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Applikationsbereitstellung unter Windows Die gängigen Verfahren für Application Delivery im Überblick

| Autor / Redakteur: Johann Baumeister / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Um einen Benutzerarbeitsplatz mit den notwendigen Anwendungen zu versehen, gibt es eine Vielzahl an Methoden. Diese unterscheiden sich sowohl in puncto Technik als auch dem Einsatzzwecke und haben jeweils spezifische Vor- und Nachteil, die IP-Insider in diesem Grundlagenbeitrag näher betrachtet.

( Archiv: Vogel Business Media )

Die Unterschiede in den Verfahren der Applikationsbereitstellung liegen darin, ob diese durch vordefinierte Installation oder Just-in-Time erfolgt. Ein weiteres Unterscheidungskriterium ist der Ort der Applikationsausführung. Dies kann auf dem Clientgerät, einem zentralen Server oder in einer Mischform auf beiden Teilen erfolgen.

Der traditionelle Weg, um Applikationen auf dem Desktop verfügbar zu machen, ist die lokale Installation. Sie war zu Beginn der PC-Ära ohnehin der einzige Weg und findet auch heute noch häufig Anwendung. Dabei werden die Installationsdateien auf den jeweiligen Client gebracht und dort ein Setup-Prozess gestartet. Im einfachsten Modell wird die Applikation durch bloßes Kopieren auf dem Zielsystem „installiert“. Dies ist dann möglich, wenn keinerlei Bezug zur Registry notwendig ist.

Des Weiteren erlaubt eine ganze Armada an Client Management Suites eine effiziente Verteilung der Programme. Angeboten werden diese beispielsweise von Altiris/Symantec, Baramundi, enteo, Landesk, Matrix 42, Microsoft oder Novell. Daneben haben auch die Enterprise Suites von BMC, CA, HP oder IBM entsprechende Funktionen in ihren Programmpaketen.

In der Regel beruhen diese Verfahren auf der Definition von Softwarepaketen, die dann durch die Verteilungssoftware auf die Zielgeräte gebracht und installiert werden. Zu den Anbietern dieser Paketierer gehören Altiris/Symantec mit dem Wise Package Studio oder Installshield Software Corporation mit ihrem gleichnamigen Produkt. Seit Windows 2000 liefert Microsoft mit seinen Betriebssystemen einen eigenen Installationsdienst mit, den Windows Installer und das dazu passende Format, die MSI-Datei.

Eine einfache Methode MSI-Programme bereitzustellen stellen dabei die Gruppenrichtlinien von Windows dar. Hierbei erzeugt der Administrator ein Group Policy Object und bindet es an das MSI Paket. Um den Transport zum Client kümmert sich dann das Active Directory.

Streaming von Anwendungen

Bei allen bisherigen Varianten erfolgt die Bereitstellung der Programme durch eine feste Installation auf den Client Desktops. Mit der Verbesserung der Netzwerkbandbreite jedoch werden die Anwendungen auch vermehrt direkt aus dem Netzwerk geladen und erst bei Bedarf bereitgestellt.

Hierzu wird die Applikation im Vorfeld auf einem Prototyp-Rechner installiert. Dieser Prozess wird überwacht, alle Schritte protokolliert und der gesamte Vorgang zu einem Paket geschnürt. Dieses wird dann den Zielrechnern zur Verfügung gestellt.

Angeboten werden diese Streaming-Verfahren beispielsweise von Citrix oder Microsoft mit SoftGrid. Ein ähnliches Modell verfolgen Symantec/Altiris und Landesk mit ihren Virtualisierungslösungen. Auch hierbei wird die Applikation durch einen zentralen Server zur Laufzeit auf das Zielsystem gebracht. Dort angekommen läuft sie in einer eigenen virtuellen Runtime-Umgebungen.

Die Zuweisung von Applikationen an den Benutzer passiert entweder durch Policies oder den erwähnten Verteilungswerkzeugen. Um die Ladezeit beim Start der Anwendung zu reduzieren, packt man die am häufigsten benötigten Funktionen in ein separates Startpaket, der Rest wird bei Bedarf und im Hintergrund nachgeladen. Ferner werden einmal geladene Anwendungen auf den Client gepuffert und können später direkt von dort gestartet werden. Landesk stellt diese Anwendungen alternativ auch unter den Citrix-Tools bereit und verknüpft damit die beiden Modelle. Zudem können die virtuellen Applikationen direkt auf den Client kopiert und die dazugehörigen Shortcuts im Startmenü generiert werden.

Server Based Computing und Thin Clients

Gänzlich ohne lokale Präsenz der Applikation operieren die Techniken des Server Based Computing. Der Clientdesktop wird dabei auf die reine Präsentation der Daten reduziert. Die Anwendung wird zentral auf einem Applikationsserver ausgeführt und nur noch die Bildschirmausgaben, sowie die Benutzeraktionen werden über das Netz übertragen. Damit entfällt die Notwendigkeit einer Softwareverteilung im traditionellen Sinn.

Zu den bekanntesten Vertretern in diesem Segment zählt Citrix mit seinem Presentation Server sowie Microsoft mit dem Terminal Server.

Eine Just-In-Time-Bereitstellung von Anwendungen stellen auch die HTML-basierten Applikationen dar. Sie werden bekanntlich seitenweise, als HTML-Pages, zum Client gebracht und dort in einer speziellen Runtime-Umgebung, dem Browser, ausgeführt. Die derart konstruierten Webseiten bestehen aus einer Mischung aus statischen Inhalten und eingebetteten Codebausteinen. Der Vorteil liegt dabei vor allem in der einfachen Verteilung der Applikationen.

Werden allerdings umfangreiche Interaktion zwischen Benutzer und Anwendung notwendig, so versagt das Modell aufgrund der Beschränkung von HTML. Durch Techniken wie AJAX, das ein partielles Laden von Webseiten im Hintergrund erlaubt, will man diesen Nachteil jedoch abmildern.

Ein weiteres, allerdings proprietäres Verfahren stellt ClickOnce von Microsoft dar. Es ist ausschließlich für die Microsoft-Technik Windows Forms anwendbar. Die Erstellung der Applikationen passiert in Microsofts Entwicklungswerkzeug Visual Studio. Die erstellten Forms-Anwendungen werden auf einem zentralen Laufwerk hinterlegt. Der Benutzer erhält nur noch einen Link auf diese Applikation, die dynamisch geladen und in einer eigenen Runtime-Umgebung, der Sandbox, ausgeführt wird.

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