Welchem Typus entspricht Ihr Vorgesetzter?

Der richtige Führungsstil im digitalen Zeitalter

| Autor / Redakteur: Sarah Gandorfer / Andreas Donner

Führungskräfte führen wie ihre eigenen Vorgesetzten
Führungskräfte führen wie ihre eigenen Vorgesetzten (Bild: Pixabay / CC0)

Die digitale Revolution braucht einen neuen Führungsstil. Kienbaum und Stepstone nehmen sieben Führungsstile unter die Lupe und erklären, welcher sich am besten für die Zukunft eignet. Dabei decken sie auch so manches Problem auf.

Neue Kommunikations- und Informationstechnologien verändern die heutige Arbeitswelt rasant. Komplexe Themen wie Künstliche Intelligenz (KI) führen dabei oftmals zu Verunsicherung der Mitarbeiter. Entsprechend sind Führungskräfte besonders gefragt, die mit diesen Veränderungen umgehen können.

In der Studie „Die Kunst des Führens in der digitalen Revolution“ untersuchen die Managementberatung Kienbaum und die Online-Jobplattform Stepstone den Veränderungsgrad von Führung im Zuge der Digitalisierung. Dazu führten die Analysten im ersten Quartal 2018 eine Online-Befragung durch, an der rund 13.500 Fach- und Führungskräfte teilgenommen haben. Darunter waren rund 3.600 Abteilungs- oder Teamleiter und rund 1.300 Bereichs- oder Geschäftsleiter.

Negative Bewertung

Die Mehrheit der Fachkräfte in Deutschland wird von einem Vorgesetzten direktiv geführt. Etwa ein Drittel der Befragten bewertete den Führungsstil ihres Chefs als strategisch. Einer von sieben bescheinigte seinem Vorgesetzten einen negativen Führungsstil – ein recht hoher Anteil, wenn man bedenkt, dass dieser Führungsstil mit solchen Aussagen wie „Mein Vorgesetzter spricht vor anderen schlecht von mir“ oder „Mein Vorgesetzter hält sich nicht an Absprachen“ konnotiert ist.

Bei den Mitarbeitern stehen in Bezug auf ihre Führungskräfte Leistung und Zielorientierung im Vordergrund. Empathie, Selbstbestimmung und Unterstützung, wie sie beispielsweise ein transformationaler oder ethischer Führungsstil bieten würde, scheinen bei den Chefs hierzulande eine untergeordnete Rolle zu spielen. Andererseits: wenn den Fachkräften Freiraum gewährt wird, scheint dieser eher zu viel als zu wenig zu sein (Laissez-faire).

27 Prozent aller Fachkräfte in Deutschland attestieren ihrem Vorgesetzten einen Laissez-faire-Stil. Dieser kommt oftmals auch dadurch zustanden, dass ein Chef von seinem Vorgesetzten weder Vorgaben noch Feedback bekommt. Diesem Beispiel folgend gibt dieser Chef wiederum auch seinen Mitarbeitern keine Rückmeldungen und keine Ziele vor.

Die Analysten empfehlen Führungskräften darum, mehr auf ihre Mitarbeiter zu achten und sich nicht nur auf das Erreichen von Zahlen und Zielen zu konzentrieren. Führungskräfte sollten sich Zeit für ihre Mitarbeiter nehmen und diese emotional unterstützen, um sie aktiv zu entwickeln.

Sieben Führungsstile

Die Studie geht von sieben verschiedenen Führungsstilen aus:

  • Ethische Führungskräfte handeln wertorientiert und transparent. Für sie stehen ihre Mitarbeiter an höchster Stelle. Durch Vertrauen fördern sie aktiv deren Selbstständigkeit. Emotionale Unterstützung der Mitarbeiter sowie soziale Verantwortung sind wichtige Anker ethischer Führung.
  • Transaktionale Führung basiert auf einem Austauschverhältnis. Ziele sind an klare Erwartungen geknüpft. Je nach Erfüllung der Erwartung werden ihre Mitarbeiter belohnt oder bestraft. Verantwortung wird delegiert und die Mitarbeiter werden kontrolliert.
  • Direktive Führungskräfte pflegen eine klare Rollen- und Aufgabenverteilung. Sie sind leistungsorientiert und erwarten stets Disziplin. Aufgaben werden mit der klaren Erwartung, dass ihren Anweisungen Folge geleistet wird, an ihre Mitarbeiter delegiert.
  • Transformationale Führung: Als Vorbild kommunizieren transformationale Führungskräfte klare, anspruchsvolle Ziele und bieten ihren Mitarbeitern Freiraum und Selbstbestimmung, um diese zu erreichen. Sie vermitteln eine inspirierende Vision und einen Sinn in der Arbeit, der die Mitarbeiter motiviert.
  • Strategische Führungskräfte analysieren ihr Umfeld und leiten daraus konkrete Ziele ab. Sie versorgen ihre Mitarbeiter mit den für die Zielerreichung nötigen Ressourcen und versuchen, Hindernisse zu beseitigen. Durch konstruktives Feedback lernen ihre Mitarbeiter aus Fehlern.
  • Unter Laissez-faire-Führung (Non-Leadership) genießen Mitarbeiter erhebliche Freiräume. Die Führungskraft gibt keine Vorgaben und nickt alles ab. Sie versorgt die Mitarbeiter zwar mit dem nötigen Material, beteiligt sich aber nicht am Teamwork und gibt kein Feedback.
  • Negative Führungskräfte fallen durch lautes und aggressives Verhalten auf. Kritik an den Mitarbeitern gehört zum Arbeitsalltag. Ihre Mitarbeiter werden ausgenutzt und zur Arbeit gezwungen. Ihre Unberechenbarkeit zeigt sich in Form von unüberlegten, impulsiven Handlungen.

Problem der Nachahmung

„Die Auswirkungen von schlechter Führung werden häufig unterschätzt. Weil Führungskräfte in ihrem Führungsstil ihren Chefs nacheifern, findet auch schlechte Führung schnell Nachahmer“, erklärt Dr. Sebastian Dettmers, Geschäftsführer bei Stepstone. „Gerade das Top-Management sollte sich daher seinen Führungsstil bewusst machen.“

Eine starke Korrelation lässt sich in der Analyse auch beim Stil der negativen Führung feststellen. Gemeint ist damit ein Führungsstil, der durch lautes und aggressives Verhalten gekennzeichnet ist. Unberechenbarkeit, unüberlegte und impulsive Handlungen legen diejenigen Chefs oft an den Tag, die auf diese Weise auch von ihren eigenen Vorgesetzten geführt werden. „Um Führungskulturen mit negativen Auswirkungen zu verhindern, müssen Vorgesetzte sich und ihren Führungsstil ständig analysieren und hinterfragen“, empfiehlt Dr. Walter Jochmann, Geschäftsführer von Kienbaum. „Und das funktioniert am besten durch regelmäßiges Feedback – sowohl vom Vorgesetzten als auch von den eigenen Mitarbeitern

Digitale Führungskompetenz

Die Analysten weisen darauf hin, dass im digitalen Zeitalter der Faktor Mensch für den Unternehmenserfolg wichtiger ist denn je. Das sollte sich im Führungsstil widerspiegeln. Die Studienergebnisse zeigen, dass Führungskräfte besonders über die von den Fachkräften als ideal eingestuften Führungsstile (transformationale, ethische und strategische Führung) das Verhalten ihrer Mitarbeiter beeinflussen können. Die Haupttreiber dieser Effekte auf Seiten des Mitarbeiters sind vermutlich wahrgenommene Selbstbestimmung, Selbstständigkeit, Freiräume, Vertrauen und emotionale Unterstützung, aber auch die Kommunikation klarer Ziele, Aufgaben- und Rollenverteilungen.

Dieses Fazit zeigt, dass es nicht den einen Führungsstil im digitalen Zeitalter gibt. Bereits 1997 postulierten die amerikanischen Psychologen Bruce Avolio und Bernard Bass das Konzept des „Full Range Leadership Model“. Bei diesem werden mehrere Führungsstile in ein Model integriert. Führungskräfte zeigen demnach immer multiple Verhaltensweisen, die sich verschiedenen Führungsstilen zuschreiben lassen.

Vor dem Hintergrund der rasanten technologischen Revolution muss bedacht werden, dass der Mensch sich nicht annähernd so schnell weiterentwickelt wie die digitalen Technologien. Somit müssen die menschlichen Fähigkeiten an die digitale Umwelt adaptiert werden.

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