365-Verkehr, die andere für die IaaS-Konnektivität (Infrastructure-as-a-Service). All dies geschieht in Echtzeit und unter Berücksichtigung der Verfügbarkeit der einzelnen Verbindungen. Der Hauptvorteil dieses Ansatzes ist die Abkehr von einer „Active-Backup“-Konfiguration, bei der eine Verbindung fast nie genutzt wird, zugunsten einer „Active-Active“-Konfiguration.
In dieser Konfiguration ist die Verfügbarkeit der Internetverbindungen von entscheidender Bedeutung, da es sich um geschäftskritische Assets handelt. In anderen Worten: Wenn die Internetverbindungen nicht funktionieren, kann ein Unternehmen keine Geschäfte tätigen. Aus diesem Grund sind Sicherheitsfunktionen wie DDoS sehr wichtig.
In einer Welt, in der immer mehr Dienste aus der Cloud in Form von IaaS oder SaaS in Anspruch genommen werden, könnte man natürlich die Sinnhaftigkeit von Investitionen in ein Overlay-Netz, das darauf abzielt, Standorte miteinander zu verbinden, in Zweifel ziehen. Auch wenn diese Sichtweise langfristig möglich scheint, lässt sie sich für den Augenblick leicht entkräften.
Zum einen ist das SD-WAN, das wir heute kennen, nicht das SD-WAN, das wir vor fünf Jahren verwendet haben. Einige Features wie On-Ramp-Zugang oder Observability-Funktionen waren damals noch nicht verfügbar. Es bleibt spannend zu sehen, welche neuen Funktionen in fünf Jahren Teil des SD-WAN sein werden.
Zum anderen ist die Verwaltung des Overlay zwar eine wichtige Aufgabe der SD-WAN-Anwendung, aber nicht die einzige. So kann die SD-WAN-Anwendung auch ohne Overlay dazu verwendet werden, den Datenverkehr je nach Leistung auf mehrere Internetverbindungen aufzuteilen.
Mittelgroße Standorte verwenden SD-WAN zudem häufig für die Netzwerktrennung, die Trennung mehrerer VLANs oder die Bereitstellung lokaler Sicherheitsfunktionen wie Live-Firewall oder IDS/IPS.
SD-WAN bringt Unternehmen mehr Flexibilität, Agilität und Kosteneinsparungen, da es softwaredefinierte Prinzipien nutzt. So ist es eine überzeugende Alternative zu herkömmlichen MPLS-Netzwerken.
Auch bei der Einführung von Cloud-Diensten und Multi-Cloud-Umgebungen bietet SD-WAN Vorteile – die Konnektivität zu Cloud-Plattformen ist besser, da der Datenverkehr dynamisch auf den am besten geeigneten Pfad geleitet wird. Das erhöht die Leistung und verringert die Latenzzeit.
Stand: 08.12.2025
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Auswirkungen auf die Internetsicherheit
Einer der Hauptvorteile der SD-WAN-Umstellung ist, dass jeder Standort nun mit einer Internetverbindung ausgestattet ist. Diese Konnektivität kann auf zwei Arten genutzt werden:
Als Übertragungsweg: In diesem Fall nutzt das Unternehmen die Internetverbindungen, um das Overlay-Netz aufzubauen, das das alte MPLS ersetzt.
Als Zielort: Da es eine lokale Route ins Internet gibt, ist es nicht mehr nötig, den gesamten Internet-Verkehr zu einem zentralen Knotenpunkt zu leiten, er kann direkt an den Zielort gesendet werden.
Dieser zweite Anwendungsfall birgt eine wichtige Sicherheitsherausforderung: Da nun alle Standorte einen Internetzugang haben, müssen sie über eine stringente Sicherheitsstruktur verfügen. Für ein Unternehmen mit Hunderten oder Tausenden von Standorten ist es finanziell nicht vertretbar, an jedem Standort ein Sicherheitssystem zu installieren. Aus diesem Grund wurden Security-Service-Edge-Anbieter in den letzten Jahren immer populärer.
Anstatt Sicherheitsregeln lokal anzuwenden, wird der gesamte Internet-as-a-Destination-Datenverkehr an die SSE-Cloud (Security Service Edge) gesendet. Dort werden Sicherheitsregeln wie Webfilter, Bedrohungsmanagement, Firewall und mehr in der Cloud implementiert. Dieser Ansatz hat viele Vorteile, insbesondere, dass alle Seiten durch eine einheitliche Sicherheitsrichtlinie geschützt sind, die sogar von Roaming-Benutzern genutzt werden kann, die von überall aus arbeiten.
Diese Kombination aus SD-WAN und SSE, die auch als die Zusammenführung von Netzwerk-Konvergenz- und Security-as-a-Service-Diensten definiert werden kann, wird als Secure Access Service Edge (SASE) bezeichnet.
Die Wahl des richtigen Anbieters
Wenn Unternehmen die Umstellung auf eine Internetverbindung erwägen, ist es wichtig, dass sie sich nicht nur auf die Kosten konzentrieren. Es gibt zahlreiche Anbieter von Internetdiensten, die alle ihre Stärken und Schwächen haben.
Wenn es um SASE geht, gibt es zwei Hauptansätze:
1. Einzelanbieter: Nutzung eines Technologieanbieters für sowohl SD-WAN als auch SSE
2. „Best of Breed“: Nutzung eines Technologieanbieters für SD-WAN und eines anderen für SSE
Der zweite Ansatz hat den Vorteil, dass Unternehmen die jeweils passende Technologie für einen bestimmten Zweck auswählen können, ohne dass es zu der „Starrheit“ kommt, die die Nutzung einer einzigen Technologie mit sich bringt. Von da an ist der Anbieter dafür verantwortlich, dem Kunden ein einheitliches SASE-Portal zu präsentieren.
Die Wahl des richtigen Anbieters ist eine strategisch wichtige Entscheidung. Unternehmen benötigen einen ganzheitlichen Ansatz und einen Anbieter, der eine Lösung „aus einem Guss“ anbietet. Das bedeutet, dass sie nicht etwa den günstigsten Anbieter für jede einzelne Funktion auswählen, sondern sich für einen Anbieter entscheiden, der eine komplette digitale Struktur mit einer umfassenden Reihe von Diensten und Funktionen bereitstellt. Das vereinfacht die Netzwerk- und Sicherheitsverwaltung und verringert die betriebliche Komplexität, sodass Unternehmen Zeit und Ressourcen sparen.
Außerdem müssen Unternehmen sicherstellen, dass ihr Anbieter in den geografischen Gebieten, in denen sie tätig sind, eine umfassende Abdeckung bietet. Ein globaler oder nationaler Anbieter mit einer robusten Netzinfrastruktur kann hier eine konsistente und zuverlässige Konnektivität über verschiedene Regionen hinweg bieten.
Flexibilität ist der Schlüssel für deutsche Unternehmen
Deutsche Unternehmen sind eher zurückhaltend bei der Einführung neuer Technologien. Sie beobachten den Markt lieber erst genau, um sicherzustellen, dass eine Technologie auch wirklich Mehrwert und Effizienzgewinne bringt, bevor sie sie übernehmen. Diese vorsichtige Herangehensweise kann ihnen bei der Bewertung der Vorteile einer Umstellung von MPLS auf Internet-Konnektivität durchaus hilfreich sein.
Zudem legen deutsche Unternehmen oft großen Wert auf Flexibilität und wünschen sich die Möglichkeit, sowohl MPLS- als auch Internet-Konnektivität nutzen zu können, um ihre spezifischen Anforderungen zu erfüllen. Wenn sie sowohl MPLS- als auch Internet-Konnektivitätslösungen bereitstellen, können Unternehmen das Beste aus beiden Welten kombinieren und ihre Netzwerkinfrastruktur jederzeit an veränderte Anforderungen anpassen, wenn sich die Technologie weiterentwickelt.
Unternehmen bevorzugen in der Regel einen vorsichtigen und dennoch flexiblen Ansatz und Anbieter von Kommunikationstechnologie können dazu beitragen, diese besonderen Anforderungen zu erfüllen, indem sie sowohl SD-WAN- als auch SSE-Dienste anbieten. Für große Unternehmen bietet ein verwalteter oder gemeinsam verwalteter Ansatz sogar noch einen noch größeren Nutzen, da er die Verwaltung der täglichen Aktivitäten erleichtert und gleichzeitig die Kontrolle über Regeln und Richtlinien sicherstellt.
Über den Autor
Kim Bybjerg ist Vice President & Head of Continental Europe bei Tata Communications.