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Bell Labs schicken zehn Gbit/s über kurze Kupferkabel FTTC + Kupfer = FTTH

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Den Bell Labs ist es gelungen, zehn Gbit/s auf herkömmlichen Kupferkabeln zu übertragen. Hierfür wurde die G.fast-Technik erweitert. Über Distanzen von bis zu 70 Metern soll XG-FAST noch symmetrische Bandbreiten von einem Gbit/s transportieren.

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So schnell wie Glasfasern: Auf den letzten Metern bringen G.fast und XG-FAST Breitband in die Wohnungen der Endverbraucher.
So schnell wie Glasfasern: Auf den letzten Metern bringen G.fast und XG-FAST Breitband in die Wohnungen der Endverbraucher.
(Bild: Alcatel-Lucent )

Zumindest auf den letzten Metern können Telefonkabel aus Kupfer ähnliche Bandbreiten wie Glasfasern bieten. Das belegt Alcatel-Lucents Forschungszweig Bell Labs: Unter Laborbedingungen habe man jetzt zehn Gigabit pro Sekunde über 30 Meter Kupferkabel geschickt. Die XG-FAST genannte Technik wird demzufolge auch als Alternative zu echtem FTTH beworben.

Unter realen Bedingungen können Kupferadern bis zu 70 Meter überbrücken und dabei zwei Gbit/s transportieren.
Unter realen Bedingungen können Kupferadern bis zu 70 Meter überbrücken und dabei zwei Gbit/s transportieren.
(Bild: Alcatel-Lucent )

XG-FAST basiert auf dem ITU-T-Standard G.fast, nutzt jedoch höhere Frequenzen. Beim jetzt geglückten Versuch wurden Daten mit 500 MHz auf zwei Leitungspaaren über 30 Meter transportiert. Die maximale Gesamtgeschwindigkeit betrug zehn Gbit/s. Unter realitätsnahen Bedingungen, ohne Bonding und mit 350 MHz erreicht XG-FAST noch immer zwei Gbit/s über 70 Meter – oder anders formuliert: ein Gbit/s symmetrisch. Höhere Frequenzsignale seien nach 70 Metern jedoch komplett ausgeblendet worden.

Obwohl die Bell Labs gewöhnliche Kupferkabel eines europäischen Netzbetreibers verwendeten, lassen sich die Laborwerte nur bedingt auf den praktischen Netzbetrieb im Feld übertragen. So können Qualität und Dicke vorhandener Kupferkabel die Übertragungsraten beeinflussen. Das Nebensprechen bei angrenzenden Kabeln müsse unter Umständen per Vectoring kompensiert werden.

Parallele Forschungen beim Fraunhofer ESK

Mit der Thematik beschäftigt sich derzeit übrigens auch das Fraunhofer-Institut für Eingebettete Systeme und Kommunikationstechnik (ESK). Um die Situation in Deutschland realistisch zu bewerten, haben die ESK-Forscher Kabeltypen identifiziert und vermessen sowie typische Kabelinstallationen in Häusern untersucht. Im Projekt FlexDP soll nun eine Simulationsumgebung entwickelt werden, um beliebige Netzszenarien realitätsnah nachzustellen und praxisnah zu bewerten.

Bereits vor einem Jahr hatte Alcatel-Lucent gemeldet, 1,3 Gbit/s über 70 Meter übertragen zu können. Damals handelte es sich jedoch noch um einen asymmetrischen Transfer. Mitbewerber Huawei stellte indes schon 2012 einen Giga_DSL-Prototypen vor.

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