Mehrheit kennt nicht alle genutzten Anwendungen

Studie: Wissenslücken in deutschen Unternehmen

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

Unternehmen weltweit kämpfen mit der rapide steigenden Anzahl ihrer Applikationen.
Unternehmen weltweit kämpfen mit der rapide steigenden Anzahl ihrer Applikationen. (Bild: © – iQoncept – stock.adobe.com)

38 Prozent der Unternehmen sind sich nicht sicher, dass sie alle genutzten Anwendungen kennen. Die Deutschen besitzen mit 45 Prozent noch am ehesten den vollständigen Überblick. Schlusslicht sind die Briten mit 32 Prozent. Dies zeige eine von F5 Networks gesponserte Studie.

Laut „2018 Application Protect Report“ kämpfen Unternehmen weltweit damit, die rapide steigende Anzahl ihrer Applikationen zu verstehen, zu optimieren und zu schützen. Die Studie decke auch zum Teil völlig unzureichende Sicherheitsmaßnahmen für Webanwendungen auf. 60 Prozent der Teilnehmer würden Webanwendungen nicht auf Schwachstellen testen, hätten keinen Zeitplan für Tests oder seien sich nicht sicher, ob welche stattfinden. Fast die Hälfte der Befragten gab zu, dass ihr Unternehmen über keine ausreichenden Ressourcen verfüge, um Schwachstellen in Anwendungen zu erkennen (46 %) oder zu beheben (49 %).

„Viele Unternehmen können nicht mit den technologischen Entwicklungen mithalten und gehen gefährliche Kompromisse bei der Sicherheit ein, da sie nur geringen Einblick in ihre Anwendungsumgebung haben“, sagt Ralf Sydekum, Technical Manager DACH, F5 Networks. „Das ist ein großes Problem. Der Druck wird immer größer, Anwendungen schnell, flexibel und sicher bereitzustellen – insbesondere vor dem Hintergrund der strengen europäischen Datenschutzgesetze.“

Viele Anwendungen – große Gefahr

Gemäß der Studie setzt weltweit jedes Unternehmen 9,77 verschiedene Web-App-Frameworks und -Umgebungen ein. Die USA (12,09) lägen dabei vor Deutschland (10,37) und Großbritannien (9,72). Weltweit hielten Unternehmen im Durchschnitt 33,85 Prozent aller Apps für geschäftskritisch. In Deutschland seien es 33 Prozent. Als die drei wichtigsten Anwendungen gelten in allen Regionen: Dokumentenmanagement und Zusammenarbeit, Kommunikation (wie E-Mail und Text) sowie Microsoft Office.

Weltweit seien sich die Befragten auch bei den drei größten Gefahren für Unternehmen – Identitätsdiebstahl, DDoS-Angriffe und Webbetrug – einig gewesen. Innerhalb Europas sorgten sich die Deutschen mit 76 Prozent am meisten über Identitätsdiebstahl – Platz zwei hinter Kanada (81 %). In Deutschland, so die Studie, folgen dann DDoS-Angriffe (64 %) und Webbetrug (49 %) als größte Sorgen. Auch Angriffe auf Web-Apps seien eine erhebliche Belastung. So wäre es für 90 Prozent der Befragten in Deutschland und den USA „sehr schmerzhaft“, wenn eine Attacke den Zugang zu Daten oder Apps verhindern würde.

Hohe Kosten möglich

Ein solcher „App Denial of Service“ koste Unternehmen weltweit durchschnittlich 6,86 Mio. US-Dollar. Am teuersten sei ein solcher Vorfall in den USA (10,64 Mio.), dicht gefolgt von Deutschland (9,17 Mio.). Bei einem Diebstahl sensibler Daten, etwa von Geschäftsgeheimnissen oder geistigem Eigentum, lägen weltweit die durchschnittlichen Kosten bei 8,63 Mio. US-Dollar. Auch hier befänden sich die USA (16,91 Mio.) vor Deutschland (11,30 Mio.).

Im Durchschnitt würde die illegale Weitergabe personenbezogener Daten – z.B. von Kunden, Verbrauchern oder Mitarbeitern – 6,29 Mio. US-Dollar kosten. Die USA seien mit 9,37 Mio. US-Dollar vor Deutschland (8,48 Mio.), Indien (6,63 Mio.) und Großbritannien (5,63 Mio.) erneut am stärksten betroffen.

Genutzte Sicherheitsmaßnahmen

Die drei wichtigsten Werkzeuge für die Sicherheit von Apps sind laut den Teilnehmern: Web Application Firewall (WAF), Application Scanning und Penetrationstests. Den ersten Platz belege die WAF in Deutschland (29 %), den USA (30 %), Brasilien (30 %), Großbritannien (29 %), Kanada (26 %) und Indien (26 %). Für 20 Prozent der deutschen Unternehmen seien Penetrationstests am wichtigsten, für 16 Prozent App-Scanning.

Eine steigende Nutzung von WAFs würde auch der „State of Application Delivery 2018 Report“ von F5 bestätigen. Demnach nutzten 61 Prozent der Unternehmen weltweit bereits WAFs zum Schutz von Anwendungen. Dieser Trend werde vor allem durch den stark steigenden Einsatz der Multi-Cloud vorangetrieben.

Um eine hohe Verfügbarkeit von Webanwendungen zu erreichen, setzten Unternehmen am häufigsten Technologien für DDoS-Abwehr und Backup ein. Backups seien in Kanada (76 %), Großbritannien (74 %) und Deutschland (73 %) am beliebtesten. Die meisten Befürworter für die DDoS-Abwehr befänden sich in Deutschland und Brasilien (je 64 %). Ebenfalls Platz eins nehme Deutschland im Bereich Speicherverschlüsselung ein (50 %), vor Kanada (44 %) und den USA (40 %).

„Der Ruf eines Unternehmens hängt von einer umfassenden Sicherheitsarchitektur ab“, resümiert Sydekum. „Unternehmen auf der ganzen Welt können sich nicht mehr auf herkömmliche IT-Infrastrukturen verlassen. Technologien wie Bot-Schutz, Verschlüsselung auf Anwendungsebene, API-Sicherheit und Verhaltensanalyse – die sich in fortgeschrittenen WAFs befinden – sind heute zur Abwehr von Angriffen unerlässlich. Dank automatisierter Tools mit verbessertem maschinellem Lernen können Unternehmen Cyberkriminalität mit der bisher höchsten Genauigkeit erkennen und bekämpfen.“

Über die Studie

Der 2018 Application Protection Report basiere auf Forschungsarbeiten, die von F5 Labs koordiniert, zusammengestellt und analysiert wurden. Dazu zählten eine Umfrage unter Tausenden Sicherheitsexperten in 14 Ländern des Ponemon Institute, weltweite Webangriffsdaten von Zehntausenden Loryka-Sensoren, Daten zu Schwachstellen von WhiteHat Security sowie die Überprüfung Tausender Exploits und Hunderter dokumentierter Vorfälle in Partnerschaft mit dem Cybersecurity Center des WhatCom Community College. Die externe Forschung sei mit F5-internen Daten über DDoS-Angriffe und große Vorfälle kombiniert sowie von F5-Sicherheitsexperten analysiert worden.

Die Umfrage und Analyse sei von F5 gesponsert und vom Ponemon Institute unabhängig durchgeführt worden. Man habe hierfür 3.135 IT- und IT-Sicherheitsexperten in Deutschland, Großbritannien, den USA, Brasilien, China und Indien befragt.

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