Die Crux mit der hybriden Infrastruktur

So monitoren Sie Hybrid-Cloud-Umgebungen

| Autor / Redakteur: Gabriel Fugli / Andreas Donner

Eine Hybrid Cloud ist die Verknüpfung von Private Cloud und Public Cloud und erfordert eine besondere Überwachung.
Eine Hybrid Cloud ist die Verknüpfung von Private Cloud und Public Cloud und erfordert eine besondere Überwachung. (Bild: © fotohansel - Fotolia.com)

Nach Virtualisierung und Cloud ist Hybrid Cloud aktuell eines der Top-Themen in der IT-Branche und -Medienwelt. Doch wie so häufig bei derartigen Trendthemen ist vielen IT-lern nicht vollständig klar, welcher Facettenreichtum dahintersteckt – und welche Fallen lauern. Für wen lohnt sich der Einsatz einer hybriden Infrastruktur, was muss man beachten und wie lässt sich deren Nutzung bzw. die Effizienz kontrollieren? Wir klären auf.

Unter Hybrid Cloud versteht man das parallele Nutzen einer Private Cloud und der Public Cloud bzw. deren Verbindung. Wie bei vielen IT-Themen existiert auch für den Begriff Hybrid Cloud kein einheitliches Konzept oder eine allgemein gültige Definition. Vielmehr handelt es sich hier um eine Idee, die in unterschiedlichen Auslegungen auftritt, wobei sich im Wesentlichen zwei grundlegende Motivationen für den Einsatz einer Hybrid Cloud identifizieren lassen: Skalierung und Sicherheit.

Nehmen wir ein Unternehmen, dass eine eigene, so genannte Private Cloud einsetzt. Sobald der Bedarf an Rechenleistung temporär ansteigt, skaliert das Unternehmen seine Ressourcen durch Auslagern von Prozessen in die Public Cloud. Dadurch entfallen teure und langfristige Investitionen in das eigene Rechenzentrum. Bei sinkendem Bedarf werden die Public Cloud-Ressourcen einfach wieder abgemeldet.

Um die Sicherheit beim Einsatz einer Cloud-Umgebung zu steigern, d.h. um zu verhindern, dass sensible Daten und Prozesse außer Haus gelangen, können geschäftskritische Anwendungen und Daten in einer Private Cloud betrieben und gelagert werden. Die unkritischen Prozesse und Services werden von Public Cloud-Anbietern betrieben. Hier gilt: Je professioneller die Private Cloud mit der Public Cloud kombiniert wird, desto effizienter gestaltet sich später der gesamte Workflow.

Hybrid ist gut, Kontrolle ist besser

Ob ein hybrider Betrieb der Unternehmens-IT sinnvoll ist, hängt von einer ganzen Reihe von Faktoren ab. Der Ansatz der Hybrid Cloud richtet sich an Systemadministratoren, die einerseits eine Vielzahl an virtuellen Maschinen in der Cloud betreiben und die andererseits auf eine fortlaufende SLA-konforme (Service Level Agreement) Leistungsfähigkeit angewiesen sind.

Wenn sich die Verantwortlichen dafür entscheiden, sollten sie ein umfassendes Monitoring betreiben. Denn nur ein entsprechendes Monitoring hilft, die grundlegende Übersicht über alle Ressourcen zu vereinfachen und deren Zustand zu analysieren. So können beispielsweise auch Leistungsabfälle registriert werden, die zwar aktuell keine offensichtlichen Auswirkungen haben, sich aber vielleicht später zu einem Problem auswachsen.

Allgemein sorgt ein Monitoring-Konzept dafür, Verfügbarkeit und Performance der hybriden IT-Strukturen sicherzustellen – ansonsten werden mangelnde Akzeptanz und Effizienz schnell das Aus für die hybride Umgebung bedeuten. Idealerweise nutzt man hierfür eine einzige Monitoring-Plattform, die es erlaubt, sowohl Private und Public Cloud als auch klassische IT-Infrastrukturen im Blick zu behalten. Die Möglichkeiten zum Monitoring der Public Cloud sind jedoch relativ beschränkt.

Im Wesentlichen können Nutzer hier nur Tools des jeweiligen Anbieters wie etwa Amazon CloudWatch nutzen, um die grundlegende Performance der Cloud-Services zu überwachen. Darüber hinaus können sie bei Bedarf aber die Performance der genutzten Applikationen überwachen. IT-Verantwortliche nutzen die hybriden Funktionen somit, um Ziel- und Schwellenwerte für Leistungsparameter vorzugeben. Werden diese Werte im Betrieb unterschritten, sendet die Lösung einen entsprechenden Alarm an den Verantwortlichen.

Auf die zugrundeliegende Hardware haben Nutzer keinen Zugriff. Allerdings steht als Ausgleich für die eingeschränkten Möglichkeiten der Anbieter mit seinen SLAs in der Verantwortung. In der Private Cloud und in Netzwerken ist dies anders geregelt. Wer diese selbst betreibt, ist auch verantwortlich für Verfügbarkeit und Performance, und derjenige sollte auch ein entsprechendes Monitoring einrichten.

Die Anforderungen an das Monitoring von Private Cloud und der konventionellen IT-Infrastruktur überschneiden sich zu großen Teilen. Daher ist es sinnvoll, wie bereits erwähnt, eine zentrale Lösung zum Monitoring von Public und Private Cloud und des Netzwerks einzusetzen. Was muss diese Lösung können, worauf müssen Anwender bei der Auswahl achten?

Sicherheit und Performance schließen sich nicht aus

Wie schon erwähnt, sind die Monitoring-Möglichkeiten in der Public Cloud eingeschränkt: Weder können bzw. müssen Nutzer sich um die zugrundeliegende Hardware kümmern noch um das direkte Monitoring der Cloud-Applikation. Allerdings sollte die Monitoring-Lösung des Unternehmens Anbieter-Tools, wie etwa Amazon CloudWatch, out of the box unterstützen.

Einen nicht zu verachtenden Mehrwert bietet die Lösung auch, wenn fertige Abfragen für die wichtigsten Cloud-Angebote bereits vorhanden sind, beispielsweise für Dropbox, GitLab oder Google Drive. Allerdings kann kaum eine Monitoring-Software alle benötigten Features fertig mitliefern. Daher ist es wichtig, dass eine dokumentierte API vorhanden ist, mit der sich auch Tools der nicht so verbreiteten Cloud-Anbieter ohne allzu großen Aufwand integrieren lassen.

Die Private Cloud läuft auf der Hardware des Anwenders, der sie über das Netzwerk erreicht. Sie ist Teil der IT-Infrastruktur und liegt somit komplett in der Verantwortung des Nutzers. Netzwerk bzw. Infrastruktur haben aber auch Bedeutung in Hinblick auf die Public Cloud. Schließlich müssen die Kollegen jederzeit über einen sicheren und performanten Zugang zur Cloud verfügen können. Das Monitoring der Netzwerk-Performance spielt also eine wesentliche Rolle.

Lokales Monitoring

Die hierzu eingesetzte Lösung muss die üblichen Protokolle wie SNMP, Flow und Packet Sniffing beherrschen, um Traffic monitoren und Engpässe identifizieren zu können. Sie muss Virtualisierungsplattformen überwachen können und das Monitoring von Standardapplikationen wie Datenbanken oder Webservern beherrschen. Natürlich ist auch hier eine API von großer Bedeutung, da in der Private Cloud und im Netzwerk immer wieder Geräte bzw. Applikationen eine Rolle spielen werden, die kein Standard sind und somit nicht out of the box unterstützt werden können.

Neben den speziellen Features zum Monitoring von Private Cloud, Public Cloud und IT-Infrastruktur gilt es, bei der Wahl der geeigneten Monitoring-Lösung natürlich die üblichen Anforderungen zu beachten, die bei jeder Software-Evaluierung eine Rolle spielen:

  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Zu beachten sind auch versteckte Kosten wie eventuell benötigte Add-Ons, Implementierungsaufwände oder Wartungskosten.
  • Benutzerfreundlichkeit: Der Anwender sollte die Software gründlich testen – dazu gehört auch eine Testinstallation, um ein Gefühl für Implementierung und Wartung zu bekommen. Im Idealfall kann man die Testumgebung beim Kauf der Software direkt weiternutzen.
  • Monitoring von verteilten Standorten: Wenn verschiedene Clouds und das eigene Netzwerk überwacht werden sollen, werden möglicherweise Installationen an verschiedenen Standorten benötigt. Hier gibt es unterschiedliche Modelle, die sich technisch und preislich stark unterscheiden. Die günstigste Lösung in Hinblick auf Aufwände und Kosten ist in der Regel das Monitoring mehrerer Standorte mithilfe von Polling Engines. Sie sammeln Daten und senden diese zur Auswertung an eine zentrale Instanz der Software.

Gabriel Fugli.
Gabriel Fugli. (Bild: Gletscherhorn / Paessler)

Fazit

Was auch der Grund für die Einführung einer Hybrid Cloud-Umgebung ist, entscheidend ist deren Umsetzung und die laufende Kontrolle. Der Nutzwert einer jeden Cloud steht und fällt mit einer verzögerungsfreien Verfügbarkeit der Cloud-Dienste. Um diese sicherzustellen, ist ein kontinuierliches und umfassendes Monitoring aller involvierter Komponenten von grundlegender Bedeutung: und zwar sowohl in der Public Cloud als auch in der Private Cloud; und natürlich auch in der Netzwerkinfrastruktur, die letztlich die Grundvoraussetzung für den Daten- und Prozesstransfer zwischen Private und Public Cloud bildet. Ein automatisches Reporting der Monitoring-Lösung kann zudem beim nachträglichen Verhandeln von Vertragsstrafen für SLA-Verstöße hilfreich sein.

Über den Autor

Gabriel Fugli ist Channel Sales Manager Schweiz bei der Paessler AG.

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