Anbieter zum Thema
Mythos 3: IP-Telefone verbrauchen an Switches desselben Herstellers weniger Strom
In den bereits im ersten Teil erwähnten Aussagen einiger Vertriebsmitarbeiter, dass sich durch die Verwendung von Cisco-Switches zur Anbindung von Cisco-Telefonen, Strom sparen lässt, steckt ein kleines Fünkchen Wahrheit.
Sofern diese Aussagen jedoch auf den Verbrauch der Endgeräte bezogen sind, sind sie schlicht falsch. Kein Kühlschrank ist sparsamer, wenn er an einer bestimmten Steckdose angeschlossen wird. Zur Erläuterung der Hintergründe dieses Missverständnisses ist zunächst eine kurze Einführung in die Stromversorgung über Ethernet-Kabel (Power over Ethernet – PoE) und in aktuelle Weiterentwicklungen erforderlich.
Heutzutage ist mit PoE in der Regel der Standard 802.3af-2003 gemeint (802.3af-2003 wurde offiziell abgelöst durch 802.3-2005 Abschnitt 33). Vorher gab es bereits proprietäre Lösungen, insbesondere Cisco mit der Variante Cisco Inline Power (ILP).
802.3af unterscheidet bei den beteiligten Komponenten allgemein zwischen
- Stromverbrauchern (Powered Device, PD), Beispiel: IP-Telefon und
- Stromversorgern (Power Sourcing Equipment, PSE), Beispiel: PoE-Switch
Die Hauptfunktionen des PSE sind:
- die Erkennung eines kompatiblen PD, um 802.3af-inkompatible Endgeräte nicht zu beschädigen, sowie
- die Stromversorgung und Überwachung des PD.
Alternativen der Stromversorgung
Die Stromversorgung durch das PSE kann physikalisch an zwei Punkten erfolgen. Entweder werden Daten- und Stromversorgung in einem Gerät kombiniert, z.B. in einem 802.3af-kompatiblen Switch; hierbei spricht man von einem „Endpoint PSE“. Alternativ wird zwischen Switch und Endgerät eine weitere Komponente geschaltet, welche auf der einen Seite Ethernet-Schnittstellen bereitstellt, Strom hinzugefügt und beides zusammen dem Endgerät zur Verfügung stellt. Diese Komponente nennt sich „Midspan PSE“. PoE-Switches sind somit „Endspan PSE“, während zwischengeschaltete Stromeinsparungsgeräte – wie Power Patch Panel und Power Injectors – die Klasse der „Midspan PSE“ darstellen.
Die bei der Stromversorgung der Telefonendgeräte via PoE denkbaren Varianten gehen aus Abbildung 3 hervor. Nicht dargestellt ist die klassische Stromversorgung über ein separates Netzteil.
Die Stromversorgung über das LAN-Kabel kann nach einem der folgenden Schemata erfolgen (wobei jedes standardkonforme Endgerät beide Verfahren unterstützen muss):
- Alternative A: Eine Phantomspannung wird der Signalspannung auf dem LAN-Kabel überlagert (Abbildung 3, Schema 1). Bei Fast Ethernet reicht in diesem Fall also eine Zweidrahtverkabelung aus.
- Alternative B: In einem vierpaarigen Kabel können die von der Schnittstelle 10/100BaseT ungenutzten zwei Paare („Spare Pairs“) für die Stromversorgung genutzt werden (Abbildung 3, Schema 2). Im Gegensatz zu Alternative A erfordert dies entsprechend eine vierpaarige Verkabelung. Diese Alternative sieht ebenfalls vor, dass vorhandene Netzkomponenten mit zusätzlichen dezentralen Stromeinspeisegeräten kombiniert werden können, die ausschließlich der Einspeisung des Versorgungsstroms dienen (Abbildung 3, Schema 3).
weiter mit: PoE und Gigabit-Ethernet
Artikelfiles und Artikellinks
(ID:2017538)