Token, Datenmarktplatz und Community für das IoT

IOTA arbeitet weiter am Ledger of Things

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Andreas Donner

Während Kritiker sich an Schwächen des Tangle abarbeiten, baut IOTA an Community und Partnerökosystem.
Während Kritiker sich an Schwächen des Tangle abarbeiten, baut IOTA an Community und Partnerökosystem. (Bild: iota.org)

Das Projekt IOTA trägt das Internet of Things bereits im Namen und will vieles anders machen als die übrigen Kryptoprojekte. Dabei haben sich die Macher nicht nur technisch von der Blockchain emanzipiert, sondern schaffen zugleich einen Marktplatz für Daten.

Wenngleich die Kryptowährung Bitcoin für Kontroversen sorgt erkennen auch zahlreiche Kritiker ein erhebliches Potential in der dahinter liegenden Technik. Die heißt Blockchain und will Transaktionen manipulationssicher dokumentieren. Statt eines vertrauenswürdigen Mittelsmanns sollen dabei Konsensalgorithmen für die Echtheit der dokumentierten Überweisungen sorgen.

Allerdings birgt diese Blockchain einige Probleme, die IOTA lösen will: In seiner ursprünglichen Ausprägung skaliert das Bitcoin-System ungemein schlecht. Weil die Blöcke der Blockchain im Schnitt nur alle zehn Minuten erzeugt werden, kann von unmittelbaren Zahlungen keine Rede mehr sein. In Überweisungen gemessen ist der Durchsatz der Bitcoin-Blockchain zudem überaus gering, die Gebühren erreichen teilweise den Gegenwert eines zweistelligen Euro-Betrags. Weil Bitcoin überdies auf ein rechenintensives „Proof of Work“-Konzept setzt, verschwenden die Miner – also jene Rechner, welche die Blöcke schließlich abschließen – jede Menge Energie.

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Das ist den Entwicklern freilich bekannt. Mit den aufkommenden Lightning-Netzwerken steht Bitcoin eine Erweiterung bevor, die das Kapazitätsproblem entschärfen könnte. Andere Kryptowährungen erlauben bereits heute Transaktionen im Sekundenbereich, beispielsweise Nano (ehemals Raiblocks) mit einem Block-Gitter (PDF).

IOTA ist anders

Auch die Macher von IOTA haben bereits 2014 erkannt, dass Skalierbarkeit und Transaktionskosten insbesondere bei der Kommunikation zwischen Maschinen Knackpunkte darstellen. Ihre damalige Vision beschreiben die Entwickler retrospektiv als „Ledger of Everything“, einem De-facto-Standard der Internet of Things, Industrie 4.0 und die vertrauenslose „On Demand Economy“ zusammenbringen soll.

Die ersten Codezeilen für IOTA sind 2015 entstanden. Mittlerweile steht hinter dem Open-Source-Protokoll die nicht gewinnorientierte IOTA Foundation mit Sitz in Deutschland.

Knäuel statt Kette

Statt einer Blockchain verwendet IOTA einen gerichteten, azyklischen Graphen (Directed Acyclic Graph, DAC), der in Anspielung auf seine visuell verworrene Darstellung auch als „Tangle“ bezeichnet wird. Im IOTA-Whitepaper (PDF) wird der Tangle als nächste Evolutionsstufe der Blockchain bezeichnet.

Das Tangle besteht aus Nodes. Wollen diese eine Transaktion erstellen, müssen sie dabei zugleich zwei bereits bestehende Transaktionen bestätigen – die Auswahl erfolgt dabei über einen speziellen Algorithmus, beide Transaktionen dürfen einander nicht widersprechen, der Node muss ein vergleichsweise einfaches kryptographisches Rätsel lösen.

Damit entfällt die Notwendigkeit für separate Miner, die bei der Blockchain für die Erstellung der einzelnen Blöcke benötigt werden. Zugleich erhöht sich die Skalierbarkeit und es entfallen jene Überweisungsgebühren die normalerweise an Miner gezahlt werden würden. Im Gegensatz zu Bitcoin skaliert das Tangle damit mit zunehmender Teilnehmerzahl immer besser. Und nicht nur das ist für eine künftige IoT-Welt mit Milliarden unterschiedlicher Geräte essentiell. Überdies rechnen sich mit IOTA selbst Mikrotransaktionen, da Überweisungen keine Gebühren kosten.

IOTAs Algorithmus soll überdies zukunftssicher, weil immun gegenüber Attacken mit Quantenrechnern sein.

Nicht ohne Kritik

Wenngleich die Vorteile des Tangle einleuchten, ist der Ansatz nicht ohne Kritik. Bitcoin-Fürsprecher und Autor des Buches „Mastering Bitcoin“ Andreas M. Antonopoulos erkennt in IOTAs Tangle die Gefahr einer möglichen Zentralisierung durch koordinierte Nodes, die von der IOTA-Foundation betrieben werden. Solange diese Systeme noch im Netz sind lasse sich überdies nicht feststellen, wie sicher das Tangle in einem tatsächlich dezentralen Modus liefe.

In die gleiche Kerbe schlägt Daniel Gerlach, YouTuber und Betreiber der Homepage Cointrend.de. Er berichtet, dass fehlgebuchte IOTA-Transaktionen von zentraler Stelle rückgängig gemacht worden seien. Überdies glaubt Gerlach, dass IOTA verglichen zu Nano keine wirklichen Vorteile biete und in besonders hohem Maße für Bugs anfällig sei, weil es eigene Sammlungen von Funktionen benutzt.

Ökosystem und Marktplatz

Aller Kritik zum Trotz arbeitet IOTA jedoch gut sichtbar an praktischen Anwendungen. Mit dem Data Marketplace baut die Foundation beispielsweise an einer Plattform, über die Nutzer einzelne Daten oder Streams von Sensoren kaufen können. Das noch für März angekündigte IOTA ECOSYSTEM soll zudem eine Community für Entwickler, Start-ups und sonstige Interessierte bieten.

Mit diesen Initiativen trifft das Projekt offenbar auf offene Ohren bei Wirtschaft und Forschung. Als Nutzer listet der Data Marketplace aktuell über 50 Teilnehmer, darunter Namen, wie KPMG, Fujitsu oder University of Oslo.

Auch Bosch kooperiert bereits seit 2015 mit IOTA. Im Dezember vergangenes Jahr hat die Robert Bosch Venture Capital dann verkündet, eine größere Menge an IOTA-Tokens erworben zu haben, um die industrielle Nutzung der dahinterliegenden Technologien zu erkunden.

IOTA-Mitgründer Dominik Schiener glaubt fest daran, dass sich IOTA zum Rückgrat einer aufkommenden „Machine Economy“ mausern kann. Darum werde man noch intensiver mit führenden IoT-Unternehmen zusammenarbeiten und hoffe bis Ende 2018 erste marktreife Lösungen präsentieren zu können. Womöglich steigt dann auch der Preis des IOTA Tokens wieder an. Wurden während der allgemeinen Kryptorally im Dezember teils über fünf US-Dollar pro MIOTA gezahlt, steht der Preis Ende März 2018 bei 1,34 US-Dollar.

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