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Green VoIP – Mythos und Wirklichkeit, Teil 2

Das Image der IP-Telefonie – zwischen Klimakiller und Umweltretter

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PoE: irreführende Klasseneinteilung

Was haben diese Hintergründe nun mit dem Mythos zu tun, hersteller-homogene Lösungen seien verbrauchsärmer? Eine Ursache des Problems ist die grobe Klasseneinteilung bei PoE. Unabhängig davon, welche Leistung ein Klasse-3-Gerät tatsächlich beansprucht – es könnten ja z.B. nur 7 Watt sein – muss der PoE-Switch die maximal mögliche Leistung von 15,4 Watt reservieren. Wird ein PoE-Gerät angeschlossen, dessen Leistungsbedarf das Restbudget überschreitet, so wird es nicht mit Strom versorgt.

Die Reservierung bzw. Budgetierung wäre unnötig, wenn ein Switch alle Ports mit der Maximalleistung versorgen könnte, aber die Größe der Netzteile ist leider ein Kostenfaktor. So hat zum Beispiel das optionale Netzteil C3K-PWR-1150WAC, mit dem ein Cisco 3560E-48PD volle Leistung auf allen 48 Ports liefern kann, einen Straßenpreis von rund 800,– €. Die Stromversorgung von PoE-Switches ist daher meist nicht für den Worst Case ausgelegt (ein Gegenbeispiel ist der 48-Port-Switch EX 3200 von Juniper, der alle Ports mit der Maximalleistung versorgen und daher auf ein Leistungsmanagement verzichten kann).

Ohne eine Reservierung könnte es jedoch im laufenden Betrieb zu einer Situation kommen, wo die benötigte Leistung die Kapazität des Netzteils übersteigt. Die Folge wäre, dass ein oder mehrere Geräte plötzlich von der Stromversorgung getrennt werden müssten. Dumm, wenn es das Telefon des Geschäftsführers trifft.

Die Leistungsbudgetierung dient der Versorgungssicherheit, führt aber durch die grobe Klasseneinteilung von 802.3af auch dazu, dass die Netzteilkapazitäten nicht voll ausgeschöpft werden. Beispiel: Ein 48-Port Switch, der 370 Watt per PoE anbietet, kann höchstens 24 Klasse-3-Telefone betreiben (24 x 15,4 Watt = 370 Watt). Wenn diese Geräte jedoch nur maximal 7 Watt benötigen, dann bleibt aufgrund der Budgetierung mehr als die Hälfte der verfügbaren Leistung ungenutzt (24 x 15,4 Watt – 24 x 7 Watt = 202 Watt). Könnten die Endgeräte dem PoE-Switch ihren tatsächlichen maximalen Bedarf mitteilen, dann wäre es in diesem Beispiel möglich alle 48 Ports für die Versorgung der Telefone zu nutzen (48 x 7 Watt < 370 Watt). Der kommende Standard 802.3at wird dieses Problem mithilfe von LLDP lösen.

Cisco Discovery Protocol

Cisco bietet mit dem Cisco Discovery Protocol (CDP) bereits jetzt eine proprietäre Lösung. Ciscos IP-Telefone können Ciscos Access Switches ihren tatsächlichen Bedarf per CDP mitteilen. Abbildung 5 zeigt die Budgetierung eines Cisco PoE-Switches mit einem standard-konformen Klasse-3-PD und einem Cisco 7960, das seinen Bedarf (6,3 Watt) per CDP angegeben hat.

Das Missverständnis besteht darin, dass nicht der tatsächliche Verbrauch der Endgeräte gesenkt wird, sondern nur die vorzuhaltende Leistung. Die Stromrechnung wird allein dadurch nicht geringer. Das kleine Fünkchen Wahrheit: Die Verwendung von CDP senkt tatsächlich Kosten, wenn ein Switch nicht durch zusätzliche Netzteile aufgerüstet werden kann. Müssen aus diesem Grund mehr Switches angeschafft werden als von der Portanzahl her erforderlich, dann spart CDP den Eigenbedarf der zusätzlichen Switches.

Lesen Sie im dritten Teil der Beitragsserie „Green VoIP – Mythos und Wirklichkeit“ von Dr. Michael Wallbaum und Dr. Frank Imhoff: „Mythos 4: Leitungsverluste und Lichtbögen“

Über die Autoren

(Archiv: Vogel Business Media)

Dr. Frank Imhoff ist bei ComConsult als Technischer Direktor (CTO) für den Bereich neue Kommunikationslösungen verantwortlich. Dazu gehören insbesondere Themen wie Voice over IP, Unified Communications, Kollaborationssysteme und Mobility-Lösungen. Er beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit dem Management von heterogenen Kommunikationslösungen und dem Thema Unified Communications. Imhoff berät Unternehmen bei der Konzeption entsprechender Lösungen und hat bereits zahlreiche Projekte in diesem Bereich erfolgreich geleitet. (Kontakt: imhoff@comconsult.com).

(Archiv: Vogel Business Media)

Dr. Michael Wallbaum ist seit Jahren als Senior Consultant im Bereich moderner Kommunikationssysteme tätig. Zudem leitet er das ComConsult-eigene Labor, das über nahezu alle gängigen Enterprise-Kommunikationslösungen verfügt und umfangreiche Möglichkeiten bietet, jede Art von Unified Communications & Collaboration genau unter die Lupe zu nehmen. Zu den Spezialgebieten von Dr. Wallbaum gehören daher auch die Integration unterschiedlicher Kommunikationslösungen und die Entwicklung entsprechender Migrationsszenarien. (Kontakt: wallbaum@comconsult.com).

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