50 Jahre Intel

Die 68er-Revolution in der IT-Welt

| Autor: Klaus Länger

Der SRAM-Chip 1101 war 1969 das zweite Produkt der jungen Firma Intel. Mit seiner MOS-Technik war er zukunftsweisend.
Der SRAM-Chip 1101 war 1969 das zweite Produkt der jungen Firma Intel. Mit seiner MOS-Technik war er zukunftsweisend. (Bild: Intel)

Auch Intel gehört zu den 68ern: Am 18. Juli 1968 wurde der Chiphersteller gegründet, dessen Prozessoren die IT-Welt, so wie wir sie heute kennen, entscheidend geprägt haben. Denn von Intel kam nicht nur der erste serienreife Mikroprozessor der Welt, sondern mit der x86er-Technologie auch die Basis für den Siegeszug des PC.

Am Anfang stand Fairchild Semiconductor. Die Firma wurde 1957 von acht Ingenieuren gegründet, die zuvor an William B. Shockleys Shockley Semiconductor Laboratory gearbeitet hatten. Zu dieser Gruppe zählten Victor Grinich, Eugene Kleiner, Julius Blank, Sheldon Roberts, Jean Hoerni, Jay Last und die späteren Intel-Gründer Robert Noyce und Gordon Moore. Sherman Mills Fairchild, dessen Firmen Flugzeuge und Kameras für Luftaufnahmen herstellten, finanzierte die Firmengründung der acht Männer 1,5 Millionen US-Dollar und zahlte sie vertragsgemäß später mit jeweils 300.000 US-Dollar aus, seinerzeit eine erhebliche Summe. 1959 entwickelte Robert Noyce, am MIT promovierter Physiker, bei Fairchild den ersten monolithisch gefertigten integrierten Schaltkreis und wurde damit zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der Branche. Zwar hatte Jack Kilby bei Texas Instruments bereits 1958 einen integrierten Schaltkreis gebaut und Anfang 1959 patentiert. Kilbys Implementierung war aber weniger praktikabel und wurde daher zunächst auch nicht kommerziell genutzt.

Mit der Zeit verließen die meisten der acht Gründer Fairchild Semiconductor, meist um selbst eigene Firmen zu gründen. Zu dieser Zeit schossen Halbleiter-Startups geradezu aus dem Boden. Daher wurde der Landstrich auch „Silicon Valley“ genannt. 1968 schlugen schließlich auch Robert Noyce, seinerzeit Geschäftsführer bei Fairchild und der Chemiker Gordon Moore, der Forschungsleiter der Firma, diesen Weg ein. Moore war durch das 1965 formulierte Moore’sche Gesetz bekannt geworden, das eine Verdopplung der Komplexität integrierter Schaltkreise alle 18 bis 24 Monate postuliert.

Noyce und Moore bekamen das für die Firmengründung nötige Geld mit Hilfe des Investors Arthur Rock innerhalb kürzester Zeit zusammen und hoben am 18. Juli 1968 die Firma N M Electronics aus der Taufe. Ende Juli 1968 erfolgte die Umbenennung in den Namen „Intel“, eine Abkürzung für Integrated Electronic und zunächst mit tiefgestelltem „e“ geschrieben. Der dritte Mann bei Intel wurde der gebürtige Ungar Andrew S. Grove. Bei Fairchild war er der Stellvertreter von Gordon Moore. Auch Lez Vadász, der vierte Intel-Angestellte, war gebürtiger Ungar und ehemaliger Fairchild-Mann.

Der dritte Mann: Andy Grove

Robert Noyce und Gordon Moore waren zwar die Gründer von Intel, am Erfolg der Firma hatte aber Andy Grove mit Sicherheit einen ebenso hohen Anteil. Noyce war der Visionär, dessen Charisma Kunden und Angestellte mitreißen konnte, Moore der Chef der Forschungsabteilung, der neue Projekte beurteilen und vorantreiben konnte. Aber Andy Grove war der Mann bei Intel, der als Director of Operations den Laden am Laufen hielt. Er war zwar auch Ingenieur und konnte so beurteilen, welche Entwicklungen Erfolg versprachen und wo es Probleme gab, aber er prägte vor allem die Managementstrukturen bei Intel. Die ließen sich in den frühen Jahren von Intel mit dem Terminus „Konstruktive Konfrontation” zusammenfassen. Grove hatte nichts dagegen, wenn sich die Teilnehmer an Meetings anschrien, und auch er war da nicht tabu. Aber letztlich musste dabei ein brauchbares Ergebnis erzielt werden. Zudem hatte der dritte Mann bei Intel die Maxime, dass ein Unternehmen sich nie selbstgefällig auf seinen Lorbeeren ausruhen darf. Der Titel seines 1996 erschienenen Management-Handbuchs trägt daher auch den Titel „Nur die Paranoiden überleben”. Andy Grove wurde schließlich nach Robert Noyce (1968 – 1975) und Gordon Moore (1975 – 1987) der dritte Intel-CEO und behielt die Position bis 1998. Präsident der Firma war er bereits seit 1979.

Intels Ursprünge als Speicherhersteller

Das erste Produkt von Intel war im April 1969 der in Bipolar-Technik hergestellte 64-Bit-SRAM-Chip 3101. Damit hatte der seinerzeit noch kleine Hersteller die Entwicklung des Chips und dessen Produktionsstart in Rekordzeit gestemmt. Im selben Jahr folgte mit dem SRAM-Chip 1101 der erste in Großserie hergestellte MOS-Speicherbaustein mit Silizium-Gates. Mit der Entwicklung des Intel 1101 ist auch eine weitere, für die IT-Geschichte wichtige Entwicklung verknüpft: der EPROM. Der Intel-Entwickler Dov Frohman sollte Probleme bei der Zuverlässigkeit des 1101 untersuchen. Frohman entdeckte nicht nur die Ursache für den Fehler, sondern entwickelte daraus auch noch die Idee für einen Speicherbaustein, der Informationen dauerhaft halten konnte wie ein ROM-Chip, sich aber mittels UV-Licht löschen und dann neu programmieren ließ: der 1971 eingeführte EPROM-Chip. Mit ihm konnte nicht nur die Entwicklung neuer Chips beschleunigt werden, er diente auch als Speicher für die Firmware in frühen PCs. Weiterentwicklungen durch andere Hersteller waren das elektrisch löschbare EEPROM und schließlich der Flash-Speicher.

Mit dem 1103 stellte Intel 1970 einen der ersten DRAM-Chips vor. DRAMs benötigten zwar einen regelmäßigen Refresh, kamen aber mit deutlich weniger Transistoren pro Speicherzelle aus als SRAMs, was günstigere Preise und höhere Kapazitäten ermöglichte. Intel verkaufte den Kilobit-Chip 1103 nach anfänglichen Problemen mit dem Yield schließlich für einen Cent pro Bit, also für 10,24 US-Dollar. Damit waren DRAMs günstig genug, um die vorherrschenden Magnetkern-Speicher als Hauptspeicher von Computern und Rechenmaschinen abzulösen.

Revolution auf Umwegen: Der erste Microprozessor

Entwickelt hatte das im Intel 1101 und den folgenden Chips verwendete Silizium-Gate im Jahr 1968 der italienische Physiker Federico Faggin – und zwar auch bei Fairchild. 1970 wechselte Faggin zu Intel und wurde dort Projektleiter für die MCS-4-Familie und damit auch den ersten Microprozessor Intel 4004. Der basierte auf einer Idee des Intel-Ingenieurs Ted Hoff, der bereits die Grundlagen für den 1103 geschaffen hatte. Busicom, ein japanischer Hersteller von Tischrechenmaschinen, hatte bei Intel eine Reihe von Logikchips bestellt, die in Zusammenarbeit mit Intel entwickelt wurden. Allerdings kam Hoff, der sich ausgiebig mit den ersten Minirechnern wie dem DEC PDP-8 beschäftigt hatte – wobei diese Minirechner nur im Vergleich zu Mainframes klein waren und immer noch aus mehreren Schränken bestanden – auf die Idee, statt mehrerer spezialisierter Chips einen einzigen programmierbaren Prozessor zu verwenden. Hoff ging mit seiner Idee direkt zu Robert Noyce und konnte sie so gegen interne Widerstände durchsetzen und auch Busicom überzeugen. Allerdings musste sich Hoff dann Problemen mit dem 1103 widmen und das Projekt für Busicom geriet ins Stocken. Verwirklicht wurde es schließlich durch Faggin, den Software-Ingenieur Stan Mazor und Masatoshi Shima, der von Busicom zu Intel geschickt wurde, um an dem neuen Prozessor zu arbeiten. Im November 1971 war der MCS-4-Chipsatz fertig. Er bestand aus dem 4-Bit-Prozessor 4004, dem ROM-Chip 4001, dem RAM-Baustein 4002 und dem Shift-Register 4003. Busicom war inzwischen in finanzielle Turbulenzen geraten und konnte den vereinbarten Preis für die Chips nicht bezahlen. Intel gewährte einen Nachlass, sicherte sich aber im Gegenzug das Recht zu, den MCS-4-Chipsatz auch an andere Kunden verkaufen zu können. Nur Hersteller von Rechenmaschinen waren ausgenommen. Ohne den Deal hätte Busicom die Exklusivrechte am ersten Microprozessor behalten. Für Intel war der Verkaufsstart des 4004 inzwischen höchste Zeit. Denn auch Texas Instruments hatte mit dem TMS1000 einen Microprozessor fertig.

Das Hauptgeschäft machte Intel aber zunächst noch mit RAM-Chips, die an große Kunden aus der Computerindustrie geliefert wurden. Der 4004 ging eher an kleine, unbekannte Firmen. Als nächster Schritt folgten der wenig erfolgreiche 8-Bit-Prozessor 8008, und dessen Nachfolger Intel 8080, den wieder das Trio Faggin, Mazor sowie der zu Intel gewechselte Shima entworfen hatte und der 1974 auf den Markt kam. Er wurde unter anderem in den ersten Personal-Computern wie dem Altair 8800 eingesetzt, für den Bill Gates und Paul Allen einen BASIC-Interpreter schrieben. Intel war inzwischen zu einer Firma mit mehr als 3.000 Angestellten gewachsen.

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