Perfect Privacy soll strafrechtliche Inhalte geroutet haben

Hausdurchsuchung bei Erfurter VPN-Betreiber

24.08.2010 | Redakteur: Ulrike Ostler

VPN-Betreiber Perfect Privacy zeigt sich erbost über die Hausdurchsuchung – ein Eindringen in die Privatsphäre?
VPN-Betreiber Perfect Privacy zeigt sich erbost über die Hausdurchsuchung – ein Eindringen in die Privatsphäre?

Am vergangenen Freitagmorgen hat die Polizei bei einem der Administratoren des VPN-Netzes Perfect Privacy eine Hausdurchsuchung vorgenommen. Dabei wurden fünf Rechner samt Festplatten und Speichermedien beschlagnahmt. Es besteht der Verdacht, dass über die Privatsphärenserver in Erfurt strafrechtlich relevante Kommunikationen geroutet wurde.

Nach Angaben der Betreiber von Perfect Privacy erfolgte die Durchsuchung zwischen 7 und 8 Uhr. Der Admin fungiert als „Kontaktperson für Perfect Privacys Server in Erfurt“.

In der Diskussion zur Veröffentlichung des Sachbestands durch Perfect Privacy heißt es zu den Gründen der Durchsuchung: „Wir wissen selbst noch nicht, wie und wieso es dazu eigentlich gekommen ist.“

Perfect Privacy ist ein Zusammenschluss von Einzelpersonen, die VPN-Server betreiben und ihre Dienste unter einer gemeinschaftlichen Oberfläche anbieten. Gegen Bezahlung können Anwender ihren gesamten Internet-Traffic verschlüsselt durch die Server solcher Anbieter schleusen. Das soll die Rückverfolgung erschweren. Log-Dateien legt Perfect Privacy nach eigenen Angaben nicht an.

Bagatellen und Kinderkram

In den gleichermaßen Erläuterungen zu der offiziellen Bekanntmachung erläutert ein Administrator: „Wir kriegen immer wieder mal Auskunftsersuchen von Polizeidienststellen oder Staatsanwaltschaften, die wir dann ausführlich beantworten, dergestalt, dass uns im Fazit das Telemediengesetz das Speichern von Verbindungsdaten eben nicht gestattet.“

Es sei zwar ein erheblicher Aufwand, “Aber wir kümmern uns auch wirklich um diese Dinge und suchen den persönlichen Kontakt, auch dort und gerade da, wo Erklärungsbedarf besteht, etwa wenn ein ermittelnder Beamter mit Wörtern wie „Proxy“, „VPN“, „TOR“ und so weiter wenig anfangen kann und all das für ihn relatives Neuland ist.“

Im Grunde gehe es fast immer nur um „Bagatelldelikte und Kinderkram, zum Beispiel irgendein Schüler, der mit jemandes anderer Kreditkarte ‚ne Playstation bestellt“. Weiter steht auf der Seite: „Gut möglich, dass dieses Mal irgendjemand seine Hausaufgaben nicht gemacht und nicht einmal überprüft und bemerkt hat, dass die Server als öffentliche Verkehrsträger und nicht privat verwendet werden.“

Schaden und ein wenig offline

Bei der Hausdurchsuchung hat die Polizei fünf PCs mitsamt Speichermedien beschlagnahmt. Das entspreche einem Schaden von 6000 bis 6500 Euro, so der VPN-Betreiber. „Perfect Privacy hat bereits mit einem Rechtsanwalt Kontakt aufgenommen, der unter anderem Akteneinsicht beantragen wird“, heißt es weiter.

Im Übrigen seien die Rechner, sofern sie für administrative oder sonstige Tätigkeiten rund um Perfect Privacy eingesetzt wurden, „allesamt vollverschlüsselt“.

Nach Angaben von Perfect Privacy wurden die Server wurden nicht beschlagnahmt. Sie sind nach wie vor online, können gepingt werden und Perfect Privacy besitze weiterhin die Root- und Verwaltungsrechte, teilt der Betreiber mit.

Allerdings hätte sich Perfect Privacy „dazu entschlossen, vorübergehend alle Dienste in Erfurt (OpenVPN, PPTP VPN, L2TP/IPSec VPN, SOCKS5, SQUID) zu deaktivieren, um jenen unser Mitglieder, die erhöhte Sicherheitsbedürfnisse haben, Zeit zu geben, diese Ankündigung zu lesen und eine Risiko-Evaluierung vorzunehmen.“

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