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Keine Fiktion: Enterprise mit 3D-Video-Konferenzen sowie dem Immer- und Überall-Netz Cisco präsentiert das Holodeck als Teil seiner Web-3.0-Strategie

| Redakteur: Ulrike Ostler

Mehr oder minder an der deutschen Öffentlichkeit vorbei, präsentierten Cisco-CEO John Chambers und Marthin DeBeer, Senior Vice President Emerging Technologies bei Cisco, bereits am 9. November dieses Jahres im indischen Bangalore einen Quantensprung im Bereich Telepräsenz. Denn Chambers` Gesprächspartner auf der Bühne war ein Hologramm. Physisch befand sich DeBeer tausende Kilometer entfernt.

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John Chambers und Marthin DeBeer: Eine Person ist ein Hologramm
John Chambers und Marthin DeBeer: Eine Person ist ein Hologramm
( Archiv: Vogel Business Media )

Science Fiction? Nein. Dieses Holodeck (Cisco Telepresence per Hologramm) befand sich im indischen Bangalore, wo der Cisco-Chef die Unternehmenszentrale für den Fernen Osten eröffnete. Sein virtueller Gesprächspartner war zwar ebenfalls in Lebensgröße und 3D zu sehen, doch leibhaftig hielt er sich in Kalifornien auf.

Die holographische Darstellung von DeBeer und einem Co-Moderator wirkte nahezu lebensecht, die Übertragung ließ kaum Verzerrungen zu, Sprache, Bild und sogar Bewegungen wurden als nahezu lebensecht wahrgenommen. Denn das Delay beträgt maximal 160 Millisekunden.

Bildergalerie

Korff: „In zehn Jahren ist die Rechenleistung eines menschlichen Gehirns für 1.000 Dollar zu bekommen“ (Archiv: Vogel Business Media)

Das System basiert unter anderem auf dem Video-Codec des „Telepresence“-Systems (siehe: Bildergalerie) und soll, wie Christian Korff, Cisco-Director System Engineers, verrät, kaum mehr Bandbreite benötigen als das 2-D-Videokonfenetz-System. Hier komprimiert ein ASIC, der in 90-Nanometer-Technik gefertigt wird, einen Full-HDTV-Videostream von etwa 3,6 Gigabit pro Sekunde in 80 Millisekunden auf nur 10 bis 12 Megabit pro Sekunde um.

Die Technik

Um das Hologramm auf die Bühne zu bringen, wurde ein Glasquader verwendet. Auf der Aufnahmeseite konnten sich die Präsentatoren auf einer Fläche von etwa einem auf zwei Metern frei bewegen.

Nicht nur das Publikum in Bangalore war in der Lage, die Präsentation live zu verfolgen, Dank Broadcast war es Eingeweihten auch am Bildschirm möglich, die Vorführung zu erleben.

Bisher ist das System lediglich eine technische Demonstration. Allerdings soll es das holographische Konferenzsystem schon Ende 2008 zu kaufen geben.

Aer auch ohne diesen Coup erweist sich Telepresence als das Cisco-Produkt, das sich seit Markteinführung besser als alle bisherigen verkauft. Laut Bern Heinrichs, Director Field Market Development bei Cisco, wächst das Unternehmenssegment in drei Monaten um 400 Prozent: „Es sehen heißt: es haben zu wollen.“

Positionierung

Tatsächlich trifft das System den Nerv der Zeit. Schon heute machen Video-Daten rund 60 Prozent des weltweiten Datenverkehrs aus. Und sogar 52 Prozent der Videos generieren Antworten.

Dass es hierbei nicht nur um Spielerei und Unterhaltung geht, zeigen weitere Zahlen. Bei einer Befragung von 150 CIOs in den USA zeigte sich, dass mehr als die Hälfte, 54 Prozent, per Web Videos gucken beziehungsweise nutzen. Zum Beispiel werden auch die Informationen, die Überwachungskameras liefern, über das Internet verteilt. Auch die Hälfte des Traffics, den Cisco tagtäglich generiert, besteht bereits aus Video-Kommunikation.

So sind nicht nur die Zahlen, die das Datenvolumen beschreiben, beeindruckend, sondern auch die von Cisco erwarteten Umsatzzahlen und das Wachstum. „Eine Cisco ist zum Wachstum verdammt“, drückt es Korff aus.

Strategie

Das wiederum bedeute, dass Video-Kommunikation nur ein Teil einer umfassenderen Produktstrategie sei, die sich „Cisco 3.0“ nennt. „Die Applikationen laufen nicht mehr auf dem Netz, sondern mit dem Netz.“

Cisco bezieht sich auf Aussagen von Analysten: Ovum, Gartner, IDC, Merrill Lynch, MRG und MPA (Archiv: Vogel Business Media)

Die Voraussetzungen dafür würden derzeit geschaffen. Nach Analysten-Angaben sollten 2009 rund 71 Millionen Haushalte über einen Glasfaseranschluss (Fiber to the Home, FTTH) verfügen. Im Jahr 2001 dürften 20 Durchschnittshaushalte soviel Daten-Traffic auf dem Web produzieren wie anno 1995 das gesamte Internet.

Doch auch in den Unternehmen steigt der Bedarf an Netzkapazitäten rasant: Schon heute nutzen 49 Prozent der befragten US-CIOs Wikis und 47 Prozent RSS-Feeds. Darüber hinaus beteiligen sich 48 Prozent an Blogs – weltweit gesehen kommt jede Sekunde ein neuer hinzu. Zudem ist damit zu rechnen, dass in nur drei Jahren etwa 14 Milliarden Devices mit dem Internet verbunden sein werden.

Zukunftspotenzial

Cisco will an allem partizipieren und teilt sein Technik-Potenzial in drei Bereiche: Advanced Technologies, zu denen Application Networks Services, Home Networking, Digital Video, IPC und Unified Communications, aber auch Optical, Security, Storage und weitere Datenzentrums-Techniken gehören, sowie Wireless-Produkte. In diesem Bereich legt Cisco derzeit ein Wachstum von 11 oder 12 Prozent hin.

Cisco plant mit einen durchschnittlichen Umsatzwachstum von 15 Prozent (Archiv: Vogel Business Media)

Die Emerging-Technology wird noch einmal geteilt in mehr und weniger als 12 Monate. Zu den sich schneller etablierenden Techniken zählt Cisco Telepräsenz, digitale Medien-Systeme, ausgefeilte Sicherheitstechnik, Applikations-Sicherheit und Social Networking. Zu den Techniken, deren Adaptionen ferner liegen, gehört physische Sicherheit, Server Networking und Virtualisierung, Intelligent Services Management und die Interoperabilität von Kommunikation und IT. Der Hersteller erwartet ein Wachstum in den Emerging Technologies von rund 30 Prozent.

Spürnasen und Erfinder gesucht

Rund 15 Prozent der Einnahmen verwende Cisco für Forschung und Entwicklung, so Korff – im Jahr 2007 waren es 5 Milliarden Dollar bei einem Konzernumsatz von 35 Milliarden Dollar. Außerdem kaufe das Unternehmen fleißig, zum Beispiel die Firma Webex, die den Bereich Unified Communications stärken soll. Mit Five Across habe der Konzern zudem einen Spezialisten gewonnen, der das Erstellen von Videoinhalten à la Youtube für den Unternehmenseinsatz brauchbar mache. Von 1995 bis heute gab es insgesamt 120 Übernahmen.

Doch nun reiche Cisco das akquirierbare und eigene Innovationspotenzial der rund 62.000 Mitarbeiter nicht mehr aus. Mit „I-Prize“ bietet Cisco die hauseigene Kollaborationsanwendung für die Ideensammlung nun daher auch Externen an.

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