Unternehmen müssen sowohl IPv4 und IPv6 unterstützen Wechsel auf IPv6: Der Experte erklärt die Fallstricke

Autor / Redakteur: Erin Watkins, Pete Sclafani / Ulrich Roderer

Am 6.Juni, dem World IPv6 Day, haben einige der größten Websites auf den neuen Adressraum umgestellt. Unternehmen, die jetzt erst wechseln, sollten über die Besonderheiten von IPv6 wissen, um einen problemlosen Wechsel zu erzielen. Pete Sclafani, Chief Information Officer (CIO) bei 6connect erklärt, worauf zu achten ist.

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Teredo ist eine Tunnel-Technologie die bei IPv6 zum Einsatz kommt.
Teredo ist eine Tunnel-Technologie die bei IPv6 zum Einsatz kommt.
(Bild: IPv6.org)

Die Unterschiede zwischen IPv4 und v6 sind nicht nur technischer Art, sie haben auch organisatorische Auswirkungen. Neben dem erweiterten Adressraum von 32 auf 128 Bit gibt es jetzt auch Buchstaben in den IP-Adressen. Mit den üblichen Spreadsheets lässt sich dieser komplexe Adressraum nicht mehr verwalten.

Deshalb gehört es zu den wichtigsten Arbeitsschritten bei der Umstellung auf IPv6, dass Unternehmen genau ihren IPv4-Adressraum analysieren, sowohl hinter der Firewall als auch in der Cloud. Denn bisher verwalten viele Unternehmen ihr IPv4-Environment noch mit Spreadsheets, Post-its und viel Glück. Zu den Vorbereitungsarbeiten gehört auch, eine proaktive Organisation zu schaffen und Best Practises für IPv6 einzuführen.

Hürden bei der IPv6-Einführung

Eine der Hürden ist die Kompatibilität. Hersteller zu finden, die IPv6 korrekt unterstützen, kann ein Problem werden. Es ist gar nicht selten, dass Hersteller die Kompatibilität ihrer Applikation mit IPv6 behaupten, obwohl sie ihrem GUI nur eine Text-Box hinzugefügt haben, um eine IPv6-Adresse zu speichern.

Je nach Kenntnisstand müssen die IT-Mitarbeiter auf den neuen Standard geschult werden, von den verschiedenen Administratoren bis hin zu Entwicklern.

Eine Möglichkeit Kompatibilität zwischen IPv4 und IPv6 zu schaffen ist "Tunneling": dabei wird der IPv6-Traffic über ein IPv4-Netzwerk geroutet, beispielsweise über das Kommunikationsprotokoll "Teredo". Darüber hinaus stellen Cloud-Anwendungen ein Problem dar. Für die Konnektivität müssen jetzt IPv4 und IPv6 verwaltet werden.

IPv6 bricht Silos auf

Der neue Standard wirkt sich auf die Web-Präsenz von Unternehmen aus sowie auf die Integration mit Anwendungen und damit auf die Verwaltung von Server, Netzwerken, Storage, DNS etc. Da viele IT-Gruppen bisher in Silos arbeiten, ist IPv6 geeignet, diese aufzubrechen, damit die einzelnen Gruppen zusammenarbeiten können.

Mit dem Anwachsen von IPv6-Services werden Services zunehmend geroutet mit Technologien wie Network Address Translation (NAT), Port Address Translation (PAT) sowie Tunneling.

Das IPv6-Management hinter einer Firewall übersteigt die bisher typische 1:1-Network Address Translation und Firewall Access Control Lists (ACLs). Komplexe IPv4 Netzwerk-Topologien erfordern kreative Lösungen für VPNs, Authentication-Mechanismen und IP Address Tracking und Management.

Dann besteht das Problem der internen Adressierung. Viele Geräte sind bereits IPv6 enabled und damit im Netzwerk installiert. Oder Unternehmen nutzen 6in4 Tunnels. Scanning- und Managementtools auf dem IPv4-Standard skalieren nicht gut im neuen Adressraum und erkennen die Geräte nicht.

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