Datensicherung per Web nicht jetzt nur für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Datev öffnet sein hauseigenes Rechenzentrum allen Unternehmen

Autor / Redakteur: Annette Stadler / Ulrike Ostler

Zur CeBIT 08 stellt Datev den Service „Datensicherung online“ vor. Das genossenschaftliche Unternehmen positioniert sich damit als IT-Service-Provider, der nicht nur Steuerberater, sondern jedes Unternehmen ansprechen will.

Im jüngsten Datev-Gebäudekomplex in Nürnberg arbeiten rund 1.200 Mitarbeiter.
Im jüngsten Datev-Gebäudekomplex in Nürnberg arbeiten rund 1.200 Mitarbeiter.
( Archiv: Vogel Business Media )

Den Service „Datensicherung online“ stellt der Anbieter erstmals auf der diesjährigen CeBIT vor. Es handelt sich um ein Backup-System für Daten jeglicher Art, die vor Verlust oder Zerstörung geschützt werden sollen. Alternativ zur Bandsicherung können Unternehmen das Backup über eine Online-Verbindung laufen lassen. Damit betritt Datev Neuland.

Jetzt unterstützt die Genossenschaft ihre Mitglieder aus steuer- und rechtsberatenden sowie wirtschaftsprüfenden Berufen insbesondere bei der Nutzung der Datenverarbeitungs-, Informations- und Kommunikationstechnik. In jedem vierten Fall geraten Lohn- und Gehaltsabrechnungen heute über Datev in Arbeitnehmerhände.

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Damit steht das Nürnberger Unternehmen bereits mit vielen Unternehmen im indirekten Kontakt. Dieses Potenzial will Datev verstärkt ausnutzen, um die IT-Services nicht nur der jetzigen Kundenkerngruppe der Steuerberater, sondern auch jedem beliebigen Unternehmen anzubieten. Das Problem für den Anbieter besteht jedoch darin, dass Datev aufgrund der genossenschaftlichen Unternehmensform nicht direkt an die Unternehmen herantreten darf.

Die Ausgangslage

Dies geschieht über die Datev-Mitglieder, also in erster Linie durch die Steuerberater. Diese sollen nun IT-Services verkaufen. Der Lohn besteht jedoch nicht in Provisionen. Die Steuerfachleute könnten durch diese Dienstleistungen ihre Mandanten noch besser an die Kanzleien binden, erläutert der Genossenschaftssprecher Benedikt Leder.

Ist ein Unternehmen bereit, Services wie Datev-net und Datev-asp von der Datev zu beziehen, bedarf es der Zustimmung beziehungsweise dem Auftrag des Steuerberaters, damit eine Geschäftsbeziehung zwischen Datev und dem Unternehmen zustande kommt. Abrechnen kann der Unternehmenskunde über den Steuerberater oder direkt mit Datev.

Das neue Angebot

Auch wenn der Vertriebsweg etwas ungewöhnlich anmutet, die IT-technischen Voraussetzungen für den Servicebetrieb sind bei Datev gegeben. „Jährlich gibt Datev einen hohen zweistelligen Millionenbetrag für die IT-Sicherheit aus. Gespiegelt befindet sich das gesamte Rechenzentrum an einem geheimen und sicheren Ort mehrere Kilometer vom Hauptrechenzentrum entfernt“, führt Eckhard Schwartzer, Mitglied der Datev-Geschäftsleitung aus.

Darüber hinaus werden die Daten im Datev-Rechenzentrum wie üblich redundant, ausfallsicher und hochverfügbar gespeichert. Die Sicherung läuft über eine Client-Software beim Anwender, die die Veränderungen im Datenbestand seit dem letzten Sicherungslauf ermittelt und lediglich die Veränderungen überträgt. Auch bei größeren Backup-Beständen hält sich das Volumen der jeweils zu übertragenden Daten dadurch im Rahmen.

Datev will den Dienst nach dem gespeicherten Datenvolumen abrechnen. Der Preis und weitere Details sollen erst auf der CeBIT 08 bekannt gegeben werden.

Bisher im Portfolio

Im laufenden Betrieb befinden sich dagegen schon Datev-net und Datev-asp. Datev-net-Nutzer werden über eine zentrale Sicherheitszone beim Anbieter ins Internet geleitet. Darin befinden sich gestaffelte und redundant ausgelegte Schutz-Systeme, zum Beispiel Virenscanner oder Firewall-Systeme, die von Sicherheits-Spezialisten überwacht und aktualisiert werden.

Zusätzlich führt Datev den so genannten Reverse-Scan durch (siehe Abbildung 1). Dafür werden Kopien aller E-Mails, die den Datev-net-Anwendern zugestellt wurden, über den Zeitraum von zwölf Stunden in einem zentralen Speicherpuffer permanent mit den stetig aktualisierten Schutzmechanismen überprüft. So können auch Viren, Trojaner oder Keylogger entdeckt werden, für die Hersteller von Antivirensystemen zum Zeitpunkt der Zustellung noch keine Signatur bereithielten.

Finden die Systeme beim Reverse-Scan einen Schädling, wird der betroffene Anwender umgehend informiert, damit er den Schadcode nicht aktiviert. Handelt es sich dabei um Links auf infizierte Seiten, werden die entsprechenden URLs im Datev-net sofort gesperrt, so dass kein Datev-net-Anwender darauf zugreifen kann. Allzu oft müssen laut Leder solche zusätzlichen Notfall-Maßnahmen jedoch nicht ergriffen werden.

Die Preise für das Sicherheitsangebot sind gestaffelt nach Einzelplatz- oder Netzlizenz und in verschiedenen Abstufungen bezüglich nicht gesondert berechnetem Datenvolumen erhältlich. So gibt es etwa eine Basisversion ohne Freivolumen mit 500, 1000, 3000 oder 5000 Megabyte Freivolumen im Monat sowie als Flatrate.

Die Preisstaffel beginnt bei einer monatlichen Überlassungsvergütung von 25,50 Euro zuzüglich Umsatzsteuer für eine Einzelplatz-Lizenz beziehungsweise 46,00 Euro für die Netzlizenz in der Basisversion. Zusätzlich werden pro übertragenen Megabyte an Datenvolumen 0,10 Euro berechnet. Wählt der Nutzer eine der Versionen mit Freivolumen, steigt die Grundgebühr.

Anwendungs-Hosting

Im Rahmen des ASP-Angebots können Unternehmen und Steuerberatungskanzleien Datev-Programme und Microsoft-Office-Anwendungen auf Servern im Nürnberger Rechenzentrum des Anbieters betreiben und warten lassen. Im Angebot enthalten sind Dienstleistungen von der Bereitstellung der Server und des Betriebssystems bis zum Management der IT-Infrastruktur. Dazu gehören Server- und Netz-Monitoring, die Wartung und Administration der Server und das Einspielen der Software-Updates. Niederlassungen und Heimarbeitsplätze lassen sich in den zentralen Software- und Datenpool ebenfalls einbinden.

Über den optional verfügbaren ASP-Telearbeitsplatz VPN können Anwender von jedem beliebigen Standort aus mit ihrem Notebook über das Internet mit ihrer Software arbeiten (siehe Abbildung 2). Die Daten werden dazu verschlüsselt und somit geschützt vor fremden Zugriffen und Einblicken übertragen.

Die monatliche Pauschale für die ASP-Basisleistungen setzt sich aus einem Grundpreis für die ASP-Infrastruktur und einem einheitlichen Preis für die Betreuung je Nutzer zusammen. Abgerechnet wird auf Basis einer vom Kunden im Vorfeld anzugebenden maximalen Nutzerzahl.

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