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Weg vom „One Size Fits All“-Ansatz Warum jedes Unternehmen sein RZ-Netz „besitzen“ sollte

| Autor / Redakteur: Pete Lumbis [Red.: Ulrike Ostler] / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Die digitale Transformation hat viele Facetten. Für manche steht dabei die Verlagerung in die Cloud im Vordergrund. Andere konzentrieren sich auf eine durchgängige und übergreifende Datenanalyse und wieder andere fokussieren sich auf die Automatisierung ihrer Prozesse. Doch egal, welche Bereiche, Prozesse und Funktionen die digitale Transformation umfasst, das Netzwerk ist bei diesem Vorhaben immer entweder der Treiber oder das größte Hindernis.

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Die Wahl der Hard- und Software für ein RZ-Netz hat unmittelbare Auswirkungen auf die Skalierbarkeit, die Belastbarkeit und die Leistungsfähigkeit der Systeme.
Die Wahl der Hard- und Software für ein RZ-Netz hat unmittelbare Auswirkungen auf die Skalierbarkeit, die Belastbarkeit und die Leistungsfähigkeit der Systeme.
(Bild: Егор Камелев auf Pixabay)

Applikationen und Anwendungen werden zunehmend als Alleinstellungsmerkmal und Wettbewerbsvorteil angesehen. Sie definieren die Position eines Unternehmens und die Beziehung zu Kunden. Der Erfolg eines Unternehmens hängt deshalb zum einen von der Flexibilität und Verfügbarkeit von Anwendungen und zum anderen von deren Fähigkeit ab, für ein besseres Customer Engagement und bessere Geschäftsergebnisse zu sorgen.

Wenn Anwendungen das Lebenselixier heutiger Unternehmen sind, sind Netzwerke das digitale Nervensystem, das diese Anwendungen unterstützt und bereitstellt. Das Problem ist, dass die Anwendungsarchitekturen und Entwicklungsmethoden zwar agiler geworden sind, das traditionelle Data Center Netzwerk jedoch mit dieser Entwicklung nicht gleichgezogen ist.

Ein neuer Ansatz öffnet die Tür für mehr Agilität

Laut Gartner „ist die größte Herausforderung bei der Vernetzung... die Verbesserung der Agilität“. Das ist keine große Überraschung. Der Rat von Gartner erstaunt dafür umso mehr: „zuerst sollten Sie sich darüber im Klaren sein, wie Sie Ihr Rechenzentrumsnetzwerk verwalten wollen, und erst dann den Anbieter und die Produkte auswählen, die diese Entscheidung unterstützen können“. Das bedeutet, dass für die Verbesserung der Geschwindigkeit und Agilität des Netzwerks eines Unternehmens nicht unbedingt der Kauf von teuren, proprietären Monsterswitches und hochwertigen Automatisierungslösungen nötig ist.

Stattdessen beginnt die Modernisierung mit der IT und dem Netzwerkbetrieb, was durch Netzwerkautomatisierung, mehr Transparenz im Netzwerk und IT-as-a-Service Modelle ebenfalls erreicht werden kann. Ein herkömmlicher „One Size Fits All“-Ansatz für Netzwerke funktioniert im Cloud-Zeitalter schon lange nicht mehr. Um das Netzwerk auf die digitale Transformation vorzubereiten, muss es auf die Bedürfnisse der Organisation eingehen und dabei flexibel genug sein, um sich an veränderte Anforderungen schnell anzupassen.

Netzwerkanbieter liefern neben der Hardware auch häufig die passende Software und gewährleisten so ein einwandfreies Zusammenspiel. Aber versteckt inmitten dieser scheinbar unschlagbaren Kombination liegt ein Problem: Obwohl die enge Kopplung von Hard- und Software desselben Herstellers die Kompatibilität gewährleistet, führt dies zu einem Verlust an Flexibilität. Wenn die Hard- und Software eines Unternehmensnetzwerks unflexibel und schwerfällig sind, wird dies immer ein Hindernis für Agilität sein.

Unabhängig davon, wie engagiert ein Netzwerkteam ist, kann es die zugrundeliegende Architektur der Lösung eines Anbieters nicht ändern. Aus diesem Grund ist es für Unternehmen von entscheidender Bedeutung, eine Lösung zu wählen, die es ermöglicht, das Netzwerk zu skalieren und zu automatisieren.

Die Bedeutung der Skalierbarkeit

Netzwerk-Skalierbarkeit bedeutet, dass das Rechenzentrumsnetzwerk entsprechend den Anforderungen des Unternehmens erweitert werden kann. Es gibt verschiedene Stufen der Skalierbarkeit und verschiedene Möglichkeiten, diese zu erreichen. Wenn ein Unternehmen beispielsweise die Ausgaben für das Netzwerk verdreifachen muss, um Kapazität und Leistung zu verdoppeln, ist das Netzwerk nicht sehr skalierbar.

Aber wenn sich die Zahlen umkehren – also die Kapazität und Leistung des Netzwerks verdreifachen, sich die Ausgaben aber nur verdoppeln – dann ist das Netzwerk hochgradig skalierbar. Der Grad der Skalierbarkeit, den ein Unternehmen erreichen kann, hängt also in jedem Fall von der zugrundeliegenden Netzwerkarchitektur ab.

Vertikale oder horizontale Skalierung – die Entscheidung trifft jedes Unternehmen für sich. Die Entscheidung erzeugt einen Welleneffekt im gesamten Unternehmen.

War sich ein Unternehmen früher nicht sicher, welches Switch-Modell stark genug ist, um den Wachstumsbedarf zu decken, hat es sich für das größere (und teurere) Modell entschieden. Dieses wurde dann entsprechend der Leistungsanforderungen vergrößert oder verkleinert.

Bei der vertikalen Skalierung sind Unternehmen jedoch auf die jeweils größte verfügbare Box beschränkt. Und wenn der gekaufte Monster-Switch nicht groß genug ist, muss dieser ersetzt werden, was zu Ausfallzeiten führt.

Switch-Scale-out oder Switch-Scale-up?

Anstatt einen großen, leistungsstarken Switch zu verwenden, können auch mehrere kleinere Switches kombiniert werden, um die gleiche Leistung zu erhalten. Dies wird als „Scaling out“ oder als horizontale Skalierung bezeichnet. Der Vorteil dabei ist, dass Unternehmen nicht durch die Leistung eines einzigen Switch eingeschränkt sind.

Wenn die Anforderungen wachsen, können weitere kleinere Switches hinzugefügt werden. Sollte ein kleiner Switch von Dutzenden ausfallen, sind die Auswirkungen gering. Hat dieser zudem eine redundante Verbindung, kann die Auswirkung beispielsweise sogar nur ein vorübergehender Leistungsabfall sein.

Cloud-Anbieter nutzen den Scale-Out-Ansatz, um eine hohe Leistung, Zuverlässigkeit und Agilität zu erreichen. Wenn ein Unternehmen die digitale Transformation erfolgreich umsetzen will, sollte sein Netzwerk den gleichen Ansatz verfolgen.

Das Streben nach vollautomatischen Konfigurationen

Heute besteht ein beispielloser Druck auf das Rechenzentrumsnetzwerk: Es muss nicht nur skalierbar und leistungsfähig sein, sondern auch eine weitgehende Automatisierung des gesamten Netzwerklebenszyklus, von der Bereitstellung über die tägliche Verwendung bis hin zu Upgrades bieten. Hinzu kommen die wachsenden Anforderungen hinsichtlich Agilität und Flexibilität.

Mit zunehmendem Wachstum und zunehmender Komplexität des Netzwerks werden manuelle Konfigurationen immer zeitaufwändiger, schwieriger und riskanter. Die Automatisierung ist daher wesentlicher Bestandteil des Skalierbarkeitspuzzles.

Doch eine enge Kopplung von Hard- und Software engt auch die Möglichkeiten der Unternehmen bei der Automatisierung ein. Ein proprietäres Netzwerkbetriebssystem bedeutet entweder die Verwendung einer proprietären Automatisierungssoftware oder das Hacken der eigenen Automatisierungslösung. Auch hier verhindert die „One Size Fits All“-Mentalität, dass eine Organisation ihre digitalen Transformationsziele erreicht.

Open-Source-Unterstützung

Um das Netzwerk schnell und flexibel zu designen, muss das Betriebssystem Open-Source-Automatisierungs-Tools wie „Ansible“, „Chef“ und „Puppet“ unterstützen. Das Netzwerkteam braucht die Freiheit, maßgeschneiderte Automatisierungslösungen zu entwickeln, die den Unternehmenszielen entsprechen.

Zusammen mit der Gefahr von Netzwerkausfällen hat die weit verbreitete Einführung von Microservices, Containern und virtuellen Maschinen eine neue Ebene der Komplexität im Rechenzentrum geschaffen. Dies führt bei traditionellen Netzwerken zu einer Belastung und somit zur Notwendigkeit, die Betriebsabläufe zu vereinfachen.

Wenn ein Problem auftritt, sind Unternehmen gezwungen, nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen zu suchen und eine manuelle Box-to-Box-Intervention durchzuführen. Der Grund: Es fehlt ihnen die nötige ganzheitliche Sicht auf alle Aktivitäten.

Der Blick auf's Ganze

Um sicherzustellen, dass sich das Datacenter wie vorgesehen verhält, ist es wichtig, eine ganzheitliche Sicht auf das Netzwerk zu erhalten. Dies bedeutet die Fähigkeit, Daten zu sammeln, zu analysieren und in Echtzeit zu visualisieren, um aussagekräftige Erkenntnisse zu gewinnen und das Rechenzentrumsnetzwerk effektiv verwalten zu können.

CEOs sollten die Infrastruktur zunehmend als strategische Ressource ihres Unternehmens verstehen. Ein direkter Blick auf das Netzwerk ermöglicht es Teams, Ausfälle zu verhindern und einen noch höheren ROI des Rechenzentrums zu erzielen.

Unternehmen in allen Branchen und Regionen stellen fest, dass im Zeitalter der digitalen Transformation ein Wandel unvermeidlich ist. Dies gilt insbesondere für das Rechenzentrum, wo Architekturen, Infrastrukturen, Personen und Prozesse mit einer höheren IT- und Betriebseffizienz, einer schnelleren Bereitstellung von Ressourcen, einem verbesserten Netzwerk-Management und der unmittelbaren Fehlersuche einhergehen müssen. All dies muss im Kontext einer schnelleren Markteinführung und einer besseren Abstimmung der IT-Teams auf die Geschäftsergebnisse geschehen.

Pete Lumbis.
Pete Lumbis.
(Bild: Cumulus Networks)

Glücklicherweise bieten IT-Transformationsinitiativen Unternehmen die Möglichkeit, Netzwerkarchitekturen und Betriebsmodelle im Hinblick auf die Notwendigkeit eines modernisierten IT-Ansatzes neu zu bewerten. Im Bereich der Vernetzung bedeutet dies, Praktiken einzuführen, die den Schwerpunkt auf Automatisierung, Flexibilität und Skalierbarkeit legen, um operative Agilität und Effizienzsteigerungen zu erzielen, was letztendlich zu mehr Umsatz und Gesamterfolg führt.

Über den Autor

Pete Lumbis ist Technical Evangelist bei Cumulus Networks.

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