WLAN Access Points für Unternehmen und Profi-Nutzer

Ubiquiti UniFi Wi-Fi Access Point System im Test

| Autor / Redakteur: Moritz Jäger / Andreas Donner

Das innovative Antennendesign ermöglicht weitreichende symmetrische Verbindungen und die Antennenverstärkung des Long-Range-APs (LR) verbindet laut Ubiquiti entfernte Clients besser als traditionelle One-Way-High-Transmit-Power-APs.
Das innovative Antennendesign ermöglicht weitreichende symmetrische Verbindungen und die Antennenverstärkung des Long-Range-APs (LR) verbindet laut Ubiquiti entfernte Clients besser als traditionelle One-Way-High-Transmit-Power-APs. (Bild: Ubiquiti Networks)

Wer drahtlose Netze professionell nutzen will, muss meist tief in die Tasche greifen. Die WLAN-Produkte von Ubiquiti versprechen Profi-Leistung zu günstigen Preisen. Können die Produkte das Versprechen halten? Wir haben uns die Geräte angesehen.

WLAN ist aus den wenigsten Unternehmen wegzudenken. Bei der Produktwahl gibt es aber meist eine Entweder-Oder-Situation: Entweder man zahlt die Premium-Preise für Enterprise-fähige WLAN Access Points oder man entscheidet sich für Consumer-Geräte, die besonders in den Bereichen Verwaltung und Leistung Einschränkungen mitbringen.

Der amerikanische Hersteller Ubiquiti will hier mit seinen Geräten einen dritten Weg anbieten: WLAN Access Points für Unternehmen zu Preisen von Consumer-Produkten. Damit nicht genug, sowohl Firmware-Updates als auch die notwendige Controller-Software ist kostenlos downloadbar, komplett ohne Lizenzgebühren. Das klingt zu gut, um wahr zu sein – doch dahinter steckt eine klare Geschäftsstrategie. Der Ubiquiti-Gründer Robert J. Pera (ein ehemaliger Apple-Entwickler) setzt auf Outsourcing, das Web und internationale Fertigung, etwa in Taiwan, wie dieser Forbes-Artikel erklärt.

Hardware

Ubiquiti macht große Versprechungen, aber wie steht es mit der eigentlichen Hardware? Um das zu testen haben wir zwei Produkte an einem Controller angeschlossen. Zum Einsatz kommen ein UniFi UAP-AC-LR sowie ein UniFi UAP-AC-Lite. Beide Access Points sind grundsätzlich ähnlich und für den Indoor-Einsatz gedacht. Das Kürzel LR steht für Long-Range; der Access Point ist also für eine möglich weite Abdeckung gedacht. Der Lite-Access Point ist deutlich kleiner; die Idee hier ist, dass er Lücken in der Abdeckung schließt.

Preislich sind beide Access Points interessant: Der UAP-AC-LR kostet etwa 110 Euro, der UAP-AC-Lite liegt bei ca. 90 Euro. Zusätzlich gibt es noch zwei weitere Produkte, den UAP-AC-Pro und den UAP-AC-Edu. Die Pro-Variante kann sowohl drinnen als auch draußen angebracht werden und bietet einen noch höheren Datendurchsatz. Die Edu-Variante wartet mit einem zusätzlichen Lautsprechersystem auf, was etwa im Schul- oder Universitätsumfeld gleich noch weitere bestehende Systeme ersetzen kann. Als Kunde kann man die Geräte mischen, wie man möchte. Sie sind untereinander kompatibel und lassen sich über eine gemeinsame Oberfläche verwalten.

Wichtig: Es handelt sich um reine Access Points, sie bieten weder Routing- noch DHCP-Funktionen. Die Geräte werden über Power-over-Ethernet betrieben. LR- und Lite-Produkte benötigen ein 24V passives PoE (ein Adapter liegt bei), das Pro-Gerät unterstützt 802.3af PoE/802.3at PoE+, die Edu-Variante erhält Strom per 802.3at PoE+.

Hier sieht man bereits gut die Unterschiede: Während Lite und LR auf einen proprietären PoE-Injector setzen (alternativ liefern Ubiquiti Switches oder Router die notwendige Spannung) halten sich Pro- und Edu-Modelle an gängige Standards. Größere Installationen sollten daher eher auf die Pro-Version setzen, bei wenigen APs kann man mit dem mitgelieferten PoE-Adapter aber gut leben.

Controller-Software

Wie bei Enterprise-Hardware üblich, läuft die Controller-Software nicht auf den Geräten selbst, sondern ist in ein separates Paket ausgelagert. Anders als bei vielen Anbietern fallen aber für die Nutzung hier weder Lizenz- noch Softwaregebühren an, der UniFi Controller ist kostenlos von der Ubiquiti-Webseite für Windows, Mac OS X und Unix/Linux downloadbar.

Es handelt sich beim Controller um eine Java-Anwendung, die auf dem jeweiligen System einen lokalen Server erstellt, mit dem sich die Access Points im Netzwerk verbinden. Alle Einstellungen werden über das Web-Interface erledigt und anschließend an die Access Points verteilt.

Für die erste Einrichtung muss in jedem Fall der Controller genutzt werden. Ubiquiti trennt die Konfiguration von den eigentlichen Access Points. Das bedeutet, dass Admins erst einmal in Ruhe die Umgebung und die eigentlichen Netzwerke einrichten können. Zur einfacheren Verwaltung werden diesen in WLAN-Gruppen zusammengefasst, jede Gruppe kann bis zu vier verschiedene SSID verwalten, jede SSID kann dabei unterschiedliche Verschlüsselungsszenarien abbilden.

Sind die WLAN-Gruppen eingerichtet, lassen sich diese auf beliebig viele Access Points ausrollen. Erkannte, aber noch nicht konfigurierte Access Points tauchen direkt in der Übersicht auf. Sie lassen sich mit einem Klick übernehmen und ins WLAN-System einbinden. Das klappt erfreulich einfach und innerhalb weniger Minuten.

Bei den Funktionen können sich Admins richtig austoben. Gästeportale sind ebenso möglich wie „Walled Gardens“, bei denen bestimmte SSIDs nur auf bestimmte IPs zugreifen dürfen. Dazu kommen weitere Features, etwa Roaming via Zero Handoff oder Band Steering, eine Funktion, die Clients eher ins 5-GHz-Band schickt. Ebenfalls zu haben sind Quality-Of-Service-Funktionen und sogar eine Deep-Packet Inspection Lösung, die sich allerdings noch in der Beta-Phase befindet.

In der Praxis

Oft ist Enterprise-Netzwerkhardware vielseitig aber kompliziert einzurichten, glücklicherweise ist das bei Ubiquiti nicht der Fall. Die komplette Konfiguration erfolgt über das Web-Interface der Controller-Software. Zwar muss man ab und zu suchen, wo eine Einstellung ist (Band Steering etwa findet sich in den Einstellungen der jeweiligen Access Points, nicht in der Konfiguration der WLAN-Gruppen), mit etwas Geduld (und dem sehr guten Support-Forum) lassen sich aber fast alle Probleme schnell lösen.

Auf der Hardware-Seite gibt es nichts zu meckern: Die Reichweite der Access Points (gerade der LR-Version) ist sensationell. In Kombination mit den integrierten Scannern für andere WLAN-Netzwerke und der Möglichkeit, Grundrisse in einen RF-Planer einzutragen, kann man sich selbst in komplizierten Büroräumen oder bei vielen anderen WLANs im Umkreis eine passende Nische zimmern. Vor allem, weil sich die Access Points nicht zwingend per Kabel ins Netzwerk einbinden müssen. Alternativ klappt das auch per Wireless Uplink, bei dem sich ein Access Point direkt mit einem anderen verbindet – allerdings auf Kosten der Geschwindigkeit.

Insgesamt ist der Netzwerkdurchsatz der Geräte sehr gut. Kurze Benchmarks mit LanBench (im Gigabit-Netzwerk) ergeben eine tatsächliche Geschwindigkeit von knapp 190 Mbit/s. Ähnlich sieht es mit der Verbindung ins Web aus, der Fast.com-Benchmark von Netflix liefert zwischen 200 und 190 Mbit/s (was dem Maximum des zum Test verwendeten Internetanschlusses entspricht).

Fazit

Gerade wer sich bislang mit Consumer-Geräten herumgeschlagen musste, der wird von den Ubiquiti-Produkten begeistert sein. Deutlich schneller als die meisten Consumer-Geräte, viel mehr Funktionen. Diejenigen, die bereits von Enterprise-Systemen kommen werden den günstigen Gerätepreis und die einfache Verwaltung schätzen.

Problematisch wird es allerdings, wenn man sich auf Dienstleister für die Integration verlassen will. Die offizielle Seite nennt vier Ansprechpartner für Deutschland, die offizielle Seite für Trainer kennt gerade einmal fünf deutschsprachige Einträge. Wer jedoch ein Netzwerk-Admin-Team hat, das sich auskennt und sich die Installation und Verwaltung zutraut, der sollte die Ubiquiti-Produkte in jedem Fall ausprobieren und sich die Features genau ansehen. Ebenso ergibt sich eine Chance für Systemhäuser, die Kunden eine Alternative zu etablierten Wireless-Systemen bieten möchten.

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