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Einschränkungen
Teilweise gibt es aber auch eine Menge erheblicher Einschränkungen. Das Trunking bezieht sich nur auf parallele Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, die darüber hinaus noch Full-Duplex-fähig sein und die gleiche Übertragungsleistung aufweisen müssen. Dies macht es fast völlig unmöglich, flexible Ersatzwege im Sinne redundanter Netzstrukturen aufzubauen.
So wäre es doch denkbar, dass z.B. einige Fast Ethernet Leitungen im Falle des Ausfalls die Leistung einer Gigabit-Leitung übernehmen. Dazu müsste man aber Gigabit- und Fast Ethernet-Leitungen in einen Trunk stecken können, was zurzeit noch nicht möglich ist.
Und wenn man für ein den Aufbau eines redundanten Netzes Ersatzwege schalten will, führen diese gegebenenfalls über andere Switches – auch dies geht aber gerade beim Trunking nicht, weil getrunkte Leitungen parallel sein müssen.
Aber auch im Zusammenwirken mit höheren Protokollen gibt es Schwierigkeiten, und zwar aufgrund der Notwendigkeit der Eindeutigkeit einer MAC-Adresse, die bislang eigentlich den ganzen Standard durchzogen hat. Entweder muss man hier also der aggregierten Link-Gruppe eine einzige Adresse zuordnen oder mit einem speziellen Protokoll für den Lastausgleich eine Adresse eines höheren Protokolls, z.B. eine IP-Adresse auf mehrere MAC-Adressen abbilden.
Wenn man nur ein Trunking-Verfahren für die Gruppierung von Ports zu Gruppen zulässt, ist dies nicht für alle Anwendungen optimal. So legt z.B. eine Anwendung zwischen vielen Clients und einem Server über zwei Switches hinweg besonderen Wert auf Parallelität und Intergität von Sessions, aber weniger auf hohe rohe Bandbreite. Tauschen sich hingegen zwei Server, z.B. ein SAP-Anwendungsserver und ein SAP-Druckserver aus, geht es vor allem um rohe Leistung, also möglichst viele parallele Links in einem Trunk. Lässt man aber mehrere Trunking-Verfahren zu, so müssten sich die Anwendungen eines aussuchen bzw. darüber verhandeln.
Dem steht wiederum entgegen, dass bei Ethernet ja per Definition alles so einfach wie möglich bleiben soll. Und davon kann man nicht mehr sprechen, wenn Anwendungen Trunk-Verfahren unter sich aushandeln müssen, weil die Schnittstellen in keinster Weise darauf eingerichtet sind.
Über den Autor
Dr. Franz-Joachim Kauffels ist seit über 25 Jahren als unabhängiger Unternehmensberater, Autor und Referent im Bereich Netzwerke selbständig tätig. Mit über 15 Fachbüchern in ca. 60 Auflagen und Ausgaben, über 1.200 Fachartikeln sowie unzähligen Vorträgen ist er ein fester und oftmals unbequemer Bestandteil der deutschsprachigen Netzwerkszene, immer auf der Suche nach dem größten Nutzen neuer Technologien für die Anwender. Sein besonderes Augenmerk galt immer der soliden Grundlagenausbildung.
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