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Für jedes Szenario den richtigen App-Verteilungsweg Der richtige Umgang mit Mobile Apps im B2B-Umfeld

| Autor / Redakteur: Andreas Gabler / Heidemarie Schuster

Mobile Apps stellen im Unternehmenseinsatz eine Herausforderung dar, gerade wenn sie nicht öffentlich zugänglich sein sollen, aber auch nicht nur für Mitarbeiter gedacht sind.

Bei der Verteilung der Apps über einen öffentlich zugänglichen App-Shop, wie den Apple App Store, besteht keine Kontrolle, wer diese App sieht und herunterladen kann.
Bei der Verteilung der Apps über einen öffentlich zugänglichen App-Shop, wie den Apple App Store, besteht keine Kontrolle, wer diese App sieht und herunterladen kann.
(Bild: Scanrail - Fotolia.com )

Die Verwaltung und Verteilung von öffentlich zugänglichen Mobile Apps für Konsumenten (B2C) wird bis dato von App-Shops wie Google Play, Microsofts Marketplace oder Apples iTunes wahrgenommen. Die gleiche Aufgabe wird bei unternehmensinternen (B2E) Mobile Apps von der hauseigenen Mobile-Device-Management-Lösung (MDM) erbracht. Beide Varianten sind für sich solide, tragfähig und in der Praxis etabliert.

Wie aber können Mobile Apps verbreitet werden, die nicht öffentlich zugänglich und nicht ausschließlich für Mitarbeiter des eigenen Unternehmens gedacht sind, wie zum Beispiel Apps für Partner, Zulieferer oder ausgewählte Kunden (B2B)?

Mobile Apps werden immer mehr auch im erweiterten Geschäfts-Umfeld genutzt. Wurden diese Apps zunächst hauptsächlich als Marketing- und Eingabe-Tools für den internen Gebrauch verwendet, eröffnen sich inzwischen viele weitere Einsatzmöglichkeiten im B2B-Umfeld. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um mobile Apps für Lieferanten, um Daten direkt an den Einkauf schicken zu können, oder Apps für einen Wartungspartner, der auf seinem mobilen Gerät aktuelle Informationen zu den zu wartendem Gerät abrufen muss.

Früher erfolgte dies über dedizierte Hardware, während heute jeder mit seinem Firmen- oder privaten Gerät, ob Smartphone oder Tablet, diese mobilen Apps ausführen kann. Dabei kann der Mitarbeiter Apps sowohl von Geschäftspartnern als auch von seinem eigenen Unternehmen auf dem Gerät installiert haben.

Betrachtet man die Frage nach den Verteilungswegen der mobilen Apps, werden die verschiedenen Anforderungen der beteiligten Parteien deutlich:

Sicherheitsanforderungen

App-Bereitsteller:

  • Sichere Verteilung
  • Kontrolle, wer die App herunterladen darf
  • Kontrolle, wer die App verwenden darf
  • Sicherheit der Daten, die bereitgestellt werden
  • Zugriffe auf interne Server des App-Bereitstellers

App-Verwaltung

App-Bereitsteller:

  • Ein Verwaltungstool für die App-Verteilung, unabhängig von der Zielplattform
  • Einfache Benachrichtigung an alle Anwender der App über eine erfolgte Aktualisierung
  • Übersicht, wer die App heruntergeladen hat und diese verwendet

App-Benutzer

  • Einfaches Beschaffen der App
  • Aktualität der App

Zur Verteilung bieten sich die bestehenden Möglichkeiten des Public-App-Shops, MDM-Systems und eines eigenen Mobile-Application-Management-Systems (MAM) an.

Verteilung durch Public-App-Shops

Bei der Verteilung der Apps über einen öffentlich zugänglichen App-Shop, wie den Apple-App-Store, besteht keine Kontrolle, wer diese App sieht und herunterladen kann. Dies kann zu unerwünschten Situationen führen, wie im Fall der internen App eines Telekommunikationsanbieters, die frei zugänglich zwischen den verschiedenen Consumer-Apps des Anbieters zu finden ist.

Lädt man sich diese App herunter, wird man mit einem Login Screen für einen internen Server begrüßt. Nicht nur ist diese App im unkontrollierten Umlauf, zusätzlich liegt die App auf einem Server außerhalb der EU, was rechtlich in Bezug auf Datenschutz und Sicherung von Firmengeheimnissen ein Problem sein könnte.

Im Falle des Apple-App-Stores kommt noch hinzu, dass Apps vor der Freischaltung im Store intensiv geprüft und auch abgelehnt werden können. Diese Prüfung macht Sinn für Consumer-Apps, um diese vor Viren oder kriminellem Missbrauch zu schützen. Allerdings benötigt der Apple-App-Store für diese Prüfung sehr viele Informationen, was bei B2B- oder B2E-Apps eventuell eine Gefahr für Unternehmensgeheimnisse bedeutet.

Verteilung durch MDM

Die Verteilung der B2B-Apps durch ein Mobile-Device-Management-System unterliegt Einschränkungen. Technisch ist dies zwar die sicherste Lösung, da das MDM-System über Apps und Funktionen das Gerät steuern kann und der App-Bereitsteller so die Kontrolle über die installierten Apps behält: Zum Beispiel können Apps gelöscht oder Aktualisierungen direkt auf das Gerät geladen werden.

Dies ist gängige Praxis für unternehmenseigene Geräte, aber besitzrechtlich bedenklich bei Geräten, die nicht dem Unternehmen gehören. Zudem gibt es bei manchen Geräten Einschränkungen, ob und wie viele MDM-Systeme auf einem Gerät aktiv sein dürfen.

Verteilung durch dediziertes MAM-System

Die dritte Alternative ist die Verteilung der B2B-Apps durch ein dediziertes Mobile Application Management. In diesem Kontext wird ein MAM-light-Ansatz betrachtet, der die Verteilung und das Monitoring der Apps übernimmt, während ein Remote Wipe, also das Löschen der App durch einen externen Service, nur durch ein MDM-System erfolgen kann.

Das MAM stellt einen firmeneigenen App-Shop dar, der Teil eines MDM-System sein kann, ohne die Kontrolle über das mobile Gerät zu übernehmen. Alternativ kann ein MAM auch ein eigenständiges System und in ein Partnerportal eingebunden sein, das externe Parteien erreichen können.

Durch dieses MAM können die Geschäftspartner nur die für sie freigeschalteten Apps herunterladen und installieren. Daneben können die Apps definierten Gerätetypen zugewiesen werden, um zu verhindern, dass Apps auf Geräten installiert werden, die nicht für die App zugelassen sind, was Support-Anfragen und Testaufwand für die Apps minimiert. In Verbindung mit Funktionen, die in die Apps eingebaut sind und mit dem MAM-System kommunizieren, können beispielsweise Nutzungsstatistiken, Crashreports und Feedback zu den Apps direkt aus der verteilten App in einer zentralen Stelle im MAM-System erfasst werden. Hierdurch kann kontrolliert werden, wer die App verwendet, und ein Hinweis auf neue Versionen erfolgen.

Fazit:

Die Vorgehensweisen für B2C und B2E sind etabliert und bereits weit verbreitet, während im B2B-Bereich durch die Einbindung von Internen und Externen die Verbreitung in Deutschland noch viel geringer ist. Mit der zunehmenden Zahl von Apps für Unternehmen wird eine geeignete Verteilung von B2B-Mobile-Apps in den nächsten Jahren immer wichtiger werden.

Die drei Hauptszenarien B2C, B2E und B2B bedürfen dreier verschiedener Verteilungswege:

  • B2C – Verteilung durch die großen App-Stores von Apple, Google, RIM und Microsoft. Dieser Weg ist förderlich für das Marketing und die Brand-Awareness und spricht eine breite Masse an.
  • B2E – Verteilung durch MDM-Systeme, welche die Verwaltung der Apps, sowie die Sicherung und Inventarisierung der mobilen Geräte ermöglichen.
  • B2B – Verteilung durch Mobile-Application-Management-Systeme, die die Apps einem kontrollierten Nutzerkreis, wie Partnern, Zulieferern oder ausgewählten Kunden, zur Verfügung stellen.

Wollen Unternehmen MAM im B2B-Umfeld betreiben, sollten sie die beschriebenen Anforderungen für sich priorisieren und danach das für sie passende MAM-System auswählen.

Andreas Gabler, Lead Project Manager bei der MSG Systems AG
Andreas Gabler, Lead Project Manager bei der MSG Systems AG
(Bild: MSG Systems AG )

Über den Autor

Andreas Gabler ist Lead Project Manager bei der MSG Systems AG und ist für die Themen Unternehmenssteuerung und Mobile-App-Entwicklung im Automotive-Geschäftskunden-Umfeld tätig.

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