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Unternehmensresilienz gegen hybride Bedrohungen Bitkom Umfrage zeigt geringe Ausdauer bei Internetausfall

Von Paula Breukel 3 min Lesedauer

Eine Bitkom-Umfrage unter 604 Unternehmen zeigt: Bei einem Ausfall des Internets läuft der Betrieb im Schnitt nur 20 Stunden weiter. Viele Betriebe rechnen mit hybriden Angriffen, wenige halten ihre Vorsorge für ausreichend.

Hybride Angriffe verbinden digitale Attacken und physische Sabotage, Ausfälle bei Energie, Kommunikation und Finanzwesen treffen Unternehmen meist unmittelbar.(Bild: ©  Zamrznuti tonovi - stock.adobe.com)
Hybride Angriffe verbinden digitale Attacken und physische Sabotage, Ausfälle bei Energie, Kommunikation und Finanzwesen treffen Unternehmen meist unmittelbar.
(Bild: © Zamrznuti tonovi - stock.adobe.com)

Der Digitalverband Bitkom legt Ergebnisse einer Unternehmensbefragung zu hybriden Bedrohungen vor. Bitkom stellte die Zahlen im Vorfeld der Münchener Sicherheitskonferenz und der Munich Cyber Security Conference vor. Grundlage ist eine telefonische Umfrage von Bitkom Research unter 604 Unternehmen in Deutschland ab 10 Beschäftigten, mit mindestens einer Million Euro Jahresumsatz. Der Erhebungszeitraum reicht von Kalenderwoche 47/2025 bis Kalenderwoche 3/2026.

Bitkom beschreibt hybride Angriffe als Kombination aus klassischen Sabotageakten und Cyberangriffen, etwa Stromausfälle durch beschädigte Leitungen, beschädigte Internetkabel oder durch Ransomware blockierte Produktionsprozesse. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst fordert, die Resilienz von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft deutlich zu erhöhen.

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20 Stunden Betriebsfähigkeit ohne Internet, 21 Prozent sofort handlungsunfähig

Laut Umfrage können Unternehmen ihren Geschäftsbetrieb bei einem Internetausfall im Schnitt 20 Stunden aufrechterhalten. 21 Prozent geben an, bei einem Ausfall sofort die Arbeit einstellen zu müssen. 8 Prozent trauen sich zu, länger als 48 Stunden weiterzuarbeiten.

Mit Blick auf die Sicherheitslage rechnen 74 Prozent wegen der zunehmenden Spannungen zwischen Russland und der North Atlantic Treaty Organization (NATO) mit einer erhöhten Gefahr hybrider Angriffe. 83 Prozent erwarten eine ernsthafte Krise in Deutschland als Folge hybrider Angriff 53 Prozent gehen von einer militärischen Konfrontation zwischen Russland und der NATO in den kommenden fünf Jahren aus. 73 Prozent halten Deutschland im internationalen Vergleich für unzureichend vorbereitet.

Energie, Finanzwesen und Telekommunikation als wunde Punkte

Als besonders gefährdet nennen die Unternehmen die Energieversorgung mit 90 Prozent sowie Banken und Versicherungen mit 89 Prozent. Es folgen Wasser und Abwasser mit 77 Prozent, Lebensmittelversorgung mit 67 Prozent, Gesundheitswesen mit 65 Prozent sowie Telekommunikation und Informationstechnik mit 64 Prozent. Transport und Verkehr erreichen 54 Prozent, die öffentliche Verwaltung 50 Prozent. Als weniger gefährdet gelten Abfallentsorgung mit 28 Prozent sowie Medien und Kultur mit 21 Prozent.

Für das eigene Geschäft sehen Unternehmen die größten Folgen bei Attacken auf die Energieversorgung, hier nennen 97 Prozent starke Auswirkungen. Für Banken und Versicherungen liegen die Werte bei 88 Prozent, für Telekommunikation und Informationstechnik bei 85 Prozent.

Vorsorge bleibt lückenhaft, Investitionen sollen steigen

In 61 Prozent der Unternehmen liegt der Schutz vor hybriden Angriffen auf Ebene der Geschäftsführung. Dennoch hält sich kein Unternehmen für sehr gut vorbereitet. 12 Prozent stufen sich als eher gut vorbereitet ein, 38 Prozent als eher schlecht, 40 Prozent als gar nicht vorbereitet. 35 Prozent planen Vorkehrungen, 5 Prozent planen keine; 10 Prozent machen keine Angaben.

Bei einzelnen Maßnahmen zeigen sich Unterschiede. 58 Prozent verfügen über alternative Kommunikationsmittel, 57 Prozent sichern Daten per Backup und nennen erfolgreiche Wiederherstellungstests. 51 Prozent haben Ausweicharbeitsplätze oder Homeoffice-Regelungen. 28 Prozent nennen zusätzliche Lagerhaltung, 16 Prozent Vereinbarungen mit alternativen Lieferanten. Ein Krisen oder Notfallmanagement gibt es bei 28 Prozent, 20 Prozent verfügen über Notstromversorgung. Regelmäßige Krisenübungen nennen 10 Prozent.

Für die kommenden Budgets erwarten die Autoren steigende Ausgaben. 37 Prozent planen höhere Investitionen in die Vorbereitung auf hybride Angriffe und deren Folgen, 9 Prozent davon deutlich mehr. 44 Prozent rechnen mit unveränderten Investitionen, kein Unternehmen nennt sinkende Ausgaben.

Informationsbedarf, Abhängigkeit von Behörden und Personalausfälle

Nur 22 Prozent fühlen sich durch Sicherheitsbehörden ausreichend informiert. Gleichzeitig erwarten 80 Prozent im Fall eines hybriden Angriffs die verlässlichsten Informationen von staatlichen Stellen wie dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) oder dem Katastrophenschutz. Als weitere Informationsquellen nennen Unternehmen öffentlich rechtlichen Rundfunk mit 73 Prozent, private Medien mit 67 Prozent, internationale Organisationen wie NATO oder Europäische Union, kurz EU, mit 63 Prozent sowie Branchenverbände mit 60 Prozent. 48 Prozent erwarten Informationen von privaten Sicherheitsdienstleistern. 11 Prozent nennen eigene Analysen oder ein eigenes Security Operation Center (SOC).

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Für eine Krisenlage berücksichtigt die Umfrage auch Personalausfälle durch Zivilschutz oder Bundeswehr. 30 Prozent der Unternehmen haben nach eigenen Angaben einen guten Überblick, wie viele Beschäftigte im Zivilschutz aktiv sind, 20 Prozent kennen die Zahl für eine mögliche Tätigkeit bei der Bundeswehr. Unternehmen, die schätzen können, gehen im Schnitt von 9 Prozent Ausfall in der Belegschaft aus.

Von der Politik wünschen sich die Unternehmen unter anderem eine Informationskampagne zum Verhalten bei hybriden Angriffen mit 71 Prozent, das öffentliche Benennen hybrider Angreifer mit 62 Prozent sowie ein Lagebild zu hybriden Angriffen mit 50 Prozent. 79 Prozent unterstützen verpflichtende Sicherheitsstandards mit praxisnahen Leitlinien. 68 Prozent erwarten Förderprogramme für Sicherheitsmaßnahmen.

Weitere Zustimmungswerte betreffen die Förderung der deutschen Sicherheitsindustrie mit 54 Prozent sowie regelmäßige bundesweite Übungen mit Bevölkerung und Unternehmen mit 49 Prozent. Aussagen zu möglichen Gegenmaßnahmen wie Cyberoperationen der Bundeswehr oder erweiterten Überwachungsbefugnissen bleiben in der Umfrage Meinungswerte der Befragten.

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