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IT-Infrastruktur-Management & Monitoring checkmk: Open-Source-Lösung für IT-Admins

Autor / Redakteur: lic.rer.publ. Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

Das Team von Tribe29 aus München hat mit „checkmk“ ein umfassendes und quelloffenes Infrastruktur-Management entwickelt. Herausragendes Merkmal: Die riesige Plugin-Vielfalt erlaubt das Management nahezu aller Geräte und Umgebungen.

Checkmk ist ein Produkt des Münchner Unternehmens Tribe29.
Checkmk ist ein Produkt des Münchner Unternehmens Tribe29.
(Bild: gemeinfrei Elchinator / Pixabay )

Eine Lösung für das Infrastruktur-Management gehört in den digitalen Werkzeugkasten jedes IT-Administrators. Viele verwenden das, was von den großen Hardware- oder Betriebssystemanbietern wie Dell, HPE, Supermicro oder Microsoft zur Verfügung gestellt wird.

Daneben gibt es eine ganze Reihe unabhängiger Software-Anbieter, die erfolgreich Produkte für dieses kritische Feld konzipiert und auf den Markt gebracht haben. Einige Beispiele sind Solarwinds, Manage Engine, Datadog oder BMC. Die meisten Angebote stammen aus den USA.

Tribe29 ist ein junges Unternehmen aus München, das sich der Open-Source-Bewegung angeschlossen hat und das Thema Infrastruktur-Management aufs Korn nimmt. Gründer Matthias Kettner, ein ehemaliger Linux- und Open-Source-Berater, war zunehmend unzufrieden mit den am Markt erhältlichen Tools: Sie reichten einfach nicht aus, um die immer komplexeren, miteinander verwobenen IT-Umgebungen, mit denen er es zu tun bekam, befriedigend zu verwalten.

Gesucht: Ein praktisches Tool fürs IT-Management

Also entschloss sich der IT-Spezialist, einfach selbst etwas Neues zu entwickeln. Ziele waren einfache Installation, Handhabung und Wartung, enge Orientierung an den praktischen Problemen von IT-Teams und große Skalierbarkeit.

Inzwischen hat Tribe29 rund 1.600 Kunden in 35 Ländern. So nutzen Zalando, Bosch, Airbus, Schenker und Swisscom Banking die Lösung. Mehr als 1.800 Plugins sorgen für Einbindung in nahezu alle denkbaren Infrastrukturen. Die Software ist auf über eine halbe Million Codezeilen angeschwollen.

Neben das Monitoring der Server, mit dem alles begann, ist das von Netzwerken, Applikationen, Datenbanken, Cloud- und Containerumgebungen sowie IoT getreten. Das Server-Monitoring, Ausgangspunkt der Lösung, überwacht jede Art von Server samt deren Inhalten mit mehr als 1.900 Prüfmechanismen. Auch virtuelle Server unter VMware und „Hyper-V“ sowie die dazugehörigen virtuellen Maschinen lassen sich kontrollieren.

Open Source und kostenloser Einstieg

Aktuell ist Version 2.0 von checkmk. Noch immer gibt es eine reine Open-Source-Lösung auf Basis eines „Nagios“-Kerns. Sie hat ein Messintervall von 60 Sekunden und ist langsamer sowie weniger effizient als die Profi-Versionen, bewältigt aber ein erstaunlich breites Portfolio an Management-Aufgaben: intelligente, granulare Alarme, die Überwachung von Geschäftsprozessen, Suchen und Filtern, Tagging und Labelling, Hard- und Software-Inventarisierung.

Die grafische Benutzerschnittstelle lässt sich kundenspezifisch gestalten genau wie das Benutzerrollen- und Berechtigungs-Management. Die Zahl der Benutzerkonten ist nach oben offen. Auch verteiltes Monitoring ist möglich. Kunden können anpassbare Echtzeit-Dashboards und moderne Grafiken zur Darstellung des Infrastrukturverhaltens nutzen sowie Daten effizient über längere Zeit speichern.

Enterprise-Varianten mit eigenem Software-Core

Daneben stehen drei unterschiedliche Enterprise-Varianten, alle auf Basis des selbst entwickelten Checkmk-Microcore. Alle arbeiten höchst effizient und unterstützen Messintervalle von einer Sekunde.

Die kleinste dieser Enterprise-Varianten managt bis 25 Hosts. Sie ist kostenlos erhältlich. Eine kostenpflichtige Version ist damit funktionsgleich, aber geeignet für 100.000 Hosts und mehr. Die Erweiterungsfunktionen der Enterprise-Versionen stammen aus Bereichen wie Dashboarding und Metrik, Hochverfügbarkeit, virtuelle Appliances und Automatisierung.

Das übersichtliche Dashboard erlaubt die Integration mehrerer Dashlets unter einem Dach.
Das übersichtliche Dashboard erlaubt die Integration mehrerer Dashlets unter einem Dach.
(Bild: tribe29)

Besonders die Dashboard-Variantenfilefalt unterscheidet die Enterprise-Versionen von der reinen Open-Source-Lösung. Hier lassen sich Graphen anpassen und kombinieren, Übersichts-Dashboards anlegen, diverse Formen von Dashlets (Host-Karten, Tacho, Einzel- und Multimetrik, Balken, Serviceprobleme, Alarmstatistiken) sowie eine Benachrichtigungszeitreihe nutzen.

Dashlets sind die einzelnen Anzeigebereiche für unterschiedliche Dinge innerhalb eines Dashboards. Außerdem sind prognosebasiertes Monitoring und prognostische Analysen möglich.

Provider-Version verfügbar

Schließlich hat Tribe29 auch eine Serviceprovider-Version von checkmk im Angebot. Sie eignet sich ebenfalls für 100.000 Hosts und mehr. Zu den Funktionen der beiden anderen Enterprise-Varianten kommen hier noch solche für die Verwaltung mehrerer Kunden. Grundlage ist ein Linux-Server.

Gegenüber den beiden kleineren, kostenlosen Varianten können die beiden großen Enterprise-Varianten auch den Netzwerk-Flow und dynamische Container-Umgebungen überwachen. Sie bieten auch mehr Integration, zum Beispiel mit der Service-Management-Plattform „Service Now“, dem Open-Source-Monitoring-System „Prometheus“ (derzeit Beta-Version) und anderen Werkzeugen.

Störungen werden so dargestellt und priorisiert, dass sofort klar ist, wo gehandelt werden sollte.
Störungen werden so dargestellt und priorisiert, dass sofort klar ist, wo gehandelt werden sollte.
(Bild: checkmk)

Die beiden großen Systeme für mehr als 100.000 Hosts bieten umfassende Support-Leistungen, die bei der kleineren und den beiden kostenlosen Varianten fehlen. Alle Versionen haben aber die gleichen Sicherheitsfunktionen. Das Management funktioniert in allen Varianten je nach Umgebung agentenbasiert oder agentenlos.

Preise: transparent kalkuliert

Die Preiskalkulation erfolgt transparent über eine interaktive Benutzerschnittstelle, auf der man den gewünschten Produkttyp, die Zahl der Hosts, Einzel- oder Gruppennutzung und anderes mehr einstellen kann. Die Angaben beziehen sich hier auf Nettojahrespreise für ein Abo.

Ein Angebot mit 1.000 Services, die nach Herstellerangaben für rund 100 Hosts ausreicht, kostet bei Einzelnutzung 600 Euro netto, mit Virtual Appliances 900, bei Gruppennutzung (typisch für internationale Unternehmen) 1.490 Euro respektive 1.500 Euro (mit Virtual Appliances). 100.000 Services (rund 3.300 Hosts) schlagen unter ansonsten gleichen Bedingungen mit 7.500 Euro zu Buche, mit Virtual Appliances 8.800 Euro netto. Kommt die Gruppennutzung hinzu, sind es 13510 Euro beziehungsweise 14810 Euro (mit Virtual Appliances).

Die Support-Leistungen lässt sich Tribe29 mit 44 Euro pro Viertelstunde vergüten, auf Nachfrage gibt es Preise für unlimitierte Tickets, vorausbezahlte Support-Zeit und SLAs für die Antwortzeit.

Vorausschau auf kommende Funktionen

Tribe29 pflegt einen transparenten Stil bei der Weiterentwicklung seiner Software, deshalb kann man heute schon nachlesen, was bereits an neuen oder verbesserten Funktionen in Arbeit oder fest geplant ist. So baut man an einer klarer strukturierten Benutzeroberfläche und neuen Dashboard-Elementen wie Streudiagrammen, will Funktionen für die Kapazitätsplanung und -analyse ergänzen und den hauseigenen Microcore überarbeiten.

Inzwischen lässt sich auch die Serverauslastung anschaulich grafisch abbilden.
Inzwischen lässt sich auch die Serverauslastung anschaulich grafisch abbilden.
(Bild: checkmk)

Bereits geplant sind optimierte Workflows etwa für die Service-Discovery oder das Aktivieren von Änderungen, mehr Metriken, Auto-Set-up in Kubernetes, Erweiterungen beim Cloud-Monitoring und die Unterstützung von Redfish.

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Über den Autor

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

Freie Journalistin, Redaktionsbüro Rüdiger