So wechseln Sie zwischen den verschiedenen Hypervisor-Formaten

VM Offline-Konvertierung von VMware zu Hyper-V

| Autor / Redakteur: Frank-Michael Schlede, Thomas Bär / Andreas Donner

Wir zeigen, wie sich Festplattencontainerdateien in das vhdx-Format umwandeln lassen, um diese Platten direkt in einer neuen virtuellen Maschine zu verwenden.
Wir zeigen, wie sich Festplattencontainerdateien in das vhdx-Format umwandeln lassen, um diese Platten direkt in einer neuen virtuellen Maschine zu verwenden. (Bild: © Сake78 (3D & photo) - stock.adobe.com)

Eine Übertragung von virtuellen Maschine aus der VMware-Welt auf einen Hyper-V-Hypervisor oder andersherum ist gar nicht so schwer. Im Idealfall ist selbst das Virtualisieren eines Servers im laufenden Betrieb ganz einfach möglich. Wir zeigen, auf was es – auch im Offline-Modus – dabei ankommt.

In der Frühphase von Hyper-V mussten sich Administratoren mit dem Xen-Converter (XENCONVERT) behelfen und darüber ihre P2V- beziehungsweise V2V-Vorhaben abwickeln. Nunmehr ist das Tool so veraltet, dass es sich nicht mehr für die Virtualisierung von aktuellen Systemen für Hyper-V nutzen lässt. Microsoft selbst bietet mit dem „Microsoft Virtual Machine Converter 3.0“ ebenfalls ein kostenfreies Programm an, welches jedoch eine bestehende Verbindung zu einer Hyper-V- oder Azure-Struktur benötigt, um eine Übertragung durchzuführen.

Für eine Offline-Konvertierung soll jedoch lediglich eine bereits bestehende virtuelle Festplatte als Grundlage für den Neuaufbau einer Maschine dienen. Die größte Abhängigkeit einer virtuellen Maschine besteht zu ihren Festplatten, auf denen ja alle grundlegenden Informationen gespeichert sind. In unseren Testbetrachtungen konnten wir sogar drei virtualisierte Domänencontroller neu aufbauen, ohne dass es zu feststellbaren Problemen kam. Hierzu muss der Administrator die im typischen vmdk-Format vorliegende Containerdatei für VMware in das von Microsoft gebräuchliche vhd/vhdx wandeln. Dabei kann der IT-Profi einige Funktionen des Microsoft Virtual Machine Converter 3.0 nutzen.

Als Ausgabeformat empfiehlt sich das modernere vhdx-Format. Seit 2012 kommt vhd nur noch aus Kompatibilitätsgründen zu Windows 7/2008 zum Einsatz. Praktischerweise existiert neben dem Microsoft-Tool noch ein weiteres, ebenfalls kostenfreies Programm, um zwischen den verschiedenen Hypervisor-Formaten zu wechseln – dies geht bei Bedarf auch offline.

Direkt aus dem Datastore

Für unsere Testkonstellation luden wir die vmdk-Dateien direkt aus einer älteren VMware ESXi 5.5-Installation herunter. Hierfür empfiehlt sich der Einsatz des vSphere Client für Windows-Computer. Durch einen Klick auf den Hostnamen oberhalb der Baumstruktur der virtuellen Maschinen wählt der Administrator den Host selbst aus. Im nächsten Schritt ist auf das Register „Konfiguration“ zu klicken, anschließend im Abschnitt „Hardware“ auf „Speicher“. Im Datenbereich erscheint daraufhin die Auflistung aller Datenspeicher, typischerweise als „datastore“ bezeichnet. Durch einen Rechtsklick auf den gewünschten Speicherbereich kann der IT-Profi den „Datenspeicher“ durchsuchen und sich die gewünschte virtuelle Maschine auswählen.

In Bezug auf die Speicherplatzgestaltung sollte der Administrator achtsam sein, denn auch wenn die Maschine unter ESXi/vSphere im „Thin Provisioning“-Modus angelegt wurde, so wandelt sie der vSphere-Client beim Download in eine so genannte Flat-Datei um. Hierbei wird exakt der Speicherplatz auf dem Ziellaufwerk benötigt, den der IT-Profi bei der Konfiguration der VM als Plattengröße angab. In unserer Testkonfiguration erhielten wir zwei vmdk-Flat-Dateien, eine mit 60 GByte Größe als Systemplatte, die zweite Platte mit lediglich 20 GByte Kapazität war als „DATEN“-Laufwerk auf dem „TESTDC1“-Domänencontroller eingebunden.

Export in eine OVF-Vorlage

Eine ganz klassische Methode der Übertragung von VMware-Maschinen in eine andere Umgebung ist die Verwendung des Export-Kommandos. Wird der Export in das OVF (Open Virtualization Format) durchgeführt, sind die Festplattencontainerdateien im vmdk-Format einzeln sichtbar. Die ovf-Datei selbst beschreibt die virtuelle Maschine und verweist auf die Festplatten-Images. Exportiert der Administrator in das ova-Format, sammelt der Export-Vorgang alle Daten in einer einzelnen Datei für die virtuelle Appliance, was für eine Entnahme der Festplattencontainerdatei ungeeignet ist. Im Zuge unseres Tests exportierten wir einen weiteren Domänencontroller aus einem ESXi 6.5 daher in das ovf-Format.

Zuhilfenahme des Microsoft Converters

Auf einer Windows 10-Arbeitsstation installierten wir im ersten Schritt den bereits genannten „Microsoft Virtual Machine Converter 3.0“. Auch ohne, dass wir die direkten Konvertierungsfunktionen nutzen wollten, ist die Installation erforderlich, da dem PC durch die Einrichtung das nötige PowerShell-Modul hinzugefügt wird. Die Installation ist mit einigen Mausklicks erledigt und erklärt sich von selbst.

Im zweiten Schritt gilt es, das entsprechende Cmdlet zu importieren. Hierzu wird eine administrative PowerShell-Sitzung gestartet und der Befehl Import-Module "C:\Program Files\Microsoft Virtual Machine Converter\MvmcCmdlet.psd1" gestartet. Der Import wird ohne Bestätigungsausgabe durchgeführt – erscheint keine Fehlermeldung, hat es funktioniert.

Im dritten Schritt folgt die Konvertierung mithilfe des Cmdlets durch die Eingabe des Befehls:

ConvertTo-MvmcVirtualHardDisk -SourceLiteralPath {Quellpfad mit .vmdk} -VhdType DynamicHardDisk -VhdFormat vhdx -destination {Zielpfad mit \}

Je nach Größe der virtuellen Festplatte dauert der Konvertierungsvorgang mit dem Microsoft-Tool ein paar Minuten. Als Ergebnis findet der Administrator die gewandelten vhdx-Festplattencontainerdateien am Zielort vor. Diese Festplatten gilt es in einem späteren Schritt, als vorhandene Festplatten in eine neue virtuelle Datei in Hyper-V einzugliedern.

Wandlung des OVF-Exports scheitert zunächst

Interessanterweise funktioniert der hier beschriebene Vorgang nur mit den direkt aus dem Datastore geladenen vmdk-Dateien. Das Einlesen der Festplattendateien aus dem ovf-Export endet mit einer Fehlermeldung: „The entry 1 is not a support disk database entry fort he descriptor“. Zur Erinnerung: Uns geht es hier nicht darum, die Maschine im OVF-Format direkt in Hyper-V zu importieren. Das gelingt über die Standardbefehle ohne Probleme. Wir möchten die Festplattencontainerdateien in das vhdx-Format umwandeln, um die Platten direkt in einer neu aufgebauten virtuellen Maschine zu verwenden.

Es gibt im Internet eine wirklich große Anzahl von Anleitungen, bei denen der Beschreibungsblock aus den vmdk-Dateien eines OVF-Exports ausgelesen und mithilfe eines Texteditors anzupassen ist. Faktisch enden diese Vorhaben allesamt darin, dass der Bootblock mit einem Startmedium zu „fixen“ ist.

Viel einfacher ist es jedoch, gleich auf ein anderes, ebenfalls kostenfreies, Konvertierungstool zu setzen: auf den StarWind V2V Converter. Das Programm bietet sich für den CLI-Einsatz an, verfügt aber für etwas mehr Komfort auch über eine grafische Oberfläche. Das Programm konvergiert die vmdk/vhd/vhdx-Dateien von VMware Workstation, VMware ESX/ESXi, Microsoft Hyper-V und Hyper-V 3.0. Lediglich zum Abschluss eines Konvertierungsvorgangs startet der Browser und führt auf die Webseite des Herstellers StarWind. Zusätzlich gibt es eine Unterstützung für das Raw Image-Format für StarWind Virtual SAN. Bei der Nutzung muss der Administrator lediglich im ersten Dialog „Local File“ und anschließend die Ausgangsdateien wählen und unter „Destination“ das gewünschte Zielformat – hier „VHX/VHDX“ festlegen.

Als bestehende Festplatte einbinden

Nachdem nun alle Vorarbeiten erledigt sind, ist es ein Leichtes, die Festplatten als Basis für eine neu zu definierende virtuelle Maschine unter Microsoft Hyper-V einzusetzen. Wer über die „Virtual Machine Manager-Konsole“ des System Center 2019 VMM verfügt, sollte hier bewusst auf die Nutzung dieser ansonsten enorm leistungsfähigen Oberfläche verzichten. Das Einbinden der Festplattencontainerdateien gelingt deutlich einfacher über den ganz normalen Hyper-V-Manager von Windows.

Um im Hyper-V-Manager einen neuen virtuellen Computer zu erzeugen, klickt der Administrator auf den gewünschten Host und wählt im Kontextmenü „Neu“ und „Virtueller Computer“ aus. Die Leistungsdaten kann der Administrator nach eigenen Vorstellungen setzen. Bei der Auswahl der Festplatte muss der IT-Profi die Vorauswahl aufheben, auf „Virtuelle Festplatte verbinden“ klicken und die zuvor gewandelte vhdx-Datei auswählen. Nach Abschluss des Assistenten kann der Administrator die Maschine sofort starten – die veränderte virtuelle Plattform erkennen aktuelle Windows-Betriebssysteme automatisch und erlauben einen Start ohne Probleme.

Weitere Festplatten, in unserem Beispiel die „Daten“-Platte, kann der IT-Profi nachträglich einbinden. Spannenderweise mussten wir feststellen, dass die mit Starwind konvertierte Platte im laufenden Betrieb als SCSI-Device einzubinden war. Die mit dem Microsoft-Tool generierte Festplatte ließ sich nur im ausgeschalteten Betrieb der VM als IDE-Device einbinden.

Sofern die so überführten Maschinen auf Hyper-V verbleiben sollen, sollte der Administrator im Geräte-Manager die von VMware eingebundenen NICs entfernen. Da Windows nicht verbundene Geräte ausblendet, muss der Anwender im Dialogfenster im Menü „Ansicht“ die Option „Ausgeblendete Objekte anzeigen“ aktivieren. Ist der ungebundene Netzwerkadapter deinstalliert, erscheint auch bei der Zuweisung einer zuvor schon genutzten statischen IP-Adresse nicht mehr der Hinweis, dass diese an einen anderen Adapter gebunden sei.

Wer komplett aufräumen mag: Die virtuellen CPUs der vorherigen Virtualisierung und möglicherweise ein LSI-Adapter der SAS 3000-Serie, ein NEC SATA CDROM, eine SVGA 3D Karte von VMware und die „VMware Tools“ gilt es, ebenfalls noch zu entfernen.

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