Lünendonk IT-Freelancer-Markt

Unsichere Rechtslage erschwert Freelancern die Arbeit

| Autor / Redakteur: Sarah Gandorfer / Andreas Donner

Die Arbeitnehmerüberlassung wird zunehmend wichtiger, wird aber von vielen IT-Freelancern abgelehnt.
Die Arbeitnehmerüberlassung wird zunehmend wichtiger, wird aber von vielen IT-Freelancern abgelehnt. (Bild: © Roman Stetsyk - stock.adobe.com)

Jedes fünfte bereits budgetierte IT-Projekt kann wegen Fachkräftemangel nicht umgesetzt werden. Freelancer bringen nicht die erhoffte Erlösung, da es zum einen zu wenige gibt, zum anderen werden sie wegen gesetzlicher Regulierungen nicht in jeder Firma geduldet.

Hays, Gulp und Co., also Vermittler von IT-Freelancern, reiben sich die Hände, denn dieser Markt zählt seit fast zehn Jahren zu einem der wachstumsstärksten in der deutschen Wirtschaft. 2018 betrug das Umsatzvolumen 2,4 Milliarden Euro, und die Preise für IT-Spezialisten steigen. Allerdings stehen die Recruter vor dem Problem, vermittelbare Freiberufler zu finden.

Die führenden Personaldienstleister vermuten, dass etwa zehn Prozent der IT-Freelancer Deutschland den Rücken kehren, da sie hierzulande durch die Regulierungen zur Scheinselbständigkeit behindert werden. Zumal für die meisten eine Beschäftigung im Rahmen einer Arbeitnehmerüberlassung nicht in Frage kommt. „Aus Sicht der Recruting-Anbieter schwächt die Reform den Standort Deutschland im internationalen Wettbewerb“, erklärt Jonas ­Lünendonk, Geschäftsführer der Lünendonk & Hossenfelder, bei der Vorstellung der aktuelle Marktsegmentstudie zu IT-Freelancern.

Unternehmen verbieten Einsatz von Freelancern

Auf Unternehmensseite herrscht Verunsicherung: Jede zehnte Firma möchte nach Schätzung der Recruting-Agenturen keine Freelancer mehr einsetzen. „Der Mix aus rechtlicher Unsicherheit und fehlendem Wissen der Kunden hat dazu geführt, dass zahlreiche IT-Projekte nicht besetzt werden konnten und sich teils deutlich verzögern“, fährt der Lünendonk fort.

Die Studie zeigt, dass 62 Prozent der Unternehmen mindestens jedes fünfte geplante und budgetierte IT-Projekt wegen fehlendem Knowhow nicht umsetzen konnte. Gesucht werden vor allem Software-Entwickler, gefolgt von Spezialisten für Data-Management und IT-Security.

Die Sorge, gegen Gesetze zu verstoßen, führte bei rund 13 Prozent der Unternehmen dazu, überhaupt keine Freiberufler mehr anzuheuern und die Beschäftigung nur noch per Arbeitnehmerüberlassung fortzuführen. So soll zum Beispiel Vodafone den Einsatz von Freelancern ab sofort untersagt haben. Das gilt auch für Lieferanten, denen bei Zuwiderhandlung mit Regressansprüchen gedroht wird.

Solch ein Gebaren stößt laut Ansicht der Personaldienstleister schnell an Grenzen. Denn ­viele große Projekte dauern in der Regel länger als die erlaubte Überlassungszeit von 18 Monaten. Zudem sind Freelancer selbständige Unternehmer, die beispielsweise ihren Wagen als Firmenfahrzeug ­führen. Stellen sie ihre Dienste im Rahmen einer Arbeitnehmerüberlassung zur Verfügung, verzeichnet ihre eigene Firma keinen Umsatz. Das macht das Ganze unattraktiv.

Unterschied von Freelancern und Paketfahrern

Die Personaldienstleister schätzen, dass es ungefähr 400.000 Freelancer gibt. Hiervon sind ungefähr 150.000 auf IT spezialisiert. Der Rest setzt sich aus Experten für den Finanzbereich, Ingenieure und Life ­Siences zusammen. Grundlage für diese Annahme bilden Statistiken sowie Zahlen aus Freelancer-Plattformen.

„Die gesetzliche Regulierung will Geringverdiener, wie Paketausfahrer oder Leiharbeiter, schützen. Leider hat die Politik dabei die vergleichsweise geringen Zahl an sehr gut verdienenden Freelancern nicht im Blick. Diesen legt sie mit der aktuellen Gesetzgebung Steine in den Weg. Gleiches gilt für die Wirtschaft, die die Freelancer dringend braucht, um digital wettbewerbsfähig zu bleiben“, betont Peter Schneider, Geschäftsführer bei Allgeier Experts. Eine Lösung wäre, einen genaueren Blick auf die Höhe der Bezahlung zu werfen und anhand dieser eine entsprechend überarbeitete Gesetzeslage zu schaffen. Dabei könnte mit pauschalen Sozialabgaben gearbeitet werden, so ein Vorschlag der Personaldienstleister.

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