Standard-Dschungel im Smart-Home

Verwirrung um Z-Wave, Zigbee & Homekit

| Autor / Redakteur: Robert di Marcoberardino / Andreas Donner

An Smart-Home-Lösungen mangelt es nicht, an einem universell einsetzbaren Standard aber schon.
An Smart-Home-Lösungen mangelt es nicht, an einem universell einsetzbaren Standard aber schon. (Bild: georgejmclittle - Fotolia.com)

Dass das Internet der Dinge an einem Mangel an Standards leiden würde, lässt sich nicht gerade sagen. Und in keinem anderen Bereich ist das Dickicht aus Systemen und Funktechniken so groß wie bei der Heimautomation.

Schon bei den drahtgebundenen Lösungen, gibt es an Anbietern keinen Mangel. Mit dem System von KNX lassen sich in Neubauten etwa dedizierte Leitungen für die Smart-Home-Steuerung legen. Der Vorteil: Die Technik ist unsichtbar untergebracht und kommt überall hin.

Beim Anbieter Digitalstrom wird dagegen das Stromnetz zur Datenleitung (Powerline). Dazu wird am Sicherungskasten der Digitalstrom-Meter nachgerüstet. Powerline-Adapter stellen bei Funklöchern im Haus eine beliebte Überbrückungsmöglichkeit für die Datenübertragung dar, funktionieren bei alten Leitungen oder getrennten Schaltkreisen allerdings nicht immer problemlos.

Loxone arbeitet dagegen mit einer – idealerweise – Sternverkabelung per Netzwerkkabel. Das lässt sich in der Regel nur beim Neubau oder beim Sanieren realisieren. Daneben lässt sich das System aber auch per Funk erweitern (Loxone Air, Enocean), was es recht flexibel macht.

Verwirrung bei den Funkstandards

Das Angebot an Funkstandards ist ungleich verwirrender, obwohl fast alle Systeme auf den selben Frequenzen arbeiten, die kostenfrei nutzbar sind (434 MHz oder 868 MHz) – die Bundesnetzagentur reserviert diese ISM-Bänder für Applikationen aus Medizin, Industrie und Wissenschaft.

Z-Wave zählt zu den Marktführern bei den Smart-Home-Systemen, auch wenn der Standard in den USA deutlich verbreiteter ist als bei uns. Die Übertragung erfolgt auf dem 868 MHz-Frequenzband und ist verschlüsselt. Jedes Gerät kann eine Meldung für andere Geräte zum Ziel weiterleiten (Mesh-Netzwerk), was die Reichweite deutlich erhöht.

Weltweit nutzen etwa 200 Anbieter den Standard. Das Besondere: Z-Wave verspricht, dass alle Anwendungen zueinander kompatibel sind. Das System wird für Beleuchtung, Heizung/Klima, Sicherheit, Energieeinsparung und Altersgerechtes Wohnen eingesetzt. In Deutschland setzen etwa Devolo, Hauppauge oder Fibaro auf Z-Wave.

Auch ZigBee zählt zu den großen internationalen Anbietern. Die Technik arbeitet per WPAN (IEEE 802.15.4) und verschlüsselt die Übertragung mit 128 Bit AES. Philips nutzt für seine Hue-Lampen etwa ZigBee, aber auch Bosch, Samsung, Osram und LG setzen den Standard ein. Das Problem: Smart-Home-Systeme, die ZigBee nutzen, sind dadurch noch nicht zueinander kompatibel. Die Technik ermöglicht die Verwendung proprietärer Protokolle, die eine universelle Nutzung oft verhindern.

Enocean ist ein Zusammenschluss verschiedener Unternehmen, die eine vollständige Kompatibilität bei der Heimautomation anstreben. Ursprünglich startete Enocean als Spin-off von Siemens.

Die Technik funkt auf 868 MHz und zeichnet sich durch einen sehr geringen Energiebedarf aus. Der Strombedarf von Sensoren kann etwa aus Solarzellen, Bewegungsenergie oder Piezoelektrik gewonnen werden. Erreicht wird das durch die Übertragung von sehr kleinen Datenpaketen – auf eine Kollisionsprüfung wird völlig verzichtet.

In Deutschland wird Enocean etwa von Siemens und Somfy eingesetzt.

Bluetooth wäre eigentlich ein idealer Vertreter für die Heimautomation, allerdings konnte erst ab Version 4.0 mit Bluetooth Smart LE (Low Energy) ein ausreichend energiesparender Standard vorgestellt werden. Bluetooth-Transmitter erreichen in der Regel eine Reichweite von 10 Metern und sind mit 128-Bit-AES verschlüsselt.

Anders als die meisten Smart-Home-Systeme, arbeitet Bluetooth auf 2,4 GHz und kann mit maximal 1 Mbit/s auch deutlich mehr Daten übertragen.

Durch den relativ späten Start wird Bluetooth bislang eher bei Insellösungen wie Archos System eingesetzt. Dank der weiten Verbreitung von Bluetooth in Smartphones, Tablets und Laptops hat der Standard aber gute Chancen.

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