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Mobilfunk wird Betriebssystem Microsoft und Ericsson: 5G-Management für Windows 11

Von Berk Kutsal 3 min Lesedauer

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Microsoft und Ericsson verankern 5G-Management nativ im Betriebssystem. Gemeinsam bringen sie eine Lösung auf den Markt, die Windows-11-Laptops automatisiert mit Mobilfunknetzen verbindet, Richtlinien durchsetzt und eSIMs verwaltet. Erste Netzbetreiber sind an Bord, in Deutschland übernimmt O2 Telefónica eine Schlüsselrolle beim Rollout.

Microsoft und Ericsson integrieren 5G-Management nativ in Windows 11.(Bild:  Ericsson)
Microsoft und Ericsson integrieren 5G-Management nativ in Windows 11.
(Bild: Ericsson)

Bisher galt die zellulare Anbindung von Laptops in Unternehmen oft als komplexe Nische. IT-Abteilungen mussten physische SIM-Karten verwalten, APN-Einstellungen händisch konfigurieren und sich mit proprietären Tools der Hardware-Hersteller auseinandersetzen. Die neue Lösung von Microsoft und Ericsson möchte diese Silos aufbrechen, indem sie die Netzwerk-Orchestrierung direkt mit dem Unified Endpoint Management (UEM) verknüpft .

Kernkomponenten: Intune trifft Cloud-Orchestrierung

Technologisch basiert das Angebot auf der Integration von Microsoft Intune und der Cloud-Plattform Ericsson Enterprise 5G Connect (ehemals bekannt als Enterprise Virtual Cellular Network – EVCN). Die Architektur teilt sich in drei Ebenen auf:

  • 1. Management-Ebene (Microsoft Intune): Administratoren definieren hier zentrale Richtlinien, verteilen Konnektivitätsprofile und überwachen die Compliance der Geräte .
  • 2. Orchestrierungs-Ebene (Ericsson): Die Cloud-Plattform verwaltet den eSIM-Lebenszyklus, koordiniert die Profile über verschiedene Mobilfunkanbieter (CSPs) hinweg und liefert Netzwerk-Telemetrie in Echtzeit .
  • 3. Geräte-Ebene (Windows 11): Das Betriebssystem exponiert native APIs für das Mobilfunkmodul und hostet einen lokalen KI-Agenten, der die Verbindungsparameter dynamisch optimiert .

Der lokale KI-Agent: Echtzeit-Entscheidungen am Edge

Ein technisches Highlight der Kooperation sei der Einsatz eines lokalen KI-Agenten auf Copilot+ PCs, wie dem Surface Pro oder Surface Laptop . Dieser Agent nutze die Neural Processing Unit (NPU) der Geräte – die bei aktuellen Snapdragon X Plus/Elite-Chips eine Leistung von über 40 TOPS (Trillionen Operationen pro Sekunde) erreicht – um Konnektivitätsentscheidungen lokal und ohne Cloud-Latenz zu treffen .

Der Agent analysiere kontinuierlich Telemetriedaten wie Signalstärke, Latenz und Jitter. Basierend auf den in Intune hinterlegten Richtlinien könne er beispielsweise geschäftskritische Anwendungen wie Microsoft Teams automatisch auf eine priorisierte 5G-Verbindung schalten, wenn das lokale WLAN instabil wird . Dieser Prozess erfolge für den Nutzer transparent und gewährleistet eine unterbrechungsfreie Arbeitserfahrung für KI-Workflows und Echtzeit-Kollaboration .

Zero-Touch-Provisionierung und eSIM-Automatisierung

Für IT-Verantwortliche verspricht die Lösung eine massive Reduktion des administrativen Aufwands. Durch das integrierte eSIM-Management entfällt die physische SIM-Logistik vollständig .

Laut Ericsson-Analysen könne die Automatisierung der eSIM-Bereitstellung die Arbeitszeit für die Einrichtung der Konnektivität um nahezu 100 Prozent reduzieren .

Strategisches Ziel: Das „Infrastructure Light“-Büro

Über die reine Konnektivität hinaus verfolgt die Partnerschaft das Ziel, die IT-Infrastruktur in Büros radikal zu verschlanken. Unter dem Begriff „Infrastructure Light“ propagiert Ericsson ein Modell, bei dem Unternehmen teure und wartungsintensive lokale Hardware wie komplexe WLAN-Installationen oder LAN-Verkabelungen durch 5G-Standalone-Architekturen ersetzen .

Durch diesen Ansatz lassen sich laut internen Analysen die IT-Infrastrukturkosten (TCO) um bis zu 50 Prozent senken. Da die Authentifizierung hardwarebasiert über die eSIM erfolgt, wird 5G zum Fundament für Zero-Trust-Modelle: Der Standort des Geräts spielt für die Sicherheit keine Rolle mehr, da die Identität des Endpunkts bereits auf Netzwerkebene validiert ist .

Rollout und Verfügbarkeit in Deutschland

Die Lösung soll einem gestaffelten globalen Rollout eingeführt werden. Während Märkte wie die USA (T-Mobile), Schweden (Telenor) und Japan (SoftBank) bereits zum Start im Februar 2026 bedient werden, ist die Einführung in Deutschland für den weiteren Verlauf des Jahres 2026 geplant .

Partner für den deutschen Markt ist O2 Telefónica Germany . Der Anbieter hat sein 5G-Netz bereits massiv ausgebaut und erreicht nach eigenen Angaben rund 99 Prozent der Bevölkerung. Für Unternehmenskunden ist dabei die zunehmende Verfügbarkeit von 5G Standalone (5G SA) entscheidend, da erst diese Architektur Features wie Network Slicing unterstützt. Eine Voraussetzung, um garantierte Bandbreiten für spezifische Enterprise-Anwendungen bereitzustellen.

Auf dem MWC Barcelona 2026 wollen Microsoft und Ericsson, die Lösung live demonstrieren, einschließlich der Fernkonfiguration von Netzwerkrichtlinien und des automatischen Wechsels zwischen mehreren Mobilfunkanbietern.

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