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Adaptive & Intent Based Networking: Was ist das und wer braucht’s? Der Weg des Netzwerks zu mehr Software

Auch wenn CAT-5-Kabel nach wie vor vielfach bestehende Netzwerkinfrastrukturen bestimmen: Die Weiterentwicklung moderner Netzwerke liegt in der Software. Schon jetzt werden immer mehr Netzwerke stärker durch Software als durch Hardware definiert und betrieben (Stichwort SDN). Genau in diese Richtung zielen auch die Techniken Intent Based und Adaptive Networking.

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Mit Adaptive und Intent Based Networking halten auf Software basierende Automatisierungen Einzug in Netzwerk-Infrastruktur und -Management, die auch manuelle Eingriffe reduzieren sollen.
Mit Adaptive und Intent Based Networking halten auf Software basierende Automatisierungen Einzug in Netzwerk-Infrastruktur und -Management, die auch manuelle Eingriffe reduzieren sollen.
(Bild: © Климов Максим - stock.adobe.com)

Auch wenn es bisher in den Etagen der Geschäftsleitung einiger Unternehmen noch nicht angekommen zu sein scheint: Die Netzwerkinfrastruktur einer Firma – und das gilt nicht nur für die ganz großen Unternehmen aus dem Enterprise-Bereich – ist unverzichtbar und damit auch geschäftskritisch. Und so bleibt es dann in solchen „Führungsebenen“ eben auch unverständlich, warum immer wieder neue Techniken und Ansätze im Bereich der Netzwerke eingesetzt werden sollen. Zumal auch die Budgets für die IT-Infrastruktur in vielen Fällen deutlich begrenzt sind. Doch mit Techniken wie dem Adaptive und Intent-Based Networking sollen Unternehmen in die Lage versetzt werden, die Komplexität im lokalen Rechenzentrum und damit auch einen Teil der Kosten in den Griff zu bekommen.

Was kann IBN (Intent Based Networking) leisten?

Die Analysten von Gartner beschreiben Intent Based Networking als ein Modell dafür, was Netzwerke in Hinblick auf die geforderten Ergebnisse leisten sollen: Intent steht ja auch für „Ziel“ oder „Vorgabe“. Dabei sollen dann Geschäftsführung und IT beispielsweise vorgeben können, welche Geschäftsziele die Netzwerkinfrastruktur unterstützt und ermöglicht. Vier grundlegende Kriterien sind es, die laut dieser Experten ein Intent Based Networking ausmachen:

  • Prüfung der Gültigkeit (Validation) und Übersetzung/Übertragung (Translation): Die IBN-Lösung nimmt die jeweilige Richtlinie auf dem hohen Level der Business-Richtlinie und kennt damit das übergeordnete Ziel – was soll erreicht werden. Das wird dann von diesem System überprüft und anschließend in die dazu notwendige Netzwerkkonfiguration umgesetzt – wie soll das Ziel erreicht werden.
  • Automatische Implementierung (Automated Implementation): Das IBN-System muss dazu in der Lage sein, die notwendigen Konfigurationen und Änderungen an der vorhandenen Netzwerkinfrastruktur vorzunehmen. Dazu kommen dann Techniken wie Netzwerkautomatisierung und -Orchestrierung zum Einsatz.
  • Wahrnehmung (Awareness): Das Intent Based System überwacht das Netzwerk in Echtzeit. Dabei ist es Plattform-unabhängig sowohl in Bezug auf die Protokolle als auch was die zumeist heterogene Transportschichten der Infrastruktur betrifft.
  • Absicherung und Optimierung: Das System kann dynamisch und kontinuierlich in Echtzeit prüfen, inwieweit das zuvor definierte Geschäftsziel umgesetzt und erreicht wird. Gibt es Abweichung, so kann es gegebenenfalls auch entsprechende Anpassungen und/oder Optimierungen durchführen.

Im Idealfall ist ein IBN-gestütztes System dazu in der Lage, den kompletten Zyklus des Managements einer Netzwerkinfrastruktur abbilden. Dazu stellt es Dienste bereit, die von der obersten Ebene – auf der die Geschäftsprozesse zu finden sind – bis hin zum „richtigen Netzwerk“ – der eigentlichen Infrastruktur – reicht. So bekommen die IT-Abteilungen Werkzeuge an die Hand, mit denen sie die Anforderungen des Geschäftsbetriebs direkt in die vorhanden Netzwerkinfrastruktur übersetzen können.

Was Adaptive Networking ausmacht

Laut einhelliger Meinung der Netzwerkanbieter und Analysten hat die bisherige statische Netzwerkstruktur, wie sie nach wie vor noch vielfach zum Einsatz kommt, keine große Zukunft mehr. Ein Trend, der in diese Richtung zeigt, sind beispielsweise „autonome Netzwerke“, die im Prinzip ohne den Eingriff menschlicher Administratoren betrieben werden können. Sie sollen in der Lage sein, selbstständig sowohl die Konfiguration als auch die Wartung und Überwachung der Netzwerkressourcen zu übernehmen.

Doch Unternehmen wie der US-amerikanische Anbieter Ciena bezeichnen solche Netzwerke zwar durchaus als Fortschritt, sind aber der Meinung, dass sie immer noch zu starr sind und große Einschränkungen aufweisen. Auch die Spezialisten von Lumen betonen, dass Netzwerke agiler werden müssen und beispielsweise auch auf Anforderungen an die Bandbreite sehr viel besser reagieren müssen. Als Lösung dafür sehen sie das Adaptive Networking, das dazu in der Lage sein soll, ein konventionelles Netzwerk in eine programmierbare Infrastruktur zu verwandeln. Dabei kommen dann auch Intent Based Richtlinien zum Einsatz. Die folgenden Techniken und Layer sollte ein solches Netzwerk dann laut Meinung dieser Fachleute beinhalten:

  • Programmierte Infrastruktur: Diese Schicht des Adaptive Networking wird von den entsprechenden Anbietern als „hochintelligent“ bezeichnet und ist in der Lage, die empfangenen Daten auszuwerten und interpretieren. Firmen wie Ciena zählen beispielsweise das Umleiten des Datenverkehrs bei Ausfall einer Verbindung oder das Prüfen und Beheben von Latenz- oder Kapazitätsproblemen bei einer bestimmten Verbindung zu den Aufgaben, die auf diesem Layer erfüllt werden müssen.
  • Analytik und Informationen („Intelligence“): Von der programmierten Infrastruktur wird eine große Datenmenge erzeugt. Die Experten kategorisieren dabei diejenigen Daten als „Big Data“, die Tendenzen anzeigen, an die sich das Netzwerk nach und nach anpasst. Sie liefern dem Netzwerk Informationen für langfristige Anpassungen, aber auch zu auffälligen Datenverkehrsmustern und zu potenziell anfälligen Komponenten im Netzwerk.
  • Kontrolle und Steuerung der Software sowie Automatisierung: Administratoren werden bestätigen, dass das vielzitierte „menschliche Versagen“ nach wie vor einer der Hauptursachen für Netzwerkausfälle ist. Deshalb ist es sinnvoll, zum Beispiel Aufgaben wie das Laden von Zugriffskontrollen oder die Provisionierung von Routern zu automatisieren.

Wichtig dabei: Eine Automatisierung muss unbedingt anbieterübergreifend funktionieren, da die Netzwerkinfrastrukturen und ihre Ressourcen in den meisten Unternehmen nicht nur die Geräte eines einzigen Herstellers beinhalten. Ganz ähnlich wie in dieser allgemeinen Beschreibung definieren auch Anbieter wie Ciena die Grundbausteine eines Adaptive Networks. Das Unternehmen betont ebenfalls, dass es eines offenen Ökosystem aus großen und kleinen Anbietern bedarf, um für jede gegebene Kundenarchitektur die beste verfügbare Technologie maßgeschneidert zu integrieren.

Fazit

Wir haben für diesen Beitrag mit vielen Experten gesprochen. Diese waren sich zwar darin einig, dass die Herausforderungen, die bei der Verwaltung und Betreuung von modernen Netzwerken auftreten, nicht allein durch „automatisierte“ Netzwerke gelöst werden können. Aber es herrscht bei den Fachleuten ebenso Einigkeit darüber, dass gerade Service Provider mehr Automatisierung für die Netzwerkverwaltung benötigen, um den Ansprüchen und Bedürfnissen ihrer Kunden gerecht zu werden. Techniken wie das Adaptive und das Intent Based Networking können nach Meinung der Experten helfen, diese Ziele zu erreichen.

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