Beacons auf dem Vormarsch

Funkfeuer für Marketing, Logistik & Co.

| Autor / Redakteur: Errett Kroeter / Andreas Donner

Beacons heißen die elektronischen Bluetooth-Leuchtfeuer, die Marketing, Werbung, Logistik und Produktion revolutionieren wollen.
Beacons heißen die elektronischen Bluetooth-Leuchtfeuer, die Marketing, Werbung, Logistik und Produktion revolutionieren wollen. ( © somchaij - Fotolia)

Die Analysten von ABI Research erwarten, dass bis 2019 etwa 60 Millionen Beacons im Einsatz sein werden. Kein Wunder, denn immer mehr Unternehmen, insbesondere in der Han­dels­bran­che, entdecken den Ge­schäfts­nut­zen der Tech­no­lo­gie. Zudem sind Beacons im Zeit­al­ter von Industrie 4.0 immer öfter Bin­de­glied zwi­schen Werkstücken und Maschinen ei­ner­seits und dem Internet der Dinge andererseits.

Beacons – das englische Wort für „Funk- bzw. Signalfeuer“ oder auch Lechtfeuer/Leuchtturm – sind kleine Bluetooth-Sender verbaut in kleinen Gehäusen, die lediglich von einer eingebauten Batterie mit Strom versorgt werden. Als „aktive“ Bauelemente senden sie in bestimmten zeitlichen Intervallen ihre Kennung, die von Antennen in einem Umkreis von bis zu 70 Metern empfangen und gelesen werden kann. Die tatsächliche Reichweite kann sogar über diesen Radius ausgedehnt werden, Anwender nutzen jedoch je nach Kontext eher nähere Bereiche.

Die drahtlose Datenübertragung der Beacons basiert auf der etablierten „Bluetooth Low Energy“-Technik und ermöglicht die schnelle Übertragung von Daten aus einigen Metern Entfernung bei sehr geringem Energieverbrauch. Sowohl Android als auch iOS unterstützen diese Technologie, was die Einsatzmöglichkeiten potenziert.

Durch die Nutzung von Bluetooth lassen sich die Informationen eines Beacons über jedes Bluetooth-fähige Endgerät abrufen und weiterverarbeiten. Eine teure „Empfangslösung“ ist nicht nötig. Da Beacons nur sehr kleine Datenpakete senden, arbeiten sie sehr energieeffizient. Wie alle Bluetooth-Geräte senden auch sie im ISM-Frequenzbereich. Anders jedoch als ältere Bluetooth-Varianten teilen sie das 2,4-Gigaherz-Band nicht in 79, sondern in nur 40 Kanälen mit einer Kanalbreite von zwei statt einem Megahertz. Zudem sind Beacons auch mit mobilen Geräten wie Handys, Tablets oder Laptops kompatibel. Die kleinen Funkfeuer sind reine GAP (Generic Access Profile) Broadcaster, selbst bauen sie keine Verbindung zu anderen Geräten auf.

Beacon-App nicht immer erforderlich

Damit ein Smartphone mit dem Signal eines Beacons etwas anfangen kann, muss dazu auf dem Handy eine spezielle App installiert sein. So weiß das Gerät, was die Ziffern bedeuten, die es gerade empfängt bzw. die Signale der Beacons können in den Kontext der Applikation eingebettet werden.

Kommt ein so ausgestattetes Gerät dann in die Reichweite eines Senders/Beacons, lässt die Technologie eine sehr genaue Standortbestimmung zu. Dabei werden alle Informationen, die benötigt werden, um das sendende Beacon zu lokalisieren, im Advertising-Datenpaket mitgeliefert – und das auf eine sehr sparsame Art und Weise. Die Apps werden in der Regel von den Beacon-Betreibern bereitgestellt.

Eddystone, die Beacon-Technologie von Google, geht noch einen Schritt weiter: Sie kann nämlich neben den überlicherweise als Signal gesendeten Universally Unique Identifiers (UUID) auch direkt URLs ausliefern. Dadurch lassen sich Informationen im Web-Browser darstellen, ohne dass der Nutzer zuvor eine App zur Verwertung der Beacon-Signale installiert hat.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Die Einsatzmöglichkeiten von Beacons sind sehr vielfältig. Sie werden bereits seit einiger Zeit in Kaufhäusern, Flughäfen, Büros, Museen oder auf Messen genutzt und dienen Nutzern als Navigationshilfe und persönlicher Newsfeed. Dabei machen sich Organisatoren und Unternehmen die kleinen Funkfeuer zunutze, um beispielsweise Besucherströme gezielt zu lenken oder die Auslastung ihres Angebots zu optimieren. Die Messe Frankfurt setzt bei ihren unterschiedlichen Messen beispielsweise iBeacons für Aussteller ein. Diese treten über Beacons in direkten Kontakt mit Messebesuchern und lassen ihnen Videos und Messages wie Broschüren oder Flyer mit einem Content Download zukommen. Am Flughafen Frankfurt nutzt die Lufthansa Beacons, um in Kombination mit der Lufthansa-App für iOS auf die nächste Lufthansa-Lounge oder auf die Wartezeiten am Sicherheits-Check hinzuweisen.

Schnelle und kostengünstige Lösung

Gerade weil Beacons eine kostengünstige Verwaltung und beschleunigte App-Entwicklung ermöglichen, bieten sie eine Reihe neuer Einsatzmöglichkeiten abseits der bisher bekannten und vorwiegenden verbrauchsorientierten Services: Dank sinkender Stückkosten und vereinfachter Anwendungsintegration empfiehlt sich diese Technologie auch für industrielle Anwendungsfelder wie Produktion, Logistik, Landwirtschaft und Automation sowie die Wartung oder Inventarisierung von Anlagen.

Steve Hegenderfer, Director of Developer Programs bei Bluetooth SIG, ist sich sicher, dass es für Beacons viele interessante Einsatzmöglichkeiten gibt: „Neben dem Smart Home, dem Smart Building und der Smart City gilt dies auch für größere oder industrielle Betriebe und Anlagen. Möglich wird dies vor allem durch den geringen Energieverbrauch, die intelligente Vernetzung sowie die weitere Verbreitung der Technologie von Bluetooth Smart [Bluetooth Smart = Bluetooth Low Energy].“

Transportwege mit Beacons verfolgen

Ein Anwendungsszenario der Bluetooth-Technologie in der Landwirtschaft zeigt die Fliegl Agrartechnik GmbH mit ihrem Fliegl Tracker http://www.fliegl-agrartechnik.de/bluetooth-world/150/1526/5564/. Das Unternehmen hat eine Beacon-basierte Fahrzeugerkennung umgesetzt: Montiert auf Mähdreschern und auf einem LKW ist es damit möglich, Erntefahrzeuge eindeutig zu identifizieren. Knotenpunkt ist die Zwischenstation Überladewagen. Dieser ist mit dem Fliegl Wiegesystem FWS ausgestattet und erkennt via Beacon-Antenne-Kommunikation, welcher Mähdrescher ihn bestückt und auf welchen LKW er überlädt. Diese rechtssichere Zuordnung ermöglicht, die Lebensmittelsicherheit zu verbessern. Dank eines Preises von etwa 25 Euro pro Stück sind die Beacons kostengünstig und die Aufrüstung einer kompletten Ernte-Flotte mit geringen Investitionskosten verbunden.

Reibungslose Fertigungs- und Logistikprozesse

Es ist aber auch vorstellbar, Beacons in der Produktion einzusetzen. Dort könnten sie Maschinen, Menschen und Materialien identifizieren und orten. Aufgrund der schnellen Datenübertragung könnten beispielsweise Wartungs- und Auslastungszahlen noch besser orts- und zuständigkeitsbasiert ins Monitoring und die Wartung von Maschinen einfließen. Diese wäre insbesondere bei komplexen Fertigungsprozessen wie beispielweise in der Einzel- und Kleinserienfertigung vorteilhaft, bei denen es häufig zu hohen Fehlteilquoten, Rückständen und fehlender Termintreue kommt.

Lassen sich Zustände von Maschinen und Standorte von Werkzeugen leichter ermitteln oder Daten schneller bereitstellen, ließe sich die Komplexität der Produktion und deren Planung verringern. Unternehmen profitieren von einer besseren Steuerung von logistischen und industriellen Prozessen. Und der Leiter der Produktion könnte mit seinem Smartphone durch die Produktionsstätte gehen und Informationen in Echtzeit von Maschinen wie Stillstandzeiten oder Ausfälle ortsgebunden ablesen.

Aber nicht nur in der Produktion könnten Beacons künftig für reibungslose Prozesse sorgen, auch ein Einsatz in der Produktions- und Warenlogistik ist denkbar. Hier könnten beispielsweise auch Technologien wie Temperatur-, Druck- und Beleuchtungs-Sensorik durch die Transmitter ausgebaut und Fertigungsteile sensorisch verfolgt werden. Da Planer somit viele zusätzliche aktuelle Informationen aus der Fertigung erhalten würden, wäre es möglich, die Produktions- und Lieferkette weiter zu automatisieren und stets im Blick zu haben.

Fazit

Anders als passive RFID-Tags benötigen Beacons kein zusätzliches Leseequipment. Daher punkten sie gegenüber anderen aktiven Transpondern mit einer einfachen Implementierung und langfristig geringeren Kosten. Da die kleinen Leuchtfeuer in der Lage sind, Informationen in verschiedenen Weisen an Apps auf mobilen Geräten zu übermitteln, lassen sich Änderungen via Backend-Anbindung in Kernsysteme zurück übertragen. Dadurch können Prozesse optimiert und beschleunigt werden.

Errett Kroeter
Errett Kroeter (Bild: Bluetooth SIG)

Kein Wunder, dass bereits viele Unternehmen ihre Neubauten mit einer vorbereiteten Beacon-Infrastruktur ausrüsten lassen, um für künftige Anforderungen vorbereitet zu sein. Insbesondere aufgrund der geringen Kosten und der relativ einfachen Integration stehen Beacons für vielversprechende Einsatzmöglichkeiten in der Zukunft.

Über den Autor

Errett Kroeter ist Senior Director of Brand & Development bei der Bluetooth SIG. Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung im Marketing von Schwellen-Technologie führt Kroeter ein internationales Team, das alle Aspekte des Bluetooth Marketing, der Markenführung, Kommunikation und des Business Development abdeckt.

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