Milliarden-Markt – Global Crossing versenkt photonische Systeme in die See

Neue Glasfasertechnik von Infinera kapert die Unterwasser-Netzwerke

08.09.2009 | Redakteur: Ulrike Ostler

Verlegeschiff für Glasfaser-Seekabel, Bild: Seacom
Verlegeschiff für Glasfaser-Seekabel, Bild: Seacom

Infinera bringt das System zur optischen Integration auch in die Welt der Unterwasser-Netzwerke. Das ist ein schnell wachsender Milliarden-Markt. Die Technik, die von landgestützten Endpunkten der Untersee-Netzwerke aus installiert werden kann, wird an Kunden ausgeliefert und transportiert schon heute den Internet-Traffic für Global Crossing.

Das photonische Infinera-System bietet Carriern die Möglichkeit, ein und dieselbe optische Plattform für ihre Untersee- und landgestützten Netzwerke zu benutzen. Somit können die Netzwerk-Betreiber eine End-to-End-Lösung installieren, die spürbare Einsparungen bei Kapital- und Betriebskosten sowie einen deutlich vereinfachten Betrieb zulässt.

Denn die Carrier sehen sich weltweit steigenden Anforderungen an die Bandbreite von Untersee-Netzwerken gegenüber, die vor allem durch die zunehmende Verbreitung der Internet- und Netzwerk-Nutzung in Nordamerika, Europa, Asien, Lateinamerika, im Mittleren Osten und Afrika ausgelöst wird. Viele dieser Netzwerke gelangen bereits heute an die Grenzen ihrer Kapazität.

Nach Angaben des Herstellers bietet die Technik gegenüber den traditionellen DWDM-Untersee-Netzwerken (DWDM = Dense Wavelength Division Multiplexing) einen preisbewussten Weg, um ihre Investitionen in ihre Unterwasser-Infrastruktur zu schützen. So lasse sich die Kapazität schnell erhöhen. Im Ergebnis bedeute dies eine Verdoppelung der Anzahl an Wellenlängen.

Schnell installiert und zugänglich

Außerdem könne sich die neu gewonnene Kapazität auch schneller verteilt werden. Erweiterungen für ein Infinera-Netzwerk können laut Anbieter innerhalb von Tagen oder höchstens Wochen installiert werden – im Gegensatz zu den sechs bis zwölf Monaten, die bei traditionellen Untersee-Netzwerken benötigt werden.

Die Infinera-Untersee-Technik basiert auf den eigenen hochskalierbaren optischen ICs (PICs). Diese wurden durch das Hinzufügen von Halbleiter-basierenden optischen Verstärkern (SOAs) optimiert, um die nötige Reichweite für Übersee-Strecken innerhalb der bisherigen Infinera-Lösung bieten zu können.

Die neuen PICs finden sich im „Infinera Submarine-Line-Modul“ (SLM), das 100 Gigabit/Sekunde (Gb/s) an PIC-basierender Bandbreite auf jeder Line-Karte bietet. Zudem kann man 16-SLM-Module in eine einzelne Glasfaser multiplexen, so dass die Untersee-Lösung bis zu 160 Wellenlängen für bereits vorhandene optische Untersee-Netzwerke bietet.

Panamerikanische Installation mit Global Crossing

Die Untersee-Lösung wurde bereits von Carriern auf fast 50.000 Untersee-Kilometern installiert, darunter auch Global Crossing. Der Carrier hat sie in seinem mittelatlantischen und südamerikanischen Verbindungsnetzwerk installiert – zusammen mehr als 26.000 Streckenkilometer. Erfahrungen hatte Global Crossing mit Infinera, weil das Unternehmen 2006 zunächst ein landgestütztes Netz mit der Technik installierte.

Der Markt für Untersee-Netzwerke erfuhr in den vergangenen Jahren starke Zuwächse, da der interkontinentale Internetverkehr dramatisch zugenommen hat – angetrieben wurde diese Entwicklung vor allem durch die zunehmende Verbreitung von Internet-fähigen Handys, Hochgeschwindigkeits-Internet-Verbindungen für Wohnhäuser und Unternehmen und dem wachsenden Wohlstand in bislang unterentwickelten Märkten, wo hunderte Millionen Menschen begonnen haben, Internet-Technologie zu benutzen.

Ein Milliarden-Dollar-Markt

Nach den Daten von Analysten des britischen Marktforschungsunternehmens Ovum erreichte der Markt für Untersee-Netzwerke 2008 rund 858 Millionen Dollar, ein Zuwachs von 56 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für dieses Jahr erwartet Ovum einen Zuwachs des Gesamtmarkts um 23 Prozent auf 1,06 Milliarden Dollar, worauf 2010 wieder ein Zuwachs von 20 Prozent auf 1,27 Milliarden Dollar erwartet wird.

Im Gegensatz dazu prognostiziert Ovum heuer eine Verkleinerung des gesamten Markts für optische Netzwerke um 5,5 Prozent auf 15,4 Milliarden Dollar und einen Zuwachs von 5 Prozent im darauffolgenden Jahr.

Ron Kline, Research Director Optical Networks bei Ovum, erläutert: „Untersee-Kabelbetreiber kämpfen hart um Kapazitätserweiterungen, um mit den überproportional wachsenden Anforderungen mithalten zu können. Die Installation neuer Kabel-Anlagen ist aber zeitintensiv und teuer, deshalb werden Endpunkt-Upgrades besonders attraktiv.“

Infinera habe einen souveränen Job gemacht, indem die Firma ihre PIC-Technik an die Besonderheiten der Untersee-Netzwerke angepasst habe. Betreiber verlangten nach mehr Kanälen und höheren Datenübertragungsraten je Kanal (40 und zu guter Letzt 100 Gigabit pro Sekunde) durch reine Endpunkt-Upgrades, so dass sie den Zeitpunkt und die Investition in neue Untersee-Systeme verschieben könnten. Dabei sei eine höhere Dichte und die Integration von Submarine Line Terminal Equipment (SLTE) wichtig.

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