Anbieter zum Thema
Standardisierung ist gefragt
Ein Punkt, der im Zusammenhang mit WDM-PON noch Fragen aufwirft, ist die Standardisierung. Gegenwärtig mangelt es an entsprechenden herstellerübergreifenden Normen (siehe: Abbildung 3). Diese wiederum sind wichtig, weil Service-Provider erst dann, ähnlich wie bei DSL, NTs (Network Terminations) bereitstellen können, ohne dass sie an eine bestimmte Netzinfrastruktur gebunden sind. Das heißt: Infrastruktur und Dienste sind unabhängig voneinander.
Die Anbieter von WDM-PON-Komponenten setzten bislang entweder auf bewährte WDM-Technik oder auf ihre eigenen Standards. Allerdings ist in diesem Punkt Abhilfe in Sicht. Führende Anbieter von WDM-PON-Lösungen, darunter ADVA Optical Networking, haben sich im WDM-PON-Forum zusammengefunden. Dieses Gremium hat sich zum Ziel gesetzt, den Markt für WDM-PON-Technologien zu entwickeln.
Ein Aspekt hierbei ist auch die allgemein gültige Spezifikationen für die Komponenten von passiven optischen Netzen auf Basis von Wellenlängen-Multiplexing zu erarbeiten. Dies soll die Interoperabilität von WDM-PON-Installationen sicherstellen. Im Vergleich zu GPONs liegen zudem heute die Kosten der Komponenten von WDM-PONs höher. Dieses »Problem« dürfte allerdings von selbst erledigen, sobald die optischen Bauteile in größeren Stückzahlen hergestellt werden.
Wie groß das Interesse von Herstellern und Netzbetreibern am Thema WDM-PON ist, war Mitte September auf der FTTH Council Conference in Las Vegas zu beobachten. Am ersten Workshop, den das WDM-PON-Forum veranstaltete, nahmen mehr als 140 Fachleute teil – deutlich mehr, als die Veranstalter erwartet hatten. Unterlagen zu den Vorträgen, die in Las Vegas gehalten wurden, stehen übrigen auf der Web-Seite von Fiberin (www.fiberin.com) zum Herunterladen zur Verfügung.
Trend: Ethernet bis zum Teilnehmer
Die Glasfaser läuft in diesem Fall bis in den Keller eines Gebäudes. Dort übernimmt ein Ethernet-Switch die Aufgabe, die Leitungen beziehungsweise Services weiter zu verteilen Diese Dienste müssen nicht zwangsläufig vom Betreiber der Infrastruktur angeboten werden. WDM-PON ermöglicht es dank seiner Transparenz, Telekommunikations- und IT-Dienste unterschiedlicher Betreiber über eine gemeinsame Infrastruktur anzubieten.
Erst mithilfe von WDM-PON lässt sich somit ein breit gefächertes Angebot and Endkunden-Diensten realisieren. Ein weiterer Trend im Zusammenhang mit WDM-PONs: Mithilfe von Dense Wavelength Division Multiplexing (DWDM) werden mehr als 100 Wellenlängen zur Verfügung stehen. Tests mit DWDM-Receivern für passive optische Netze, die 2,5 GBit/s unterstützen, wurden derzeit durchgeführt. In Europa läuft unter der Bezeichnung „GigaWAM“ ein Forschungsprojekt, in dessen Rahmen Komponenten für DWDM-PONs entwickelt werden. Feldversuche mit den entsprechenden Technologien sollen im Frühjahr 2011 anlaufen.
Ein weiteres Projekt der Europäischen Union, an dem auch Adva Optical Networking maßgeblich beteiligt ist, trägt die Bezeichnung EU FP7 Project C-3PO. Sein Ziel: die Entwicklung von Bausteinen für optische Netze, die ohne Kühlung auskommen. Die integrierten optischen Komponenten auf Silizium-Basis sollen zudem kostengünstig und nicht auf eine Wellenlänge limitiert sein (»colorless«). Sollte dieses Projekt zu konkreten Produkten führen, wären damit einige der Schachpunkte des WDM-PON-Konzepts beseitigt.
Fazit: WDM-PONs als solide Grundlage für Breitbanddienste
Abschließen lässt sich sagen, dass passive optische Netze, die WDM oder DWDM verwenden, im Vergleich zu Technologien wie GPON oder EPON erhebliche Vorteile bieten: höhere Bandbreiten pro Teilnehmer, die Möglichkeit, dedizierte Punkt-zu-Punkt-Verbindungen einzurichten und eine deutlich bessere Skalierbarkeit und Flexibilität, Stichwort Unabhängigkeit von Protokollen.
Ein Problem, das sich in Deutschland immer stärker zu einem Standortnachteil auswächst, wird allerdings auch WDM-PON nicht lösen können: FTTH und FTTB funktionieren nur dann, wenn das Konzept des »Open Access« in die Tat umgesetzt wird, also die Trennung von Daten- und Telekommunikationsservices und dem Netz. Erst dann, wenn unterschiedliche Service-Provider die Möglichkeit haben, über dieselbe Infrastruktur ihre Dienste anzubieten, ist die Deregulierung im Telekommunikationsbereich in die Tat umgesetzt, zum Nutzen von Anwendern und Providern.
Die Autoren:
Die Autoren: Dr. Michael Ritter ist Vice President Technical Marketing, Dr. Stephan Neidlinger ist Vice President Application and Solution Management bei Adva Optical Networking. Das Unternehmen ist ein führender Anbieter von Lösungen für optische Transportnetze und Ethernet-Infrastrukturen.
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