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Die (R)Evolution der Rechenzentren; Teil 20

Techniken für konvergente Netze – ein Überblick über DCB

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DCB-ETS und DCBX

ETS (Enhanced Transmission Selection) ist eine Funktion zur Steuerung der relativen Anteile von differenzierten Verkehrsarten an einem Gesamtstrom. Solche Funktionen gibt es in Providernetzen und vor allem bei optischen Netzen schon längst und ETS war eigentlich für den LAN-Bereich erheblich überfällig.

Das Protokoll hat eine sehr nützliche Gesamtfunktionalität, vor allem, wenn wir an die oben genannten Erkenntnisse denken. Denn wir haben ja das Problem, dass das Gesamt-Verkehrsaufkommen 80 Prozent der Nominal-Leistung nicht übersteigen sollte. Die Berücksichtigung dieser Grenze im Rahmen eines Netzdesigns ist möglich und sinnvoll, aber nur bei ganz neuen Netzen möglich. Im Zusammenhang mit bestehenden Netzen, die nur teilweise aufgerüstet werden, ist sie ein frommer Wunsch, außer man hat ETS.

ETS definiert relative Anteile, also z.B. 40 Prozent für SAN-Verkehr, 40 Prozent für LAN-Verkehr und 20 Prozent für IPC. Man darf nicht unterschätzen, welche Wirkung man durch den geschickten Einsatz von derartigen Funktionen auch in verzweigten, großen L2-Bereichen erzielen kann, wenn die Funktionen an allen Switches zur Verfügung stehen.

Kurz: ETS ist eine extrem sinnvolle Funktion, deren Nutzen sich umso mehr entfaltet, desto geschickter man sie einsetzt!

DCBX

In einem größeren Netz werden mit der Zeit Switches unterschiedlicher Hersteller, Bauarten und/oder Release-Stände eingesetzt. Es ist unbedingt notwendig, dass sich diese Switches automatisch untereinander über den Grad der Unterstützung der Funktionen abstimmen können. Der Standard für DCBX hat hier für meine Begriffe genügend Reserven zur Aufnahme weiterer Funktionen, die es vielleicht in Zukunft gibt.

Zwischenfazit: einfache Priorisierung vs. PBFC im DCB-Kontext

Der wesentliche Unterschied ist zunächst, dass eine einfache Priorisierung den Anforderungen der Steuerung eines definierten konvergierten Verkehrsstroms technisch schlicht nicht genügt. Überdies kann man die Nachteile einer einfachen Priorisierung an drei Punkten festmachen:

  • Es kann Betriebssituationen mit mehr als 100 Prozent Last geben. Einfacher Priorisierung fehlt jegliche Möglichkeit, in diesem Fall stabilisierend einzuwirken.
  • Wie ältere Analysen zeigen, benachteiligt die simple Priorisierung bei Hochlast die gering oder nicht priorisierten Datenströme erheblich.
  • In der Praxis gibt es für einfache Netze einen protokollabhängigen Überlastschutz durch Sliding Window-Verfahren auf Layer 3. Kritisch sind aber die Protokolle, die das nicht haben, wie UDP.

DCB schafft hier erhebliche Vorteile

Eine Überlast kann primär konstruktiv und in Ausnahmefällen durch eine gezielte Bremsung von Sendern vermieden werden. Die differenzierte Priorisierung ermöglicht einen geregelten Betrieb auch in einer Hochlastphase und gibt damit der Congestion Control die notwendige Zeit, Lastquellen entsprechend herunter zu regeln, wenn diese die notwendigen Voraussetzungen dafür erfüllen. Die Norm liefert nur die Basismechanismen. Alles Weitere ist abhängig von der Implementierung, hier gibt es ein weites Spektrum. Durch ETS und Congestion Control können speziell die Auswirkungen der kritischen Protokolle eingegrenzt werden. Durch ETS-Einstellungen kann eine unangemessene Benachteiligung niedrig-priorisierter Verkehrsströme vermieden werden.

Insgesamt ermöglichen die DCB-Funktionen die Durchsetzung der vom Benutzer via ETS definierten Anforderungen an die Qualität der Behandlung eines Datenstroms in einem konvergierten Netz von Ende-zu-Ende in einer kontrollierten Form!