IPX – Interconnect-Geschäftsmodell für IP Services

Qualitätssicherung in VoIP Netzen mit IP Packet eXchange

| Autor / Redakteur: Dr. Joachim Sinzig / Andreas Donner

Die konvergente Netzzusammenschaltung via IPX eignet sich für Sprach-, Daten- und Videoübertragungen.
Die konvergente Netzzusammenschaltung via IPX eignet sich für Sprach-, Daten- und Videoübertragungen. (Bild: Colt)

Die TK-Branche steht unter Druck: neue Services müssen angeboten werden, um Gewinne zu erwirtschaften. Dies führt zur Herausforderung, sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunk die Service-Qualität (QoS) bei wachsendem IP-Verkehr sicherzustellen. Und genau hierbei soll die neue Interconnect-Generation IPX Abhilfe schaffen.

Das von der GSMA eingeführte IPX, das auch unter der Bezeichnung IP Packet eXchange bekannt ist, basiert auf einem neuen, effizienteren Interconnect-Geschäftsmodell für IP Services und bietet eine Alternative zur derzeit noch häufiger genutzten Zusammenschaltung über das öffentliche Internet.

Im IPX Modell wird das Verkehrsaufkommen über globale, private, sichere und Multi-Service-IP-Netze geroutet – und dies mit erweitertem Nutzen für die Carrier, einschließlich höherer Sicherheit, garantierter Ende-zu-Ende Qualität und umfangreichen Reporting-Möglichkeiten zur Überwachung der Qualität. Für VoIP Services werden im IPX-Modell weniger Zusammenschaltungspunkte benötigt als im traditionellen Festnetz, wodurch Kosten gesenkt und die Service-Qualität verbessert werden können. Durch die Begrenzung der Anzahl der Netze erfolgt das Routing von Gesprächen zudem effizienter und kontrollierter.

Sinkende Komplexität für Betreiber

Derzeit müssen zahlreiche Betreiber mehrere bilaterale Netzzusammenschaltungen für abgehenden und ankommenden Verkehr aufrechterhalten. Diese Komplexität verursacht erhebliche Management-Kosten und operativen Aufwand. Das IPX-Modell ermöglicht es den Betreibern jedoch, ihre Netze in einem Community-basierten Ansatz zusammenzuschalten und dadurch den Zugang für zahlreiche neue Marktteilnehmer wie zum Beispiel VoIP Service Provider wesentlich effizienter bereitzustellen. Dies kann wiederum neue Geschäftsmöglichkeiten schaffen, neue Kunden an neuen Standorten kostengünstig anzubinden.

Die private Natur des IPX-Modells bedeutet, dass sich die beteiligten Betreiber auf ein vereinbartes Set an Standards zur Garantie der Service Qualität festlegen.

Das IPX-Modell schafft eine konvergente Zusammenschaltungs-Netzumgebung, die sich für Sprach-, Daten- und Videoübertragungen eignet. Da der Verkehr über sichere und private IP-Netzwerke mit garantierter Service-Qualität (QoS) übertragen wird, haben Service Provider die Möglichkeit, die bestmögliche Telefoniequalität zu realisieren, indem Sie sicherstellen, dass die Anrufe immer als VoIP weitergeleitet werden, wodurch unnötige Konvertierungen vermieden werden.

Da die Anforderungen der Endnutzer in Bezug auf eine hohe Service-Qualität immer anspruchsvoller werden, ermöglicht es IPX den Betreibern auch, differenzierte VoIP-Services mit hoher Qualität bereitzustellen. Über derartige Premium VoIP-Services können Anbieter zusätzliche Marktpotentiale erschließen.

Mehr Kontrolle und Transparenz

Durch ein umfangreiches Qualitäts-Reporting verschafft IPX den Carriern und Service Providern zudem eine größere Kontrolle und Transparenz über ihre VoIP-Dienste. Die erweiterten Reporting-Möglichkeiten zu Qualitätsparametern ermöglichen den Marktteilnehmern eine flexible Auswertung ihrer Servicequalität innerhalb ihres VoIP-Netzwerks. Durch die Zusammenschaltung mit einem Anbieter, der die IPX-Standards umsetzt und die flexible Auswertung kundenspezifischer Daten mit Importmöglichkeiten in eigene Systeme unterstützt, können die Betreiber von einer nahtlosen QoS-Überwachung und einem QoS-Reporting über ihr VoIP-Netz profitieren.

Fazit

Der traditionelle Sprachverkehr wird schon heute durch VoIP-Verbindungen über das öffentliche Internet verändert. Carrier haben bereits ihre Zusammenschaltungen zu internationalen Carriern auf Basis des Internets realisiert und umgehen damit die üblichen Transit-Carrier, um niedrigere Terminierungskosten und wettbewerbsfähigere Preise zu erzielen.

IPX ist der nächste Schritt in der Entwicklung von VoIP. Es adressiert vor allem auch den nationalen Festnetz- und Mobilfunkmarkt für qualitätssensitive VoIP-Dienste und erhöht gleichzeitig die Effizienz und Sicherheit durch die Zusammenschaltung von IP-Netzen, die in einem Netzverbund gemanaged werden und vom öffentlichen Internet aus nicht zugänglich sind.

Dr. Joachim Sinzig, Director Product Management Voice & Reselling, Colt Technology Services
Dr. Joachim Sinzig, Director Product Management Voice & Reselling, Colt Technology Services (Bild: Colt)

Da der IP Verkehr weiterhin exponentiell zunimmt und der IPX-Ansatz sich in der Branche zunehmend verbreitet, wird sich das IPX-Modell mit neuen Diensten weiterentwickeln. Die VoIP-Anbieter sollten sich an einem zukunftsorientierten Carrier-VoIP-Service zur Netzzusammenschaltung und zum Management des VoIP-Verkehrsaufkommens orientieren, der die IPX-Standards erfüllt. Andernfalls laufen sie Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten, da QoS gegenüber den Endnutzern zu einem zunehmend wichtigeren Differenzierungsfaktor im Wettbewerb wird.

Über den Autor

Dr. Joachim Sinzig ist Director Product Management Voice & Reselling bei Colt Technology Services

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