Umstellung der Weitverkehrsvernetzung

SD-WAN: So gelingt die Implementierung im Unternehmen

| Autor / Redakteur: Jacqueline Trouvain [Red.: Sarah Böttcher] / Andreas Donner

Mehr Flexibilität und Zuverlässigkeit sowie eine Reduktion von Kosten soll das SD-WAN mit sich bringen.
Mehr Flexibilität und Zuverlässigkeit sowie eine Reduktion von Kosten soll das SD-WAN mit sich bringen. (Bild: sdecoret - stock.adobe.com)

Software-Defined Wide Area Networks (SD-WAN) werden bei Unternehmen immer beliebter. Diese Netze sind durch die Virtualisierung von VPN-Verbindungen besonders schnell, leistungsstark und bieten ein stimmiges Kosten-Nutzen-Verhältnis. Ein kritischer Punkt ist jedoch die Umstellung.

Ob Internet of Things, Big Data, 3D-Druck oder bei Robotik-Lösungen in der modernen Produktion: Zentral ist ein reibungsloser Datenfluss, ob im unternehmenseigenen Netzwerk oder durch cloudbasierte Lösungen. Um die notwendige Schnelligkeit der Netzwerke zu gewährleisten, werden Funktionen zunehmend softwarebasiert bereitgestellt, beispielsweise durch SD-WAN. Dabei handelt es sich um softwarebasierte Netzwerke, die sich geografisch über große Bereiche erstrecken und verschiedene Zweigstellen eines Unternehmens unkompliziert miteinander verbinden. Die Einführung von SD-WAN ist allerdings mit einigen Herausforderungen verbunden.

1. Schritt: Analyse

Erfolgsfaktoren für die Umstellung sind: Gute Planung, fachliches Knowhow und effektives Projektmanagement. Am Anfang steht eine Analyse: Warum möchte das Unternehmen SD-WAN nutzen? Welche Ziele verfolgt das Unternehmen mit der Einführung? Nutzt das Unternehmen bereits cloudbasierte Lösungen und plant, weitere Teile der IT-Infrastruktur in die Cloud auszulagern – und braucht dementsprechend eine schnelle Internetverbindung? Stehen Software-Anwendungen und deren Nutzen für die Mitarbeiter im Vordergrund – statt des Netzwerks? Durch die Beantwortung dieser Fragen zeigt sich, ob die Einführung von SD-WAN in Erwägung gezogen werden sollte.

2. Schritt: Beratung

Ist die Entscheidung, SD-WAN einzusetzen, gefallen, sollte ein Unternehmen auf erfahrene Beratung zurückgreifen. Gemeinsam werden die notwendigen Schritte durchgesprochen und in einem Projektplan festgehalten, beispielsweise das Design und die künftige Software-Architektur des Netzwerks. Die Basis dafür ist eine in der sogenannten „Discovery-Phase“ durchgeführte, mehrstufige Anforderungsanalyse über die Bedürfnisse und Wünsche des Unternehmens. Ergänzend können Interviews mit Fokusgruppen im Unternehmen, wie dem Netzwerkteam, Mitarbeitern für Datensicherheit, aber auch mit Verantwortlichen aus der Geschäftsführung helfen, ein gemeinsames Verständnis für die Leistungen des SD-WAN zu bekommen – und somit eine realistische Erwartungshaltung zu entwickeln.

Bei der Definition der benötigten Infrastruktur müssen unter anderem folgende Punkte geklärt werden:

  • Definition eines Zielszenarios: Wie soll das SD-WAN final aussehen?
  • Anforderungs-Analyse: Wie werden die verschiedenen Anforderungen erfüllt, beispielsweise hinsichtlich Sicherheitsaspekten und Schnittstellen zu Cloud-Anbietern?
  • High-Level-Lösungs-Design: Architektur des WAN mit Herstellerauswahl
  • Projektierung: Erstellung eines Proof of Concept (PoC), also eines Machbarkeitsnachweises, der die Durchführbarkeit des Projektes belegt, die Auswahl der Pilotstandorte, eine Prüfung der Anbindungen der einzelnen Standorte, ein schrittweises Rollout und die geplante Messung der Performance
  • Betrieb beziehungsweise operative Tätigkeiten, die dafür sorgen, dass das SD WAN einwandfrei läuft, wie Pflege, das Einspielen von Upgrades und Sicherheitspatches.

3. Schritt: Erstellung eines Prototyps

In der ersten Projektphase werden Informationen aus den Unternehmen erhoben, die anschließend ausgewertet und als Grundlage für die Entwicklung einer Infrastruktur-Architektur in Form eines Prototyps genutzt werden. Nach der Vorstellung des Prototyps und dessen Bewertung wird eine Roadmap mit Teilprojekten erarbeitet. Diese enthält Informationen zu Schnittstellen und weitere Anforderungen, wie länderspezifische Anforderungen an Compliance.

4. Schritt: Security-Konzept

Eine große Rolle spielt zudem das Security-Konzept, das speziell an eine SD-WAN-Umgebung angepasst sein muss. Dabei sollten hohe Anforderungen an die Sicherheit an den lokalen Zugangspunkten zum Internet, den Internet-Breakouts, erfüllt werden. Ein umfassendes Sicherheitskonzept für den Einsatz von cloudbasierten Lösungen sollte deshalb im Proof of Concept berücksichtigt werden.

5. Schritt: Zwischenprüfungen

Aufgrund der Komplexität der SD-WAN-Technologie sollten die zur Einführung erstellten Konzepte und die Roadmap iterativ sein, das heißt, Zwischenprüfungen vorsehen, um im Projektverlauf neu auftretende Anforderungen zu berücksichtigen. Um die Umstellungen des Netzwerks möglichst unterbrechungsfrei durchzuführen, eignen sich Randzeiten, wie das Wochenende – wobei trotzdem alle relevanten Projektbeteiligten eingebunden werden müssen. Wird das neue Netzwerk durch einen Dienstleister implementiert, sollten in den Managed-Service-Verträgen alle relevanten Rahmenparameter, wie Verantwortlichkeiten, Service-Zeiten etc., festgehalten werden.

6. Schritt: Schulung des IT-Personals

Zudem ist es von Bedeutung, das eigene IT-Personal abzuholen. Vor der Inbetriebnahme des Netzes muss sichergestellt werden, dass das für das (SD-)WAN verantwortliche IT-Personal ausreichend auf das neue System geschult ist. Das IT-Personal muss die Auswirkungen, die die Veränderungen des Netzwerks mit sich bringen, kennen und wissen, wie Anpassungen des Systems ausgeführt werden, ohne dass das Kerngeschäft gestört wird.

Fazit

Für die erfolgreiche Umsetzung von SD-WAN-Projekten kommt es also vor allem auf Knowhow und die planvolle Umsetzung an. Einen festen Zeitrahmen, der pauschal für alle Projekte gilt, gibt es hingegen nicht. Die Projektdauer hängt maßgeblich von der Standortanzahl und der Anzahl der Projektbeteiligten ab. Eine weitere Rolle spielt der Umfang des IT-Sicherheits-Konzepts und die Angabe, in welchem Zeitfenster Änderungen am Netzwerk vollzogen werden können.

Jacqueline Trouvain.
Jacqueline Trouvain. (Bild: Eveline Conrads)

Als grobe Faustformel lässt sich sagen: Circa zwei Jahre vor dem Auslaufen von bestehenden Provider-Verträgen sollten Unternehmen mit der Planung für die Umstellung auf ein SD-WAN starten – mit der passenden Unterstützung kann die Implementierung von SD-WAN dann nicht nur erfolgreich, sondern auch stressfrei vollzogen werden.

Über die Autorin

Jacqueline Trouvain ist Networking Business Development Manager bei Dimension Data in Deutschland.

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