Das IT-Störungsmanagement in der Praxis

Ganzheitliches Umbrella-Monitoring vs. diversifizierter Insellösungen

| Autor / Redakteur: Gerhard Laußer / Andreas Donner

Europipe hat nicht nur bei Rohren den Durchblick, sondern dank Umbrella-Monitoring auch bei der IT.
Europipe hat nicht nur bei Rohren den Durchblick, sondern dank Umbrella-Monitoring auch bei der IT. (Bild: Europipe)

Bei komplexen IT-Landschaften gehören Probleme zum Alltag: Server sind überlastet und nicht mehr ansprechbar, eine Netzwerkverbindung ist abgebrochen oder eine Datenbank „hängt“. Abhilfe ist aber nur möglich, wenn man weiß, wo es hakt – und hierbei helfen Monitoring-Lösungen. Wir werfen einen Blick auf Anforderungen, Trends und Best Practices.

Fast alle Unternehmen sind darauf angewiesen, dass ihre IT-Systeme reibungslos funktionieren und Störungen sofort erkannt sowie deren Ursachen beseitigt umgehend werden können. Dazu setzen sie auf Monitoring-Lösungen, welche den Betrieb und die Leistungsfähigkeit der Systeme permanent überwachen.

In den IT-Abteilungen vieler Unternehmen hat man sich in den letzten Jahren allerdings verstärkt mit Trendthemen wie Virtualisierung, Cloud Computing oder serviceorientierten Architekturen beschäftigt; das Thema Monitoring ist dabei vielfach in den Hintergrund getreten. Als Resultat dieser stiefmütterlichen Behandlung setzen viele Unternehmen heute zwar spezielle Monitoring-Lösungen für einzelne Komponenten wie Software, Hardware oder Infrastruktur ein, dies ermöglicht jedoch nur eine punktuelle Überwachung. Zudem sind die vielen einzelnen Werkzeuge in ihrer Gesamtheit schwer zu administrieren, denn sie bringen Software-seitig eine Vielzahl inkompatibler Protokolle, Netzwerk-seitig eine isolierte und daher unproduktive Datenhaltung mit sich.

Für die einzelnen Teilbereiche mögen die Monitoring-Lösungen und Reports vielleicht ausreichen, für den IT-Leiter, der sich einen Gesamtüberblick verschaffen muss, stellen sie jedoch eine große, vor allem zeitliche Herausforderung dar. Es ist für ihn in einer diversifizierten Monitoring-Landschaft fast unmöglich, die Ergebnisse zu konsolidieren. Damit muss er also Informationseinbußen und somit ein grundsätzliches Risiko in Kauf nehmen.

Besonders heikel wird es bei dezentral organisierten IT-Landschaften an unterschiedlichen Standorten mit verschiedenen Zeitzonen etc. Hier ist der Gesamtüberblick über Netzwerkausfälle, Störungen, Verbindungsunterbrechungen, Einbußen in der Leistungsfähigkeit einzelner Systeme und vieles mehr noch viel stärker getrübt. In letzter Konsequenz kann ein vernachlässigtes oder nur punktuell mögliches Monitoring direkte negative Auswirkungen auf Umsatz und Image haben oder sogar rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen, wenn z.B. Systeme für Kunden nicht mehr ansprechbar sind und Service Level Agreements nicht eingehalten werden können. Betroffen sind alle Branchen, bei denen das Funktionieren der Systeme geschäftskritisch ist – z.B. in der Produktion oder der Logistik. Unter dem Stichwort Umbrella-Monitoring nimmt das Thema jedoch aktuell wieder an Fahrt auf. Es ist ein wichtiges Schlagwort, mit dem sich IT-Beauftragte in Unternehmen aktuell beschäftigen.

Ganzheitliches Monitoring versus Insellösungen

Für betroffene Unternehmen ist es daher notwendig, ihre gesamte IT zentral überwachen zu können, d.h. sowohl Software als auch Hardware und die Infrastruktur. Und hier kommt das Umbrella-Monitoring ins Spiel. Wie der Name bereits vermuten lässt, handelt es sich dabei um einen ganzheitlichen Ansatz für ein übergeordnetes Monitoring-System.

Ergänzendes zum Thema
 
Open Monitoring Distribution (OMD) in Kürze

Das heißt, die über die Jahre angewachsenen Monitoring-Insellösungen durch eine übergeordnete, einheitliche und umfassende Überwachungslösung zu ersetzen und dem Wildwuchs an hoch spezialisierten Monitoring-Instrumenten ein Ende zu bereiten. Dabei gilt es, den Tool-Park auszudünnen und Monitoring-Ergebnisse zu konsolidieren.

Möglich ist dies mit einer Monitoring-Komplettlösung. Eine solche dient allerdings nicht dazu, die heterogenen Daten und Befunde der spezialisierten Tools im Nachhinein zu bündeln, sondern sie basiert per se auf einer zentralisierten und übergreifenden Datenhaltung. Sie ist die Basis für ein fachbereichsübergreifendes Interventionsmanagement mit kurzen Krisenreaktionszeiten.

Fallbeispiel 1: Europipe

Europipe ist führender Hersteller hochwertiger Großrohre zum Transport von Gas, Öl und Wasser auch für extreme Beanspruchungen. Für nationale und internationale Pipeline-Projekte wie z.B. Opal, Nord Stream oder Ichthys hat die Überwachung der Produktion höchste Priorität.

„Unser Projektgeschäft erfordert dauerhaft höchste Qualität und Terminsicherheit“, erläutern Daniel Kunske, Manager Systems & Network, und Pierre Petliczew, Systemverantwortlicher DBA bei Europipe. „Aus diesem Grund benötigen wir ein zuverlässiges und umfassendes Monitoring.“

Die Consol Consulting & Solutions Software GmbH hat als IT-Dienstleister bei Europipe ein neues IT-Monitoring-System zur Überwachung der produktionsrelevanten IT-Systeme eingeführt. Zum Einsatz kommt das auf Open Source basierende Monitoring-Ökosystem „Open Monitoring Distribution“ (OMD) mit Nagios. Den Betrieb der Monitoring-Lösung und auch die 24/7-Überwachung der IT-Infrastruktur übernimmt an den beiden europäischen Standorten der Europipe-Gruppe der IT-Dienstleister.

Um den Remote-Zugang sowie das Monitoring der produktionsrelevanten Systeme zu gewährleisten, wurde das Monitoring-System auf zwei virtuellen Servern bereitgestellt und an die Bedürfnisse der Europipe angepasst. Zur Bearbeitung aller Meldungen und Supportanfragen nutzt Consol die eigene Prozesssoftware Consol*CM. Von OMD identifizierte Meldungen der Europipe-Produktionssysteme werden automatisch als Ticket an die Prozesssoftware übergeben. Die Tickets werden vom Consol Remote Operation Center (ROC) aufgenommen, bearbeitet und dokumentiert. Dort steht Europipe ein fest definiertes Team aus Ansprechpartnern zur Verfügung, das rund um die Uhr erreichbar ist.

Fallbeispiel II: Riege Software

Als Anbieter und Hosting-Partner von Softwarelösungen für die Luft- und Seefrachtabwicklung sowie Zollanwendungen kann sich Riege Software International keine Ausfälle bei seinen weltweit verteilten IT-Systemen leisten.

Mit der Softwarelösung Scope bietet Riege eine Integrationsplattform für den Nachrichtenaustausch mit Kunden, Behörden und dem Zoll – darunter beispielsweise der deutsche, niederländische und Schweizer Zoll. Alle Nachrichten fließen automatisch in das Archivierungssystem von Scope ein. Entsprechend der vereinbarten Service Level Agreements (SLAs) sind sie so jederzeit abrufbar. Jeder Zeitverzug durch den Ausfall oder eine Störung dieses Systems würde bei den Kunden von Riege Software International, die hauptsächlich weltweit Container verschiffen, enormen wirtschaftlichen Schaden anrichten.

Das war der Grund für Riege Software International, ein Monitoring-System für die gesamte IT-Infrastruktur an allen Standorten einzuführen. Auch hier kommt OMD zum Einsatz, auf Basis von Shinken. Mit wenigen Anpassungen kann man mit OMD/Shinken auch die Überwachung verteilter Standorte realisieren – bei Riege Software International sind das die Rechenzentren in Meerbusch, Frankfurt und Hongkong.

Im Gegensatz zu einer klassischen Nagios-Lösung, die eine eigene Konfiguration für jeden Standort erfordern würde, wird diese bei Shinken nur an einer Stelle gepflegt – bei Riege in der Zentrale in Meerbusch bei Düsseldorf. OMD auf Basis von Shinken stellt ein State-of-the-Art-Konzept für die Installation und den Betrieb von Monitoring-Systemen für verteilte Umgebungen bereit. Über das Web-Interface Thruk laufen alle Monitoring-Ergebnisse in der Zentrale in Meerbusch zusammen. Für die Ausfallsicherheit sorgen redundante Komponenten an jedem Standort: So übernehmen in jeder Niederlassung beispielsweise zwei Rechner parallel das Monitoring der Systemlandschaft vor Ort. Selbst bei einem Verlust der Netzwerkverbindung zu den Außenstandorten läuft dort das Monitoring damit autark weiter.

Faktoren für ein erfolgreiches Monitoring

Wie bei (fast) allen IT-Projekten sollten bei der Wahl einer geeigneten Monitoring-Lösung alle IT-Fach- sowie Betriebsabteilungen in den Auswahlprozess einbezogen werden. Denn erst wenn alle typischen Ausfallszenarien gesammelt sind, entsteht das Gesamt-Anforderungsprofil an die Monitoring-Lösung.

Dienstleister wie die Consol Consulting & Solutions Software GmbH, deren Spezialgebiet u.a. das Monitoring ist, erleben dabei immer wieder, dass die sich im Einsatz befindenden Herstellerlösungen bestimmte Wünsche der Abteilungen nicht erfüllen können. In einem solchen Fall empfiehlt Consol Open Source-Lösungen, bei denen sich Erweiterungen einfach selbst programmieren lassen.

Für den Fall, dass sich manche Administratoren nur ungern von ihren gewohnten Tools trennen, lässt sich ein Umbrella-Monitoring-System auch nur zum Versand von Alarmen nutzen, das eigentliche Monitoring bleibt dem Altsystem überlassen. Sinnvoll sind auch Lösungen mit offenen Standards für Protokolle und den Datenaustausch sowie die automatische Generierung der Konfigurationsdateien aus einer CMDB.

Gerhard Laußer
Gerhard Laußer (Bild: Consol)

Ein zusätzlicher Vorteil einer Umbrella-Lösung gegenüber Einzellösungen bleibt jedoch und bringt großes Gewicht mit: Sie ist in ihrem Gesamtpaket updatefähig. Das minimiert den Updateaufwand erheblich.

Über den Autor

Gerhard Laußer ist Leiter der Business Unit Monitoring bei Consol.

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