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Wie der flächendeckende Glasfaserausbau in Eigenregie gelingt Mit GIS zum Gigabit: Landkreis Cham macht es vor

Ein Gastbeitrag von Astrid Jurisch-Nossiter 5 min Lesedauer

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Der Landkreis Cham realisiert eines der größten Breitbandprojekte in Bayern bzw. in Deutschland für eine zukunftssichere Entwicklung der Region. Das Erfolgsrezept: ein gegründeter Eigenbetrieb und der Einsatz modernster GIS-Technologie.

Der Landkreis Cham setzt beim Breitbandausbau auf Eigenregie und GIS-Technologie. Bis 2029 sollen 19.000 Gebäude erschlossen werden – ein Modell für ländliche Regionen.(Bild:  Landkreis Cham)
Der Landkreis Cham setzt beim Breitbandausbau auf Eigenregie und GIS-Technologie. Bis 2029 sollen 19.000 Gebäude erschlossen werden – ein Modell für ländliche Regionen.
(Bild: Landkreis Cham)

In der deutschen digitalen Infrastruktur gibt es nach wie vor weiße Flecken. Besonders in ländlichen Gebieten ist der Ausbau von Glasfaser, 5G und Co. für Netzbetreiber oft nicht rentabel und wird daher aufgeschoben oder nicht durchgeführt. Davon ist auch der ostbayrische Landkreis Cham betroffen. Als Wirtschafts- und Tourismusstandort ist ein flächendeckender Breitbandausbau jedoch wichtig für die Region. Deshalb entschied der Landkreis Cham, diesen in Eigenregie durchzuführen – und setzt dabei vor allem auf digitale Technologien.

Breitbandausbau im gesamten Landkreis

Alle 19.000 Gebäude im Landkreis sollen bis 2029 mit schnellem Internet versorgt werden. Das Projekt ist damit nicht nur eines der größten seiner Art in Bayern, sondern in ganz Deutschland. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, gründete der Landkreis Cham 2019 den Eigenbetrieb „Digitale Infrastruktur Bayern“, der den Ausbau der Infrastruktur in Koordination mit den 37 Kommunen des Landkreises übernimmt. Der Eigenbetrieb vereint Experten aus den Bereichen Bauleitung, Vermessung, GIS, Netzplanung, Materialmanagement und Digitalisierung.

Ziel ist es, eine flächendeckende, leistungsstarke Breitbandinfrastruktur für Industrie und Bevölkerung auszubauen, die die Attraktivität als Wirtschafts- und Tourismusstandort fördert. Die Haushalte profitieren zudem von einer stabilen Verbindung für das Arbeiten aus dem Homeoffice und besserem Zugang zu Bildungs- und Freizeitangeboten. Der Ausbau erfolgt unter Einbeziehung lokaler Bauunternehmen, um einen Teil der Wertschöpfung in der Region zu behalten. Da Bund und Land das Projekt kofinanzieren, gibt es jedoch klare Vorgaben zu Ausschreibungen und Vergabe der Aufträge. Den Netzbetrieb übernimmt die Vodafone GmbH, die eine Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu einem Gigabit/s zusagt.

Komplexe Ausgangslage

Von Beginn an legte der Eigenbetrieb großen Wert auf den Einsatz digitaler Lösungen und Technologien, um den Baufortschritt zu planen, zu überwachen und zu dokumentieren. Die Fläche des Landkreises wurde in 19 Ausbaugebiete, sogenannte Cluster, gegliedert. Das Gelände ist dabei nicht ohne Herausforderungen. Insgesamt gilt es, Höhenunterschiede von über 1.000 Metern auszugleichen, teils auf felsigem Untergrund.

Über die gesamte Projektdauer hinweg verlegt der Landkreis rund 4.000 km Glasfaserkabel in 21.000 km Leerrohren. Damit werden auch 19.000 bisher unterversorgte Gebäude angeschlossen. Es entsteht eine Trasse von 2.300 km. Doch damit nicht genug. Cham will nicht nur weiße Flecken auf der Landkarte erschließen, sondern auch den Zugang in grauen Flecken verbessern. Dafür ist bereits jetzt eine rund 3.000 km lange Datenautobahn in Planung, die als Grundlage der wirtschaftlichen Entwicklung dienen soll.

Daten als Grundlage einer präzisen Planung

„Ein Projekt dieser Größenordnung kann nicht mit Stift und Papier umgesetzt werden“, sagt der Werkleiter Klaus Schedlbauer. Die Digitalisierung der gesamten Ablaufprozesse durch Nutzung verschiedener Softwaresysteme und dazu entsprechender Schnittstellen ist laut Klaus Schedlbauer der Schlüssel zum Erfolg. Der Eigenbetrieb setzt deshalb GIS-Technologie von Esri ein. Mit dieser Technologie macht der Landkreis Cham seit nunmehr 20 Jahren positive Erfahrungen. Basierend auf den gesammelten Daten hat Cham zusammen mit Esri das interkommunale Geoinformationssystem lkGIS-Cham entwickelt. Diese Plattform sammelt eine Vielzahl an Daten – von Bauvorhaben und Denkmalschutz über Sicherheit, Katastrophenschutz und Energie bis hin zu Freizeit, Tourismus und Sozialem. Sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen und Kommunen haben darauf Zugriff und nutzen diese Daten für ihre Planung.

Für den Breitbandausbau existiert bereits seit zehn Jahren eine umfassende GIS-Dokumentation und ein gut strukturierter Datenbestand, von dem der Landkreis nun profitiert. Diese Dokumentation umfasst Infrastrukturdaten sowie genehmigungsrelevante Informationen zu Natur, Umwelt und Bauvorhaben und bietet damit die Planungs- und Arbeitsgrundlage für den Eigenbetrieb, den Landkreis, den Netzbetreiber und die beteiligten Bauunternehmen.

Für die Feinplanung nutzt der Eigenbetrieb zudem ArcGIS Pro. Dort wird der Trassenverlauf festgelegt, die passenden Tiefbauverfahren erörtert und die Mengen für Tiefbauausschreibungen ermittelt. Damit der Datenbestand jederzeit aktuell bleibt, wird die neu gebaute Infrastruktur – Verteilerkästen, Leerrohre und Kabelschächte – in 3D präzise eingemessen. Möglich wird dies durch die lagegenaue Abbildung im offenen Kabelgraben. Georeferenzierte Bilder ergänzen die Datenlage und schaffen eine lückenlose Dokumentation.

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Dank Dashboard haben Verantwortliche einen übersichtlichen, zentralen Einblick in den Baufortschritt.(Bild:  Landkreis Cham & Esri)
Dank Dashboard haben Verantwortliche einen übersichtlichen, zentralen Einblick in den Baufortschritt.
(Bild: Landkreis Cham & Esri)

Die Daten werden in einem übersichtlichen Dashboard visualisiert. Wöchentlich liefern die involvierten Bauunternehmen einen aktuellen Stand des Baufortschrittes, der aufzeigt, welche Trassen bereits gebaut und welche Gebäude angeschlossen sind. Das Dashboard dient zudem als Übersicht für Controlling und darüber, ob Zeitpläne und Budgets im Rahmen liegen. Es gibt zudem Auskunft über den Ausbaustand im Tiefbau, über die Aufmaßerstellung und erleichtert die Koordination von Baumaßnahmen.

Dank ArcGIS erhalten nicht nur Projektbeteiligte Einblicke in den Ausbaustand. Die Plattform steht auch Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung, die sich jederzeit selbst über den Status des Breitbandausbaus informieren können. Diese Transparenz stärkt das Vertrauen in der Bevölkerung, weil Fortschritte klar erkennbar sind. Für Kommunen liefert die Plattform detaillierte Einblicke in den Ausbau, die sie für ihre eigene weitere Planung nutzen können.

Bürgerinnen und Bürger können online über die Breitband-Karte die Verfügbarkeit in ihrer Region prüfen.(Bild:  Landkreis Cham)
Bürgerinnen und Bürger können online über die Breitband-Karte die Verfügbarkeit in ihrer Region prüfen.
(Bild: Landkreis Cham)

Effiziente, transparente Planung

Die Arbeit mit GIS hilft dem Landkreis Cham dabei, effizient zu planen, transparent zu kommunizieren und die Baumaßnahmen entsprechend zu koordinieren. Die visuelle Darstellung unterstützt dabei, Fehler frühzeitig zu erkennen und zu beheben. Digitale Karten erleichtern die Vorbereitung von Begehungen vor Ort, weil sich die Beteiligten bereits vorab ein Bild der Lage machen können. Die Visualisierung jedes Projektschrittes ist damit ein starkes Werkzeug, das Effizienzsteigerungen und eine präzise Steuerung in allen Projektphasen ermöglicht.

Die Vorteile von GIS entfalten sich bei diesem Projekt vor allem durch die konsequente Nutzung über Jahre hinweg. Seit über 10 Jahren fließen relevante Infrastrukturdaten wie Wasserleitungen, Stromnetz und Verkehrswege in die Plattform und bilden gemeinsam mit den Daten aus dem laufenden Ausbau die Grundlage für die Instandhaltung der Infrastruktur in der Zukunft.

In ArcGIS fließen alle relevanten Daten in einer Karte zusammen (hier am Beispiel Lixenried).(Bild:  Landkreis Cham & Esri)
In ArcGIS fließen alle relevanten Daten in einer Karte zusammen (hier am Beispiel Lixenried).
(Bild: Landkreis Cham & Esri)

Regionale Entscheidungshoheit

Die Entscheidung, den Ausbau in Eigenregie voranzutreiben, bringt viele Vorteile mit sich. Für Landrat Franz Löffler ist es immer wichtig gewesen, als Landkreis Cham das Steuer selbst in der Hand zu haben. Die Entscheidungshoheit über Umfang, Geschwindigkeit und Qualität der entstehenden Infrastruktur bleibt lokal und kann optimal an die Bedürfnisse der Bevölkerung und Wirtschaft angepasst werden. So stellt der Landkreis Cham sicher, dass eine zukunftssichere Infrastruktur entsteht, die die Region stärkt und auch in den kommenden Jahren attraktiv macht.

Über die Autorin

Astrid Jurisch-Nossiter.(Bild:  Esri)
Astrid Jurisch-Nossiter.
(Bild: Esri)

Astrid Jurisch-Nossiter ist Business Development Managerin bei Esri Deutschland. Ihr Schwerpunkt liegt im Bereich Telekommunikation & Utility. Parallel leitet sie das Produktmanagement für Fast@Home, eine GIS-basierte Lösung für die automatisierte und kostenoptimierte strategische Netzplanung von Glasfasernetzen.

Astrid hat Kartographie und GIS studiert. Sie ist seit mehr als 20 Jahren in der GIS-Branche tätig. Ihre beruflichen Stationen haben sie in die Schweiz, nach Großbritannien und Deutschland geführt.

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