Viele Netzbetreiber und Rechenzentrumsanbieter kämpfen mit fragmentierten Systemen und gewachsenen Infrastrukturen. FNT bündelt Erkenntnisse aus Kundenprojekten zu fünf Best Practices, die Betrieb und Planung spürbar vereinfachen sollen.
Daria Batrakova, Director Business Line Telecom Solutions bei FNT Software, erläutert fünf praxisnahe Ansätze für mehr Transparenz und Effizienz im Netzbetrieb.
(Bild: FNT GmbH)
Das effektive Management ihrer Netzwerkinfrastruktur ist für lokale sowie globale Telekommunikationsanbieter oder Data-Center-Betreiber zu einem kritischen Business-Faktor geworden. Besonders nach vielen Akquisitionen oder vor dem Hintergrund ambitionierter Wachstumspläne sind sie gefordert, ihre Strategien neu zu bewerten, um ihre meist (zu) komplex gewordene Infrastruktur effektiv steuern, skalieren und zukunftssicher aufstellen zu können. Mit den richtigen Ansätzen gelingt dies vergleichsweise einfach ‒ fünf Best Practices aus zahlreichen Projekten dazu liefert dieser Beitrag.
Infrastrukturanbieter fast jeder Größe und Art stehen irgendwann vor derselben Herausforderung:
Wie lassen sich ihre heterogenen physischen sowie logischen und virtuellen Assets über verschiedene geographische Standorte und Teams hinweg effizient und zentral managen?
Wie können sie fragmentierte Daten und Systeme integrieren und veraltete Tools ablösen, die Effizienz, Wachstum und Skalierung im Wege stehen?
Zusammengefasst: Wie lässt sich eine Betriebsexzellenz erreichen?
1. Unterschiedliche Systeme konsolidieren
Operational Excellence wird umso geschäftskritischer, je heterogener und verteilter Infrastrukturen und Daten vorliegen. Durch Akquisitionen und schnelles Wachstum gehört es für viele Netzwerkverantwortliche zum Alltag, komplexe, verteilte und heterogene Netzwerke zu managen, die in verschiedensten Datenbanken, Listen, Visio-Grafiken oder spezieller Software dokumentiert sind. Diese Fragmentierung führt in der Praxis fast immer zu Inkonsistenzen, fehlender Übersicht sowie hohen Aufwänden bei der Datenbeschaffung, etwa für die Planung von Changes oder dem Netzausbau. Für die Endkunden heißt dies oft: Serviceausfälle, lange Antwortzeiten, eine schlechtere Servicequalität. Der erste wichtige Schritt ist also die Konsolidierung aller IT- und Netzdokumentationsdaten in einer einheitlichen Lösung.
Ein zentralisiertes System wie die FNT Command Platform bildet sämtliche Infrastrukturdaten ganzheitlich ab – physische, logische und virtuelle. Es schafft eine aktuelle, vertrauenswürdige, singuläre Datenquelle, sorgt für einheitliche Workflows und die so wichtige unternehmensweite Transparenz. Damit können Unternehmen in Echtzeit auf akkurate Infrastrukturdaten aus allen Bereichen zugreifen, Risiken wegen falscher Informationen reduzieren, doppelte Aufwände vermeiden und bei Ausfällen schnell reagieren. Auch die Integration neuer Systeme und Wartungsarbeiten lässt sich so deutlich verkürzen.
2. Integration von GIS-Funktionen und hilfreichen Visualisierungen
Netzwerkinfrastrukturen sind von Natur aus geografisch verteilt, doch den meisten Dokumentationssystemen fehlt der räumliche Kontext. Dies erschwert die Planung, insbesondere für das einheitliche Management von Standorten und Außenanlagen, bei denen besondere örtliche Gegebenheiten zu berücksichtigen sind.
Über GIS-Funktionen (Geoinformationssysteme) lassen sich räumliche Informationen in die Dokumentation integrieren und auswerten. Damit können Verantwortliche Kabel, Trassen, Leitungen, Gräben, Schächte, Handlöcher, Wege und Gebäudeanschlüsse kartografisch zuordnen, um visuelle Einblicke zu gewinnen und den Außendienst zu unterstützen. Dies ist beispielsweise für Telekommunikationsanbieter wichtig, die ein weit verzweigtes Datennetz bereitstellen müssen.
Die Vorteile: Entscheidungen für Erweiterungen und Reparaturen lassen sich schneller fällen. Auch die Trassenplanung und der Ausbau von Glasfaser fällt mit Geoinformationen in einem einheitlichen Dokumentationssystem deutlich leichter. Hinzu kommt die visuelle Übersicht zwischen Gebäuden und Standorten, die auch eine schnelle Fehlersuche ermöglicht, Außenmitarbeitende gezielt unterstützt und deren Effizienz verbessert.
3. Hohe Anpassungsfähigkeit an bestehende Prozesse und Plattformen
Manche Software gibt Unternehmen bestimmte Workflows vor, die eigentlich nicht zu ihren bestehenden Arbeitsprozessen passen. Das führt schnell zu komplizierten Abläufen und behindert die Integration mit ERP-, OSS- und weiteren Kundensystemen.
Deshalb sollten IT-Verantwortliche eine Infrastrukturmanagementlösung wählen, die hochgradig konfigurierbar ist und sich über Schnittstellen komfortabel mit anderen Systemen vernetzen lässt. Das gelingt beispielsweise über REST-APIs, Datenabgleich-Middleware und benutzerdefinierte Module. Die Infrastrukturdokumentation kann auf diese Weise die vorhandene Business-Architektur ergänzen und schränkt sie nicht ein. Vor allem durch die Integration mit anderen Systemen entfaltet eine zentrale Lösung ihre volle Stärke: Bestellungen und Wartungsaufträge lassen sich dann aus der Managementlösung heraus direkt über das ERP-System anstoßen und abwickeln. Auch komplexe Workflows inklusive Buchung und Rechnungsstellung lassen sich durch die Integration weitestgehend automatisieren. Exakte Reportings entstehen per Knopfdruck.
4. Fokussierung auf operative Effizienz und Zukunftsfähigkeit
Wer eine Infrastrukturdokumentation nur als statische Datensammlung betrachtet, verkennt ihr strategisches Potenzial. Vielmehr sollte sie als „lebende“ Basis für Automatisierungen, Echtzeit-Analysen und zur schnellen Anpassung an neue Anforderungen gezielt eingesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise die Implementierung automatisierter Workflows für die Aktivierung und Deaktivierung von Diensten, das Signal-Monitoring und -Routing, die Analyse von Fehlerauswirkungen oder Kapazitätsplanungen.
Stand: 08.12.2025
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Als dynamisches Transparenz- und Management-Tool genutzt, lassen sich mit einer professionellen Dokumentation im Incident Management beispielsweise Zeiten reduzieren, bis eine Reparatur nach einem Fehler abgeschlossen ist. Auch Erweiterungs- und Redundanz-Modelle können IT-Leiter datenbasiert durchspielen und als Planungsgrundlage verwenden. Sie erhöhen zusätzlich die Widerstandsfähigkeit gegen Störungen und Angriffe. Kunden freuen sich über kurze Onboarding-Prozesse und mehr Self-Service-Optionen.
5. End-to-End-Sichtbarkeit in Echtzeit
Die getrennte Verwaltung von Infrastrukturen innerhalb von Gebäuden und Anlagen (Inside Plant) sowie außerhalb dieser (Outside Plant) in unterschiedlichen Systemen führt zu einer bruchstückartigen Übersicht und blinden Flecken ‒ was sich oft gerade in Krisensituationen zeigt. Erst die lückenlose Dokumentation in einem zentralen System ermöglicht eine echte End-2-End-Verfolgung von Kommunikationsströmen, die Lokalisierung aller Geräte und die so wichtige Visualisierung der Abhängigkeiten. Sie hilft, Planungszeiten zu reduzieren, die Bereitstellung von Diensten zu verkürzen und Netzwerkausfälle möglichst schnell zu beheben.
Transparenz vom Kunden-End-Point bis zum Fibre Access Node im Verteilerstandort unterstützt zum Beispiel beim Glasfaserausbau die Kommunikation zwischen Betriebsteam und Field Service. Anbieter können auf Basis dieser durchgängigen Transparenz bessere SLAs anbieten, weil sich die Zeiten für Diagnose und Fehlerbehebung deutlich reduzieren lassen.
Zwei Praxisbeispiele
Was passiert, wenn Unternehmen diese Best Practices berücksichtigen, zeigen die zwei Beispiele eines Telekommunikationsnabieters und eines globalen Rechenzentrumsbetreiber. Beide ersetzten unterschiedliche (Alt)-Dokumentationen durch FNT Command und konnten dadurch die Komplexität im Betrieb ihrer Infrastrukturen signifikant senken, Assets einfacher auffinden und den Betrieb insgesamt optimieren. Während die Integration von Geoinformationen dem Telekommunikationsanbieter vor allem beim Management des Glasfaserausbaus half, nutze der Data-Center-Betreiber sie für die Visualisierung der Konnektivität zwischen weltweiten Rechenzentren sowie für die Ausbauplanung und Fehlerbehebung.
Durch die Integration von Oracle ERP und Kundenportalen realisierte der RZ-Betreiber ein einheitliches, leistungsfähiges digitales Backbone für sein Leistungsportfolio. Eine automatisierte Überprüfung der Konnektivität und automatisierte Rechnungsworkflows reduzierten die Zeiten für Fehlerbehebungen und beschleunigten den Kundenservice des Telko-Unternehmens deutlich. Der Data Center Provider konnte durch eine ganzheitliche Kapazitätsplanung zudem die Raumnutzung, den Energieverbrauch sowie die Zuordnung von freien Ports weltweit optimieren. Es lohnt sich also, das Projekt Dokumentationskonsolidierung in Angriff zu nehmen.
Über die Autorin
Daria Batrakova ist Director Business Line Telecom Solutions bei FNT Software. Sie verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung im Netzbetrieb, der OSS-Integration und der Beratung im Bereich Telekommunikation.