Telekom und Ericsson bringen Landkreise auf 16 Megabit pro Sekunde

Modell für „Breitband auf dem Land“ mit Richtfunk und Glasfaser

04.11.2009 | Redakteur: Ulrike Ostler

Das Breitbad erreicht den Limes, Bild: aus der Broschüre „Limes Wanderweg“
Das Breitbad erreicht den Limes, Bild: aus der Broschüre „Limes Wanderweg“

Endlich: In den Landkreisen Rems-Murr-Kreis und Schwäbisch Hall ist der Einsatz von DSL-Modems und -Routern neuerer Generation erforderlich. Denn die Deutsche Telekom hat fünf Gemeinden im ländlichen Raum an das Breitband angeschlossen. Die örtlichen Kabelverzweiger mit DSL-Technik (DSLAMs) stammen von Ericsson. Das Besondere: Sie sind teils per Glasfaser, teils per Richtfunk angebunden.

Vertreter der Gemeinden, der Telekom und von Ericsson sowie Peter Hauk, Minister für Ernährung und Ländlichen Raum in Baden-Württemberg nahmen am vergangenen Montag das Breitbandnetz offiziell in Betrieb. Die Kombination aus Glasfaseranbindung, Richtfunk und dem vorhandenen Ortsnetz kann als Muster für den Breitbandausbau anderer Gemeinden im ländlichen Raum gelten. Deshalb fördert das Land Baden-Württemberg die Maßnahme als Modellprojekt Großerlach.

Bei der öffentlichen Ausschreibung des Projektes auf der Grundlage einer Machbarkeitsstudie der Firma TKT Teleconsult aus Backnang hatte die Deutsche Telekom den Zuschlag erhalten. Ericsson ist der Partner für die DSL-Technik und bietet überall dort, wo das Verlegen von Glasfaser technisch oder wirtschaftlich nicht möglich ist, die Anbindung über das eigene Richtfunk-Netz an.

Denn Ericsson hatte Ende 2007 das bundesweite Richtfunknetz der Deutschen Telekom übernommen und vermietet die Richtfunkkapazitäten seitdem an die Deutsche Telekom, aber auch an andere Netzanbieter sowie weitere Großkunden oder Sicherheitsbehörden, so im Rahmen des Ausbaus des digitalen Behördenfunks (BOS).

Richtfunk für schwierige Bedingungen

Großerlach liegt am UNESCO-Welterbe Limes, Bild: www.grosserlach.de
Großerlach liegt am UNESCO-Welterbe Limes, Bild: www.grosserlach.de

Insgesamt profitieren im landkreisübergreifenden Modellprojekt die Gemeinden Althütte, Auenwald, Großerlach, Michelfeld und die Stadt Murrhardt. Rund 4.200 Haushalte kommen damit ab sofort in den Genuss von Bandbreiten bis zu 16 Megabit pro Sekunde.

Ein reiner Glasfaserausbau wäre aufgrund der großen Entfernungen, die im Tiefbau zurückgelegt werden müssten, zu teuer geworden. Außerdem ist das Gebiet durch Streusiedlungen und eine schwierige Topographie gekennzeichnet.

Nun überbrücken Richtfunkstrecken vor Ort Distanzen von drei bis 14 Kilometern. Die Kunden sollen jedoch keinen Unterschied zur konventionellen DSL-Anbindung über Glasfaser- und Kupferkabel merken.

  • Althütte (Ortsnetz 07192) wird durch eine rund zehn Kilometer lange Richtfunkstrecke vom Turm Hohenbrach bis in den Ortsteil Sechselberg erschlossen. Für knapp 350 Haushalte wurden rund 150 Meter Kabel verlegt und zwei Schaltgehäuse aufgebaut.
  • Auenwald (Ortsnetz 07191) hat ungefähr vier Kilometer Glasfaserkabel und zehn neue Schaltgehäuse erhalten. Knapp 1.900 Anschlüsse in den Ortsteilen Unterbrüden, Lippoldsweiler, Hohnweiler und Däfern sind damit versorgt.
  • Großerlach (Ortsnetz 07903) wird durch zwei Richtfunkstrecken in die Gemeindeteile Großerlach und Neufürstenhütte erreicht. Sie versorgen zudem die Gemeindeteile Altfürstenhütte und Kleinerlach. Außerdem konnten die Gemeindeteile Grab, Schönbronn, Morbach und Platte (Ortsnetz 07192) durch ein Glasfaserkabel aus Schwäbisch Hall angebunden werden. Um die knapp 600 Haushalte anzuschließen, wurden ungefähr 16 Kilometer Glasfaserkabel verlegt und sechs Schaltgehäuse aufgebaut.
  • Michelfeld (Ortsnetz 0791) wurde mit rund 500 Meter Kabel und sieben neuen Schaltgehäusen für mehr als 960 Haushalte in den Ortsteilen Michelfeld und Erlin erschlossen. Durch vorgezogene Arbeiten standen die hohen Bandbreiten in den Ortsteilen Neunkirchen und Waldenburg-Sailach (Ortsnetz 07949) bereits im September für ungefähr 130 Anschlüsse zur Verfügung.
  • Murrhardt (Ortsnetz 07184) konnte durch zwei Richtfunkstrecken und zwei neue Schaltverteiler in den Ortsteilen Steinberg und Kirchenkirnberg angebunden werden. Außerdem profitieren Haushalte in Spielhof, Gänshof, Gärtnershof, Ober- und Unterneustetten, Trauzenbach, Frankenweiler/Wasenhaus sowie Tiefenmad – insgesamt rund 400 Haushalte.

Für die so genannte letzte Meile vom Kabelverzweiger bis in die Haushalte werden die vorhandenen Telefon-Kupferkabel genutzt. Die Kunden bemerken keinen Unterschied zur konventionellen DSL-Anbindung über Glasfaser- und Kupferkabel.

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