Deutsche Social Collaboration Studie

Studie: Vernetzte Zu­sam­men­ar­beit mit Luft nach oben

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

Fortschrittliche Technologien führen im Unternehmen zu einem Effizienzsprung.
Fortschrittliche Technologien führen im Unternehmen zu einem Effizienzsprung. (Bild: Campana & Schott)

Deutsche Firmen sind bei der Einführung moderner Technologien oft zurückhaltend. Dabei kann die Nutzung von Social Intranet oder File-Sharing-Plattformen die Arbeitseffizienz deutlich steigern. Dies belegt eine von Campana & Schott und der TU Darmstadt durchgeführte Studie.

Wenn es um die digitale Transformation geht, betonen Vorstände, Geschäftsführer und CIOs der Deutsche Social Collaboration Studie 2016 zufolge den hohen Stellenwert von „Social Collaboration“ in ihrem Unternehmen. Gemeint sei hier der Einsatz unterschiedlicher Tools und Technologien, um vernetzte Formen der Zusammenarbeit zu etablieren – mit dem Ziel, den Wissenstransfer innerhalb der Belegschaft zu fördern und Businessentscheidungen zu beschleunigen. So würden fast drei Viertel der Teilnehmer durch die vernetzte Zusammenarbeit eine Verbesserung der eigenen Unternehmenskultur anstreben. Jeweils knapp die Hälfte ziele zudem auf die Förderung von Prozess- bzw. Produktinnovationen.

Die Umfrage unter 519 Mitarbeitern von Unternehmen unterschiedlichster Größe und Branche offenbare jedoch eine große Lücke zwischen den hohen Erwartungen und dem Unternehmensalltag. Der „Social Collaboration Reifegrad“ beschreibt, welche Technologien zur Bearbeitung einer Aufgabe genutzt werden. Auf einer Skala von „0“ (vollständig analog) bis „3“ (vollständig digital) hätten die befragten Unternehmen einen durchschnittlichen Reifegrad von 1,24 erzielt. Demzufolge stünden persönliche Kontakte, Telefonate und E-Mails nach wie vor hoch im Kurs.

Vernetztes Arbeiten steigert Arbeitseffizienz

Gleichzeitig habe die Studie einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Nutzung von fortschrittlichen Technologien und der eigenen Arbeitseffizienz nachweisen können. Folglich könnten Unternehmen ihre Produktivität verbessern, würden sie geeignete Lösungen bereitstellen und dafür sorgen, dass sie genutzt werden. Dieses Potenzial sei längst noch nicht ausgeschöpft.

Mittelstand zeigt Nachholbedarf

Unternehmen des gehobenen Mittelstands mit 1.000 bis 20.000 Mitarbeitern hätten im Durchschnitt einen niedrigeren Reifegrad als größere Unternehmen. Dadurch würden sie auch bei der Effizienz schlechter abschneiden. Dies sei erstaunlich, da der deutsche Mittelstand eigentlich für seine Innovationskraft bekannt sei. „Aus der Praxis wissen wir, dass mittelständische Unternehmen statt auf schnelle Einzellösungen, eher auf eine übergreifende Social-Collaboration-Strategie setzen, die von der obersten Führungsebene getragen wird. Dies ist die richtige Herangehensweise, auch wenn die Umsetzung mehr Zeit in Anspruch nimmt“, so Boris Ovcak, Director Social Collaboration bei Campana & Schott.

Start-ups fordern traditionelle Firmen zunehmend heraus

Der Grad der vernetzten Zusammenarbeit und die jeweilige Unternehmenskultur stünden in engem Zusammenhang: So würden markt- und kundenorientierte Firmen deutlich häufiger fortschrittliche Technologien nutzen als auf interne Prozesse und Hierarchen ausgerichtete Firmen. Vor allem in stark regulierten Branchen spielten Stabilität und Regelkonformität eine wichtige Rolle. Somit verwundere es nicht, dass die Mehrheit der Banken, Versicherungen aber auch Unternehmen aus der Konsumgüterindustrie einen unterdurchschnittlichen Reifegrad aufweisen. Das Gegenbeispiel dazu seien die FinTechs, die sich über Wachstum und Weiterentwicklung definieren: Nach dem Motto „Trial and Error“ sei partielles Scheitern hier kein Fehler, sondern trage zur schnelleren Marktreife von Innovationen bei. Auch in anderen Branchen würden disruptive Firmen traditionelle Unternehmen zunehmend unter Druck setzen. Mit vernetzter Zusammenarbeit könnten sie ihre Flexibilität und Effizienz erhöhen.

Über die Studie

Die Studie, die der Fachbereich Wirtschaftsinformatik der Technischen Universität Darmstadt und Campana & Schott durchgeführt haben, liefere erstmals einen aussagekräftigen, toolunabhängigen Gesamtüberblick, inwieweit vernetzte Zusammenarbeit in deutschen Unternehmen bereits etabliert ist. Hierfür sei untersucht worden, welche Methoden in unterschiedlichen Anwendungsszenarien zum Einsatz kommen. Die Studie gehe auf Trends ein und befasse sich neben der reinen unternehmensinternen Nutzung auch mit der Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen, Partnern, Dienstleistern und Kunden. Die vorliegenden Ergebnisse stellten eine erste Bestandsaufnahme dar. Die Deutsche Social Collaboration Studie sei als mehrjährige Untersuchung angelegt, wobei die nächste Datenerhebung für Ende 2016/Anfang 2017 geplant sei.

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